16.07.2011

It's a Love/Love Relationship





SACRED REICH - THE AMERICAN WAY


Eine komplett aussichtslose Situation. Der damals noch 13-jährige Florian belatschert seine Erzeuger über einen Zeitraum von gut sechs Wochen täglich, ihn doch bittebittebitte alleine zu diesem einen Konzert gehen zu lassen. Der eigentlich zur Begleitung abkommandierte Bruder ist zu diesem Termin abkömmlich, aber es muss sein: ich muss da hin!

"Es ist doch ausgerechnet an meinem Geburtstag. Da bin ich ja dann schon 14."

Ich weiß es noch wie heute: meine Eltern nahmen mich damals zum allmonatlichen Kegelabend mit und auf dem Heimweg hörte ich dann die so lange ersehnten Worte.

"Also gut. Aber der Papa fährt Dich hin und holt Dich auch wieder ab. Und um 23 Uhr ist Schluss."

Ich habe die folgende Nacht vor Freude nicht geschlafen.

Das Line-Up dieses Abends liest sich wie der feuchte Traum eines jeden Thrash Metal Fans: die Bay Area-Legende Heathen, die ihr gerade geborenes Album "Victims Of Deception" promoten wollen, gehen als erste Band des Abends auf die Bretter, die Brasilianer von Sepultura holzen mit ihrer letzten guten Scheibe "Arise" im Gepäck als Headliner alles um, und in der Mitte wollen Sacred Reich ihr "The American Way"-Album vorstellen, das ein Jahr zuvor in Europa veröffentlicht wurde, und das ich zu jenem Zeitpunkt schon in- und auswendig kannte.

Sacred Reich stammen aus dem US-Bundesstaat Arizona und veröffentlichten bis zur ersten Bandauflösung im Jahr 2000 insgesamt vier Studioalben. Drei EPs und ein Livealbum vervollständigen die Diskografie. Das zweite Studioalbum "The American Way" erschien 1990 und gilt heute, wie auch das Debut "Ignorance", als Klassiker des Thrash Metals.

Das ist einerseits verwunderlich, denn "The American Way" hat mit den High Speed-Thrashern, die auf "Ignorance" und der großartigen "Surf Nicaragua"-EP zu finden waren, nicht mehr viel zu tun. Bis auf einige rare Geschwindigkeitsausbrüche regiert das Mid-Tempo und ein geradewegs höllischer Groove, der insbesondere vom eigentlich recht simplen, aber ungeheuer originellen Riffing entwickelt wird. Für jene Zeit ist das schon durchaus ungewöhnlich, und auch wenn die Thrash Metal Fans zu jener Zeit mit einigen Soundkorrekturen ihrer Lieblingsbands leben mussten (= zu kämpfen hatten), kratzten sich 1990 nicht wenige am Kopf und fragten sich, ob das eigentlich noch der pure, reine Thrash Metal sei. Darf man das eigentlich noch gut finden? Und damit kommen wir zum Andererseits: Ja, das musste man sogar gut finden. Eigentlich bleibt einem bei Riff-Granaten wie dem zunächst etwas sperrigen Opener "Love...Hate", dem fantastischen Titelsong, dem Groove-Monster "The Way It Is", dem endzeitlichen "Crimes Against Humanity", oder der Hymne "Who's To Blame?" gar nichts anderes übrig: das ist alles (!) viel zu gut. Sacred Reich loten hier keine Extreme aus - bis auf extrem gutes Songwriting: das Quartett hat mit "The American Way" ein beeindruckend kompaktes Album geschrieben und an das Ende sogar ein experimentelles Funkrock-Intermezzo namens "31 Flavors" gesetzt, das mit Bläsern und einem Bootsy Collins Gedächtnis-Basslauf überrascht und textlich den Spirit der Band auf den Punkt bringt:

I love the Chilis
freaky, uplift, mother's milk
Faith No More
Mike Patton's voice is smooth as silk
Metallica's
music makes me want to rage
Sting's lyrics
have something to say
Jimi Hendrix
plays guitar like a no one else
Black Sabbath
Ozzy's voice is sick as hell
Prince, Fishbone, NWA
these are the things that I like to play
Mr. Bungle
is so very cool
so don't be
an ignorant fool
there's so much music
for you to choose
so don't just be
a metal dude
it's cool fool






Vermutlich wäre ein solches Stück mit einem solchen Text angesichts der damaligen sehr sturen und engstirnigen Szene für jede andere Band das kommerzielle Todesurteil gewesen, aber Sacred Reich waren auch aufgrund der im Mittelpunkt stehenden, sozialkritischen und politischen Texte viel zu glaubwürdig, um hier einen billigen Marketing-Trick zu unterstellen. "Who's To Blame?" griff die Anschuldigungen gegen Judas Priest und Ozzy Osbourne auf, sie seien für den Selbstmord von Jugendlichen direkt verantwortlich. "Crimes Against Humanity" richtet sich gegen die Umweltverschmutzung, "The American Way" beschreibt den Zerfall der US-amerikanischen Gesellschaft mit der Zeile "No truth, no justice...The American Way.", mit der darüber hinaus seither die Konzerte der Band eröffnet werden.
Apropos "Konzerte", Teil 1: die Buben sind seit 2007 wieder mehr oder minder regelmäßig live unterwegs - sogar in der Alten Welt. Zur Festivalsaison gibt es eigentlich jedes Jahr die Möglichkeit, die quietschfidele Truppe auf einer Clubbühne zu sehen. Was ich hiermit ausdrücklich empfehlen möchte.

Apropos "Konzerte", Teil 2: Der Abend im Juni 1991 war selbstverständlich denkwürdig. Ich werde niemals vergessen, wie mein Vater, stilecht im burgundfarbenen Pullunder und mit brauner Wildlederjacke und Schnauzbart bewaffnet, die Tür zur Halle im Frankfurter Volksbildungsheim just in dem Moment öffnete, als Andreas Kisser zu einem Gitarrensolo ansetzte, und Papa sich also in Nullkommanix mitten im Pulk bekiffter und besoffener Thrash-Assos befand und mit besorgter Miene Ausschau nach seinem Sohn hielt. Der, ebenfalls selbstverständlich, mit einem sauberen Tinnitus auf den Heimweg geschickt wurde und der "The American Way" seitdem nicht mehr von der Seite weicht.

Erschienen auf Roadrunner, 1990.

08.07.2011

Lee Morgan - Charisma


LEE MORGAN - CHARISMA

Das Entdecken von alten Lee Morgan Alben aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts (wie das klingt, ey...) ist immer eine Investition von Zeit und Geld wert. Denn auch wenn der Trompeter zu jener Zeit eine Blue Note-Session nach der anderen aufnahm, und der geneigte Beobachter alleine ob der Menge des Outputs hinsichtlich der Qualität leicht skeptisch die Stirn zunzeln könnte, ist wenigstens mir persönlich keine einzige auch nur mittelmäßige Aufnahme von ihm bekannt. Was alle Sessions miteinander verbindet: der Soul. Der Blues. Der Funk. Und die Tatsache, dass sich hier immer die Krönung der damaligen Jazzmusiker versammelte. Auf "Charisma" tummeln sich Hank Mobley (ts), Jackie McLean (as), Billy Higgins (dr), Paul Chambers (bs) und Cedar Walton am Piano.


Nach seinem drogenbedingten Absturz zu Beginn der 1960er, der Abreise aus New York und einer eingelegten Zwangspause in seiner Heimatstadt Philadelphia, kehrte Morgan 1963 wieder zum Big Apple zurück, unterschrieb einen Vertrag bei Blue Note und legte mit der Veröffentlichung von "The Sidewinder" praktisch aus dem Stand einen künftigen Klassiker vor. Auch wenn Morgans Karriere selbstverständlich schon viel früher, mit regelmäßigen Aufnahmesessions als Leader ab 1956, sowie als Sidekick von Art Blakey and The Jazz Messengers, Hank Mobley oder Jimmy Smith, begann, schlug erst der funkige, mit sattem Boogaloo-Rythmus ausgestattete Titeltrack von "The Sidewinder" so richtig ein. Morgan versuchte in den kommenden Jahren mit zum Teil durchaus ähnlichen Themen und Ansätzen ("The Rumproller") an diesen Erfolg anzuknüpfen, was ihm aber nicht mehr gelang. Trotzdem blieb er bis zu seinem Tod 1972 (er wurde von einer seiner Freundinnen in New York auf offener Straße erschossen) einer der großen Jazzkomponisten. "Charisma" wurde 1966 in den Rudy Van Gelder Studios aufgenommen, von Blue Note aber erst drei Jahre später veröffentlicht.

Was für mich auf dieser Platte im Vordergrund steht, ist der unbändige und hörbare Spaß der Musiker. "Charisma" ist über die gesamte Distanz so locker und flockig, so cool swingend, dass mein kleines Köpfchen unentwegt am Mitwippen ist. Der funkige Einstieg mit "Hey Chico" lässt schon die Glückshormone sprießen, während vor allem das nachfolgende "Something Cute" mein Favorit ist. Hier kann sich vor allem Jackie McLean, nicht erst seit gestern einer meiner ganz persönlichen Jazzhelden, mit einem tollen Solo richtig austoben. "Rainy Night", komponiert von Pianist Cedar Walton hingegen ist eine soulige, nokturne Ballade mit melancholischem Sommerurlaubsfeeling. Duke Pearsons "Sweet Honey Bee" swingt sich als Einstieg in die B-Seite zu einem ausgelassenen Turm von Lebensfreude auf. Fantastisch ist auch ganz grundlegend das Spiel von Cedar Walton, der im Hintergrund einen fluffigen Swing-Teppich knüpft und mit exakt perfektem Timing aus der Deckung herausbricht und die Erde plötzlich um die Sonne kreisen lässt. Am Ende des Tages ist er der Star dieser Session - trotz des beteiligten "Who's Who".

Außerdem ist unbedingt das tolle Coverartwork erwähnenswert, von dem ich hier einfach die Vorder- und Rückseite präsentieren muss. "Charisma" erschien als Gatefold-Cover und so ist es auch heute noch als Counterfeit zu haben. Für durchaus schmales Geld, wie ich hinzufügen möchte.

Erschienen auf Blue Note, 1969.

Lovers Melt II

Flying Lotus hat einen extrem fluffigen, von Soul, Funk und Jazz durchsetzten Sommer Mix 2011 auf der Homepage seines Labels zum kostenlosen Download angeboten.

Wenn man nicht gerade mit Rotznase, Schädelspaltung extraordinaire und Bollerhusten langsam mit der Couch zusammenwächst, sondern stattdessen lieber auf den Straßen seiner Lieblingsstadt lässig mit einem Cuba Libre oder einer schönen Erektion herumlungert und den lieben "Religionserfinder" (Malmsheimer) einen guten Mann sein lässt, dann ist das Dein Soundtrack.

Schnell zugreifen, der Scheißwinter kommt schnell genug.

Der Link zum Mix

Alternativer Link zum Mix

30.06.2011

"...und ein Paket Kies!"

Seit meiner letzten, geradewegs hündischen und eklatant ranschmeißerischen Lobhudelei auf den ehemaligen Redakteur der Titanic Stefan Gärtner ("Der Ethik Schniedel") vor drei Jahren, hat sich einiges getan: zwar ist Gärtner kein Redaktionsmitglied mehr, schreibt aber bereits seit geraumer Zeit - und geschnitten Brot sei Dank: regelmäßig - den politischen Essay im endgültigen Satiremagazin. Und hatte ich früher das Ritual, nach Eintreffen der neuen Ausgabe im Postbriefzustellempfängniskasten, zunächst die Rubriken "Briefe an die Leser" und "Vom Fachmann für Kenner" als topgesetzte Priorität zu verschlingen, haben sich Gärtners monatliche Beobachtungen des Wahnsinns in der Zwischenzeit auf die Pole-Position geschoben, und ich bin trotz des eigenen (vermuteten) wachen Blicks immer wieder erstaunt, was so mancher "verwahrloste Akademiker" (Rether) in die Zeitung schreiben darf, ohne von der Bundeswehr oder sagenwirmal: den Flippers einen schönen selbstgegrabenen, angemessen tiefen Brunnen nebst Betonschuhen gebaut/gegossen zu bekommen. Gärtner zeigt mir das so gekonnt auf, dass ich zwar immer noch kurz vor einem Halsschalgaderriss stehe, aber relativ leicht die zwei Meter Sicherheitsabstand einhalten kann, die mir einen kaum gemäßigteren, dafür aber auf jeden Fall humorvolleren Blick auf diese Brut verleihen. Kurz: irgendwann werde ich mir mit seinen gesammelten Werken die Bude tapezieren.

In der aktuellen Ausgabe hat sich Gärtner mit den "Spiegel Online"-Spektakel auseinandergesetzt - und ich stehe erneut laut applaudierend auf meinem Stapel alter ausgelesener St.Pauli Nachrichten. --> Hier geht's lang!

Stefan Gärtner schreibt außerdem als Kolumnist für das Onlinemagazin "The European".

29.06.2011

Fast richtige Wikipedia-Artikel (1)

Ja, Panik waren 2009 für den Anus Award, den größten österreichischen Musikpreis in der Kategorie Alternative/Rock nominiert.


27.06.2011

Tribe After Tribe - White Boys In The Jungle - II

Jaja, zuviel Text, viel zu lang, liest kein Schwein.

My ass!!



Tribe After Tribe (1991)

Das selbstbetitelte Album ist auch zwanzig Jahre später noch eines der beeindruckendsten Debuts aller Zeiten. Irgendwo zwischen Led Zeppelin, U2 und Pink Flyod, den zarten Anfängen
des Alternativerocks ("Als ich zum ersten Mal Janes Addiction live sah, musste ich fast weinen." - Robb) hat das Trio ihre afrikanische Tribalmusik eingebaut. Das Ergebnis ist ein siedender, groovender, völlig klischeefreier Rock-Cocktail, geschmückt mit poetischen und spirituellen Texten, afrikanischen Chören und Schreien, extatischen Jamsessions und revolutionärer Aura. Praktisch jeder Song ist ein Volltreffer: ob wir vom ruhigen und ungewöhnlichen Einstieg "Remember" oder vom folgenden, tödlich groovenden "Build A Subway" sprechen, ob vom 10-Punkte-Hammer "The Mode" oder vom Underground-Hit "White Boys In The Jungle", vom anrührenden "Out Of Control" oder der originellen Gänsehaut-Ballade "Just For A While"
- "Tribe After Tribe" bleibt sensationell gut.




Love Under Will (1993)

Zwei Jahre nach dem Debut erscheint mit "Love Under Will" der Nachfolger - ein überlanges Opus, das auf Vinyl als Doppel-LP erscheint. Die Band klingt einerseits dunkler, zum Teil sogar härter, andererseits grundlegend etwas anschmiegsamer. Aus meiner Sicht alles eine direkte Folge des deutlich gestiegenen Psychedelic-Levels. Tribe After Tribe wurden eine Spur komplexer und verschachtelter. Der auf dem Debut noch hier und da aufblitzende straighte Riffrock ist zugunsten einer brütendenden, betörenden Atmosphäre zurückgewichen. Als ich die Scheibe kürzlich nochmal hörte, war ich überrascht wie unfassbar gut "Love Under Will" auch heute noch klingt. Die Produktion von Jim Scott ist reichhaltig und drückend, ohne dabei den Songs die Luft ab zu schnüren. Die Tribal-Jams wurden ausgebaut und nochmals verfeinert (der neue Drummer: der unglaubliche Chris Frazier), woraus sich noch zwingendere und detailreichere Grooves entwickelten, die umgehend in die Beine gehen. Wer zum Fick kann hier noch stillstehen?

In der Folge ging die Band mit Pearl Jam auf US-Tournee. Und was vielversprechend begann, endete in einem Fiasko. Ich hatte vor fünf Jahren (meine Fresse, schon wieder fünf Jahre rum!) das große Glück und die Ehre, mit Robbi Robb ein Interview zu führen, in dem er folgendes zu Protokoll gab: "Jedesmal, wenn wir in der Vergangenheit einen Vetrag unterschrieben haben, bekamen wir die allerbesten Reaktionen unserer Plattenfirma. Sie taten wirklich alles für uns. Dann schickten sie uns auf Tour und zack, sie gingen Pleite. Unser Video geht auf Nummer eins der Top 75-Charts in Amerika, es steht sogar über Bowie und Madonna. Wir sind die Nummer eins für volle drei Wochen! Aber wir haben keine Plattenfirma. Pearl Jam beknieten uns "Lasst uns zusammen auf Tour gehen, lasst uns zusammen auf Tour gehen!!!", und unsere Plattenfirma geht Pleite. In Europa spielten sie unsere Single "Ice Below". Überall. Aber wir hatten kein Label. Sowas passierte jedesmal, fünf mal bis jetzt. Das ist verrückt, oder?"

Es dauerte vier Jahre, bis das nächste Tribe After Tribe-Album erscheinen sollte - und im Grunde war da schon die Messe gelesen. In Europa hatte man die Band bis auf eine Handvoll Clubshows nicht sehen können, in den Staaten versackte zuerst die Plattenfirma und dann Robb nebst Gefolge. In den vier Jahren, in denen Tribe After Tribe auf Eis lagen, nahm Robb mit dem Pearl Jam-Bassisten Jeff Ament das Debut des Three Fish-Projekts auf. Auf dem Album sollte auch der spätere Tribe-Drummer Richard Stuverud erstmals im Robbi Robb-Kosmos zu hören sein. Der, das möchte ich unbedingt hinzufügen, seinen Vorgängern in Nichts nachsteht. Der Typ ist ein Monster, einer der allerallerbesten Schlagzeuger, die ich jemals sah. Und hörte.



Pearls Before Swine (1997)

Praktisch aus dem Nichts erschien das vierte Album "Pearls Before Swine" auf Bullet Proof/Intercord im Frühjahr 1997. Neben Robb und dem erwähnten Richard Stuverud zählten Doug Pinnick von King's X, Joey Vera von Armored Saint und Jeff Ament als Bassisten zum neuen Lineup, nachdem Robbis jahrelanger Sidekick Robby Whitelaw aufgrund seiner Arbeit auf dem Bau und der damit verbundenen angeschlagenen Motorik seiner Finger und Hände aufgeben musste. Auch "Pearls Before Swine" ist ausufernd und ähnlich ambitioniert wie sein Vorgänger, wirkt aber im Ganzen etwas aufgeräumter. Für mich sind Tribe After Tribe hier bei ihrem Sound angekommen: "Pearls Before Swine" bündelt alle Qualitäten der Band zu einem spacigen, trippigen, psychedelischen, extatischen Groovemonstrum, das zwischen berauschenden Brechern wie "Fire Dancers" und "Boy" (Was für ein Riff! Was für ein Beat!) und besinnlichen, tiefen Folk-Balladen wie "Ballad Of Winnie" umhertanzt. Wenn man mir die Pistole auf die Brust setzt und mich nach meinem liebsten Tribe After Tribe-Album fragt - ich würde wohl letzten Endes "Pearls Before Swine" antworten. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Band bei der folgenden (ersten offiziellen) Europatournee 1997 in Frankfurt erleben konnte und somit eine nähere Verbindung gerade zu diesem Album aufbaute. Auch so ein Abend, der mir auf immer unvergesslich sein wird. Aber das nur am Rande. Hallo Christoph!


Enchanted Entrance (2002)

1999 erschien das zweite und bis heute letzte Three Fish-Album "The Quiet Table" und dann folgte der nächste Schicksalsschlag: Robb verletzte sich bei einem Surfunfall so schwer an der Hand, dass über fast 2 Jahre nicht an Gitarrespielen zu denken war. Die nach dieser Zwangspause veröffentlichte fünfte Tribe-Scheibe "Enchanted Entrance" war dann der nach dem kommerziellen auch der künstlerische Bruch. Zum einen waren fünf Jahre Pause selbst dem loyalsten Europäer mittlerweile zuviel, zum anderen machte sich alleine am Sound des Albums bemerkbar, dass die Band mittlerweile kleine Brötchen backen musste - viel kleinere Brötchen. "Enchanted Entrance" klang, mit neuer elektronischer Schlagseite, seltsam dumpf, fremd und unfertig. Im Vergleich mit den druckvollen und glasklaren Produktionen aus den Neunzigern, zog die Platte eindeutig den Kürzeren. Was sich auch bei den Songs fortsetzte: die Kompaktheit war dahin, viele Songs wirkten wie Skizzen. Und auch, wenn es eine Handvoll guter Tracks zu hören gab, blieb man mit einer kleinen Enttäuschung hinter den Erwartungen zurück.


M.O.A.B. - Stories From Deuteronomy (2008)

Es vergingen erneut sechs Jahre, bis "M.O.A.B. - Stories From Deuteronomy" das Licht der Welt erblickte. Ein überaus ambitioniertes Konzeptalbum über "die fatale Absurdität überkommener Glaubenssysteme, die von nur allzu menschlichen Missgriffen geprägt sind, und nun, nach 2000 Jahren, unsere Welt zu vernichten drohen" (Bandinfo). Auch hier bekam man das Soundproblem nicht in den Griff: "M.O.A.B." klang noch dumpfer und mumpfiger als der Vorgänger. Und auch wenn man hörbar versuchte, sich auf die früheren Stärken zu fokussieren und zu den leicht metallisch angehauchten Riffs zurückkehrte, blieben viele Versprechen uneingelöst. Der bis heute letzte Versuch der Band, doch nochmal Fuß zu fassen, ersoff geradewegs im Klischee. Wenn man alles von der Band kannte - das war neu. Als ich beispielsweise meinen Bandkollegen vorschwärmte, wie toll die Band sei und freudestrahlend auf der Rückfahrt vom Proberaum zum ersten Mal das Album im Auto auflegte, erntete ich nur fragende Blicke. Die Magie, die tiefe Verbundenheit mit der Welt, den Menschen, dem Universum waren wie weggeblasen. Und was bis dato undenkbar schien, wurde Wirklichkeit: "M.O.A.B." fand sich nur wenige Tage (und drei Hörversuche später) auf Ebay wieder.

Live ist die Band an einem guten Tag nachwievor schwer zu schlagen, hier entfacht sie die Magie und das Feuer, hier bittet Zeremonienmeister Robbi Robb zum legalen Durchdrehen auf Rezept, hier flutet die Energie der Band das komplette Nervensystem. Aber ob ich wirklich nochmal ein Studioalbum von ihnen benötige, wage ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu bezweifeln. Andererseits: Robb und Gefolge sind Stehaufmännchen - warum sollten sie denn nicht nochmal die (letzte?) Kurve kriegen? Ich behalte sie weiterhin mit einem Auge im Blick, denn ich würde trotz einiger Enttäuschungen immer noch ziemlich viel für ein weiteres Erweckungserlebnis geben.

Die Hoffnung stirbt, wenn der Eistee ausgegangen ist.

Eistee für alle.

26.06.2011

Tribe After Tribe - White Boys In The Jungle - I


Lange geplant, nun endlich sowas ähnliches wie Realität: ein Blogeintrag über Robbi Robb und seine Formation Tribe After Tribe. Hurra!

Ich vermute, was mich bisher abschreckte, das Thema in der gebotenen Ausführlichkeit zu behandeln, war der Umfang der Lebensgeschichte Robbs. Einerseits will ich nur ungern mit seitenlangen Ausführungen langweilen, andererseits verlangt eine Auseinandersetzung mit einem solchen Mann und seiner Musik eben Zeit und außerdem ein paar Textzeilen mehr. Aber es hilft ja nix, packen wir's an.

Robbi Robb wächst im ehemaligen südafrikanischen Apartheidstaat unter ausgesprochen schwierigen Bedingungen auf. Sein Vater verlässt die Familie, als Robb gerade mal vier Jahre alt ist. Nach einer Odyssee durch Internate und Kinderheime lebt er für zwei Jahre bei seinem Vater im Rassisten-Bezirk Orange Free State. Mit zunehmender Verwahrlosung kümmert sich fortan wieder seine Mutter um ihn und unterrichtet ihn in Mythologie, Literatur und Kunst. Sie war es auch, die ihm später zum ersten Mal Led Zeppelin und Janis Joplin vorspielen sollte.

Robb reißt mit 14 Jahren zum ersten Mal von zu Hause aus und versucht die Grenze zu Mosambik zu überqueren - wo er in den Bergen von einem Stammeshäuptling aufgegriffen wird, bevor er als Mittagessen für die zahlreichen Raubtiere endet. Anschließend wandert er dann auch erstmals ins Gefängnis. Mit 17 Jahren will Robb die Straße kennenlernen und landet auf seinen Reisen bei einer Hippie-Kommune. In späteren Interviews erwähnt Robb immer wieder Neil Agget, einen Gewerkschafts- und Arbeiterführer, der ihm in Politik unterrichtete, ihm die südafrikanischen Verhältnisse erläuterte und dessen Erfahrung und Spiritualität großen Einfluss auf Robbs Leben haben sollten. Robbs spätere Karriere als Agitator fand zu jenen Zeiten ihren Anfang:"Das war der Grund, warum ich auf der Bühne und in den Songtexten die Wahrheit hinausgetragen habe." Und weiter:"Agget war der erste Weiße, den die Polizei im Gefängnis ermordete."

In Soweto, einer für Weiße eigentlich verbotenen Zone, spielt er in einer schwarzen Jazzband und entwickelt damit ein Gespür für das Elend der schwarzen Bevölkerung. Robbs erste eigene Band nennt sich Asylum Kids, eine Punkformation, auf deren Konto eine der ersten Indieveröffentlichung Südafrikas überhaupt geht. Robb:"Eine sehr, sehr, sehr gute Band. Ich war ziemlich abgefuckt zu jener Zeit und ich erkannte damals nicht, wie gut diese Band wirklich war. Bis ich eines Tages, zehn Jahre nachdem sich die Asylum Kids aufgelöst hatten, ein Video von uns sah. Und eines konnte ich an dieser Musik nicht begreifen: die Komplexität der Arrangements. Ich meine, wir waren eine Punkband, aber wir hatten soviele Songparts. Das ist normalerweie etwas, was mir bei Led Zeppelin einfällt..."Wow, soviele Parts!"...ich weiß nicht, wie wir das damals machten." "Schoolboy" heißt die Debutsingle, die im Radio verboten wird. Aber da ist es schon zu spät: "Schoolboy" hat sich da schon lange zum Protestsong der Unterdrückten entwickelt. Ein Konzert der Band vor 35.000 Leuten (!) wird von der Polizei nebst einer schönen Hundestaffel (!!) gestürmt. Robb versteckt sich zunächst im Drumriser, wechselt später bei einem Freund die Klamotten und kann entkommen.

In Swasiland hören Robb und sein Asylum Kids-Gefährte Robbie Whitelaw nachts die zeremoniellen Trommelrythmen aus dem Dschungel. Die beiden nehmen Kontakt mit den Eingeborenen auf und gründen wenig später Tribe After Tribe.

Die EMI nimmt die Band trotz (oder gerade wegen) ihres Protest-Images unter Vertrag und veröffentlichen im Jahr 1985 das Album "Power", das zum damaligen Zeitpunkt noch von britischen Wavesounds inspiriert ist. In Südafrika avanciert das Album zu einem nationalen Hit. Es folgen Benezifshows für Minenarbeiter, Kriegdienstverweigerer und Polizeiopfer - was den Behörden logischerweise so gar nicht gefällt. Tribe After Tribe sehen sich zunehmend einer organisierten politischen Verfolgung ausgesetzt. Radiostationen werden auf der Suche nach Beweismitteln durchsucht, die Band wird im Wald von der Geheimpolizei zusammengeschlagen ("als letzte Warnung" - Robb), ihr Schlagzeuger wird festgenommen und erhängt sich angeblich in seiner Zelle, ein Freund der Band wird von der Polizei erschossen. Robb sagte später, die übrigen Mitglieder hatten die Sorge, dass sie die nächsten Gefangenen oder gar die nächsten Toten sein könnten, zumal ein Gesetz erlassen wurde, das subversive Künstler ins Gefängnis bringen konnte:"Den Namen Mandela öffentlich auszusprechen war verboten. Ich habe mich vor 10.000 Leuten auf die Bühne gestellt und vom "großen Löwen" gesprochen - jeder wusste, wer gemeint war. Ein anderes Mal habe ich vor 120.000 Menschen den traurigsten Song überhaupt angekündigt - und die südafrikanische Nationalhymne gespielt. Man legte mir dann nahe, schleunigst zu verschwinden."

1986 wird die Band mit Hilfe der EMI und Menschenrechtsorganisationen ausgeflogen und beantragt in Los Angeles politisches Asyl.

Und hier beginnt sozusagen die "offizielle" Karriere Tribe After Tribes. Megaforce-Labelgründer Jonny Zazula nimmt die Band unter Vertrag und veröffentlicht 1991 das erste internationale Album der Band.

Das und noch mehr - im zweiten Teil.

19.06.2011

The King Will Rise Again




BRUCE DICKINSON - THE CHEMICAL WEDDING



Es ist mal wieder soweit: mich hat der Dickinson-Rappel erwischt. Zwei bis drei Mal pro Jahr habe ich das dringende Bedürfnis, die Soloscheiben des Iron Maiden-Frontmanns zu hören, am liebsten über mehrere Tage oder besser: Wochen, meistens ausgelöst durch das zunächst mal zwanglose Hören eines Songs von "Balls To Picasso" oder "The Chemical Wedding" via der vermaledeiten Shuffle-Funktion eines portablen Abspielgeräts - und es bleibt selten bei nur einem Stück. Die erwähnten Alben von 1994, beziehungsweise 1998 zählen für mich heute zu den Sternstunden des Dickinson'schen Schaffens: das eine, "Balls To Picasso", weil es nach dem Absprung vom bereits im Sinken befindlichen Maiden-Kutters tatsächlich den so oft zitierten Befreiungsschlag markierte und dessen Songs so viel luftiger und vielschichtiger waren als alles, was Dickinson bis dato trieb. Das andere, "The Chemical Wedding", weil es einerseits so tonnenschwer und düster, andererseits so fokussiert, so ungemein ernsthaft und fast schon intellektuell wirkte. Und vor allem letzteres gab es, bei allem Respekt, von einem Mann, der einen Text wie "Bring Your Daughter To The Slaughter" erdachte, nicht all zu häufig.

Außerdem könnte man "The Chemical Wedding" in Bezug auf die Texte und des zugrundliegenden Konzepts als letztes wirklich relevantes, weil aussagekräftiges, durchdachtes und ambitioniertes Lebenszeichens Dickinsons werten, der sich nach der Wiedervereinigung mit Iron Maiden von Bandleader Steve Harris musikalisch wie textlich lediglich durch die Manege schleifen lässt. Darüber hinaus veröffentlichte er nur noch ein weiteres Soloalbum ("Tyranny Of Souls", 2005), das allerdings im direkten Vergleich mit seinen Vorgängern das wohl schwächste des Sängers ist: nicht nur, dass hier keine echte Band mehr, sondern eingekaufte Sessionmusiker am Werkeln waren (wofür man das grandiose Roy Z - Adrian Smith - Eddie Casillas - Dave Ingraham - Gespann der beiden Vorgängeralben aufgab - und was für ein fundamentaler Verlust alleine Casillas am Bass war, Verflucht noch eins!), so wurden die einzelnen Instrumente teils mit einem großen zeitlichen Abstand voneinander eingespielt, während Dickinson seine (erneut nicht sonderlich tiefgründigen) Texte während seiner Tourneen mit Maiden zusammenstückelte. Man hört dem Album deutlich dieses Flickwerk und seine Oberflächlichkeit an - in jeder Beziehung, wie ich schnell hinzufügen möchte.

"The Chemical Wedding" ist nichts von alledem. Vom ersten Moment des extrem tiefergelegten Openers "King In Crimson" (mit über die Gitarren gespannten Bass-Saiten) mit seinen vorantreibenden Wahnsinnsriffs, über den ätherisch vor sich hin groovenden Titelsong mit seiner Über-Hookline, das klassische "The Tower" mit den fantastischen Twin-Guitars oder die beiden modernen und brettharten Adrian Smith-Kompositionen "Killing Floor" und "Machine Men", bis zum abschließenden, alles plattwalzenden Opus "The Alchemist" mit dem vielleicht besten Metalriff der letzten 15 Jahre ist das Album beeindruckend stimmig, perfekt ausgearbeitet, überaus modern und verzichtet des Weiteren als vielleicht größte Stärke auf die sonst allgegenwärtigen Klischees des Heavy Metals. "The Chemical Wedding" ist zu ernsthaft und zu detailliert, als in breitbeinigen Posen und stumpfem Headbanging zu enden. Und wo das gesagt ist: es taugt nicht zuletzt deshalb nicht zu einem Vergleich mit Dickinsons Brötchengeber. Ich empfand es immer als irritierend, dass Dickinsons Rückkehr zum Metal mit dem Vorgänger "Accident Of Birth" an jeder Ecke mit Maiden verglichen wurde. Für mich war das schon immer ein unangemessener Vergleich: In Sachen Sounds, Arrangements, Melodik und Dramatik waren Maiden und die damalige Bruce Dickinson-Band nicht mal auf verschiedenen Seiten im selben Buch - sie waren in anderen Büchern. Ich möchte den Umstand zunächst gar nicht mal unbedingt qualitativ bewerten, aber Dickinsons Solowerke klangen in meinen Ohren immer deutlich anders, moderner, straffer, frischer und schmissiger. Puh, jetzt hab' ich es doch gewertet. Mal abgesehen davon, dass Maiden mit ihrer heutigen musikalischen Fast-Food-Mentalität ein derart ambitioniertes Werk wie "The Chemical Wedding" nicht mal mehr im Ansatz hinbekommen würden. Sich auf den sicheren Allgemeinplätzen aufhalten ist viel erholsamer und außerdem erfolgreicher.

"The Chemical Wedding" ist eines der sensationellsten Metalalben der neunziger Jahre, veröffentlicht in einer Zeit, in der der Metalfan nicht viel zu lachen hatte. In Europa regierte eine Metal-Parodie namens Hammerfall, Metallica parodierten sich mit "Reload" selbst, Megadeth sollten nur ein Jahr später mit "Risk" die musikgewordene Fassungs- und Ratlosigkeit veröffentlichen, Paradise Lost waren Dank "One Second" endgültig perdue und Maiden...? Maiden hatten Blaze Bayley als Sänger und hatten gerade den veritablen Flop "Virtual XI" ausgelangweilt.

Auch wenn sich wenigstens dieses letzte Missverständnis seit 1999 aufgelöst hat: einen Bruce Dickinson in der Form von "Chemical Wedding" zu verlieren, erscheint mir gerade im Rückblick auf die letzten zwölf Jahre Iron Maiden an schlechten Tagen als unbestritten zu großes Opfer.

Junge, komm' bald wieder.






Erschienen auf Sanctuary, 1998.

18.06.2011

Und heute...?!

...heute haben wir nur noch die ganzen gestylten Schmierlappen, die meinen, sie seien Punk. Keine guten Zeiten.

09.06.2011

KXTA


PAN SONIC - GRAVITONI

Allerlei medizinisches Gerät liegt hier herum. Jedenfalls glaube ich, dass es medizinisches Gerät ist, oder besser: ich hoffe es. Und selbst die Annahme ist nicht besonders verlockend. Die silberne Schiebetür - und wie bescheuert ist es eigentlich zu glauben, es gäbe hier Schiebetüren, silberne noch dazu - ist zu etwa zwei Dritteln geöffnet, dahinter liegt ein etwa 50 Meter langer, nur unmotiviert ausgeleuchteter Gang. Zweifarbige Wände, ein frisches braun und ein flippiges blassgrün, aber so genau kann ich es auch nicht sehen. Will ich eigentlich auch nicht, ich mache mir schon ohne diese Farbkombination in die Hose. Käptain Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager würde jetzt vermutlich entweder "Mister Paris, setzen Sie Kurs!" oder "Computer! Kaffee, heiß." sagen - Mhmmmm, Kaffee! - aber ich liege hier, nackt und kalt.

Das Licht, das doppelt so hell brennt, brennt eben nur halb so lang. Gehen Sie mit ihm nach Links aus dem Bild bis vor die Haustür. Links von der Treppe befindet sich ein Busch. Diesen nehmen Sie an sich. Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld, oder Wahnvorstellungen ethischer Art. Es ist die unheilige Kombination aus dumpfem Marschieren und schrill blitzendem Klappern, die Elendiges verheißt. Kommt es von oben oder von unten? Es hört sich an als sei es Millionen Kilometer entfernt. Auf dem Boden liegen etwa 2 Milimeter dünne Stahlplatten, der Schall buckelt sich platt stampfend in meine Richtung.

Ich habe...Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese...Momente werden verloren sein...in der Zeit, so wie ... Tränen... im Regen. Zeit zu sterben.

Susi ist jetzt Hackfleisch.

Erschienen auf BLAST FIRST PETITE, 2010.

31.05.2011

Unaufhörlich

GIDEON VAN GELDER - PERPETUAL

Es ist gar nicht mehr so leicht heraus zu finden, warum "Perpetual", das Solodebut des Pianisten Gideon van Gelder, es nicht in meine Top 20-Liste des vergangenen Jahres schaffte. Ich erinnere mich daran, dass ich es gerne und ausführlich hörte und das, obwohl 2010 grundlegend nicht als "Florians Jahr des Jazz" in die Geschichte eingehen wird. Und auch wenn außerdem fantastische Musik veröffentlicht wurde, im Nachgang hätte "Perpetual" durchaus und wenigstens in der "Nachzügler"-Reihe erscheinen müssen.

Aufmerksam wurde ich auf den Niederländer erstmals durch seine Arbeit mit dem britischen Soul-Sänger José James, in dessen Liveband van Gelder seit einigen Jahren spielt und mit dem er außerdem das "Blackmagic"-Album aufnahm. Im Soul-Korsett von James passt van Gelder sich sehr genau ein und folgt den Songs eher, als dass er sie prägt. Was dennoch heraussticht ist viel mehr sein warmer Ton und sein Einfühlungsvermögen, ganz besonders in den sensitiven Momenten von "Blackmagic". Was übrigens auch eine ganz großartige Platte wäre - wäre sie nur 30 Minuten kürzer. Mehr dazu vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.

"Perpetual" ist eine zeitgenössische, urbane Jazzplatte geworden. Der Einstieg mit "Wave" gerät zu einer stilistischen Vorankündig des gesamten Werks: van Gelders Kompositionen spielen mit Dynamiken und Ebenen, der wortlose Gesang von Becca Stevens ist selbst in Momenten vollständiger Gleichheit von Ton und -höhe Fixpunkt und Schleifpapier in einem. "Wave" wird gekrönt von gleich mehreren wilden Ausbrüchen, die aber seltsamerweise immer im Bereich dessen bleiben, was die Basis des Songs vorgibt. Einsame Spitzen und bodenlose Täler sucht man vergebens, die Band präsentiert sich äußerst kompakt, symmetrisch und balanciert auf dieser dünnen Linie, die "unspektakulär" und "songdienlich" voneinander trennt. Nein, viel Luft zum Atmen bleibt ihnen tatsächlich nicht. Was möglicherweise der einzige kleine Wermutstropfen an "Perpetual" ist.

Wahnwitzig freies Spiel darf man also nicht erwarten, eher durchkomponierte Songs mit überraschend großem Wiedererkennungswert und straff strukturierte Arrangements.
"Glow" ist diesbezüglich fast schon bis zum ätherischen Hauch reduziert, dabei gleichzeitig distanziert und intim. Und während die Coverversion von Joe Hendersons "Inner Urge" den Blick auf den swingenden Unterschied zwischen "Perpetual" und den Klassikern im Jazz-Kanon preisgibt, nämlich dass die 60er am Ende des Tages doch etwas luftdurchlässiger waren, hauchen "Lullaby" und "Arctic Queen" den soulig-smoothen und zeitgleich melancholischen Vibe einer zerrissenen Generation aus, der eine neue Ernsthaftigkeit ganz gut zu Gesicht stünde. Und ich hätte nichts dagegen, wenn die jungen Musiker, die - das sei nochmal ausdrücklich erwähnt - eine tolle, kompakte, und leidenschaftliche Platte eingespielt haben, den teils aufblitzenden Schwermut auf "Perpetual" in etwas mehr Risiko und Mut umwandeln würden.

Erschienen auf Kindred Spirits, 2010.

26.05.2011

"Nicht zu lange über das Gesindel reden."

Der Kabarettist Georg Schramm hat sich kürzlich in seiner sogenannten "Paraderolle" als Lothar Dombrowski bei der diesjährigen Verleihung des Kleinkunstpreises von Baden-Württemberg die im Publikum sitzenden CDU-Granden des Bundeslandes vorgeknöpft. Für knapp zehn Minuten spuckte Dombrowski im Europa-Park in Rust Gift und Galle ("Eine Landesregierung, die nicht in der Lage ist, einen Pflasterstein von einer Kastanie zu unterscheiden, hat nichts anderes verdient, als in den Orkus der Bedeutungslosigkeit gestoßen zu werden."), woraufhin sich die derart ungerecht behandelten Politiker lediglich mit "Arschloch", "Aufhören" und "Sauerei" zu helfen wussten.

Abgesehen von meiner Euphorie über die komplette Richtigkeit des Gesagten auf der einen und der Adressaten auf der anderen Seite, stellt dieser sensationelle Auftritt Schramms gleichzeitig die immer wieder vorgebrachte Kritik in Richtung des politischen Kabaretts in den Schatten, es bediene lediglich das Klientel, das sowieso schon mit den Aussagen der Redner sympathisiere, es sei ein linker, harmloser Streichelzoo. Das Setting bei dieser Preisverleihung Anfang Mai war geradewegs dazu prädestiniert, genau diese Harmlosigkeit aufzulösen und gegen sie anzukämpfen - polarisieren und provozieren, direkt in der Höhle des Löwen. Schramm wusste das. Er sollte später sagen, dass er sich eine solche Begegnung auf keinen Fall entgehen lassen wollte, auch wenn er ebenfalls zugab, dass die Dramaturgie ihm etwas entglitten sei und er hätte aufhören sollen, als die entsetzten Gesichter ihn nur noch groß anschauten. So jedoch machte er weiter, steigerte sich in einen wahren Rederausch und verließ die Bühne mit einem an den Moderator gerichtete Bitte:"Herr Mohr, geben sie dem Abend den Rest."

Wunderbar ist außerdem der große, anschwellende Applaus am Ende des unten verlinkten Audio-Mitschnitts - denn während sich die exklusiven Plätze in den vorderen Reihen empörten, feierten die billigen Plätze weiter hinten den Kabarettisten ohne Rücksicht auf Verluste ab.

"Das war Klassenkampf.", sagte Europa-Parkchef Roland Mack später.

Indeed.


Danke an Olli für den Hinweis!!!

14.05.2011

Nur mal so....

"Sind wir auf ein Plusquamperfekt vorbereitet?"

Der an anderer Stelle dieses Blogs bereits mehrfach lobend erwähnte Kabarretist Jochen Malmsheimer bestritt die zweite Hälfte seines Programms "Ich bin kein Tag für eine Nacht. Oder: Ein Abend in Holz" traditionell mit einem Dialog von Körperteilen und -funktionen im Innern eines Jugendlichen in der Disco, nicht unähnlich mit einem frühen Otto Waalkes-Sketch aus den 70er Jahren ("Milz an Großhirn - Soll ich mich auch ballen?"). Malmsheimer agiert sprachlich ausgesprochen raffiniert und detailliert, womit das gut 30-minütige Kunstwerk zwar alles andere als leicht zu konsumieren ist, sich dafür aber praktisch niemals abnutzt und sagenhaft unterhält. Malmsheimers Tempo ist beeindruckend, seine Wortkaskaden turmhoch und manchmal gar sagenhaft vertrackt, sein Witz etwas derbe, zeitgleich aber auch durchaus subtil und hintergründig. Nimmt man all das als Basis, ist es empfehlenswert, sich möglichst auf den Ablauf und die Handlung zu konzentrieren; ich sage das nicht mit oberlehrerhaftem Unterton (wobei, selbst wenn...), man verstehe es eher als gutgemeinten Ratschlag: Malmsheimer rauscht im wahrsten Sinne atemberaubend durch das Programm, und wer sich nebenher die Haare föhnt oder Sudoku-Rätsel löst, der bekommt geschätze 95% des Werks schlicht nicht mit. Und es wäre ja schade drum. Finde ich.

Das Kernstück des Programms ist nun, wie ich erst vor wenigen Tagen lernen durfte, bereits vor einiger Zeit bei Youtube aufgetaucht und da ich es nachwievor für derart fantastisch und humorvoll halte, muss ich einfach ein virtuelles Hinweisschild beschriften und einpflanzen.

Da die Hochladerin dummerweise das Einbetten deaktivierte, müsst ihr nun noch einen Klick zur Glückseeligkeit überwinden:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Der aufmerksame Hörer wird außerdem schnell bemerken: es handelt sich um eine Liveaufnahme und mein Respekt für Malmsheimer, der all das ohne einen einzigen Sprechfehler, Ausrutscher und Stotterer tatsächlich über und auf die Bühne bringt, ist ziemlich groß.

05.05.2011

Mimimimimimimimi


DREDG - Chuckles And Mr.Squeezy


Die (ehemaligen) Indie-Lieblinge Dredg bekommen derzeit kübelweise Schimpf und Schande übergekippt. Anlass ist das neue Album "Chuckles And Mr.Squeezy", das in den Ohren vieler, gefühlt gar aller alten und so furchtbar loyalen Dredg-Fans eine glatte Unverschämtheit sei. Schon einige Wochen vor der Veröffentlichung geisterten Gerüchte durch das Internet, die Scheibe beinhalte an keiner einzigen Stelle eine Gitarre, die Ausrichtung sei komplett auf die beiden Fixpunkte Elektro und Pop eingestellt. Wer all das nur ansatzweise ernstnahm, musste an das nicht mehr für möglich gehaltene Comeback des Justin Timberlake denken. Was natürlich Kappes ist, wie so manches, was dieser Tage zusammengeschrieben wird.

Dass ich der Band, soviel sei vorweggenommen, nun zur Seite springe, um sie gegen allzu unberechtigte Kritik zu verteidigen, konnte man nicht unbedingt erwarten. Wir erinnern uns: das kalifornische Quartett war bis vor wenigen Jahren ein ritzerotes Tuch für mich und auch heute sind die ersten drei Alben "Leitmotif", "El Cielo" und "Catch Without Arms" für mich nah an der Grenze der Unhörbarkeit. Die Herzallerliebste jedoch verliebte sich zunächst in mich und Jahre später tatsächlich in "Catch Without Arms", womit ich wenigstens von Zeit zu Zeit dazu gezwungen war, diesen pathetischen Mist über mich ergehen zu lassen. Ich bin ja prinzipiell total tolerant - nur noch nicht in diesem Leben.

Wie dem auch sei: der Nachfolger "The Pariah, The Parrot, The Delusion", und ich brauchte einige Zeit, das zuzugeben, gefiel mir plötzlich. Der Ansatz war plötzlich viel ungehemmter und luftiger, und was ich auf den Vorgängern bis heute als prätentiösen und aufgeblasenen Indie-Pomp wahrnehme, der zudem auf "Catch Without Arms" auch noch wie unangenehmes Blendwerk erschien, war hier wie weggeblasen. Ich habe seitdem den Eindruck, dass das die "wahren" Dredg sind. Erwartungshaltung und Kalkül wurden in die Tonne getreten und plötzlich war da Leichtigkeit und Licht. Im übertragenen Sinne, denn nur wer die Lauschlappen schon metertief im Honig vergraben hatte, konnte die unterschwellige Melancholie nicht wahrnehmen. 

Ich war in Sachen Dredg also neu justiert und die neue Platte führt den Weg des Vorgängers gnadenlos fort. Ergo: Dredg geben offensichtlich noch weniger auf die Erwartungshaltung der Fans und haben sich den schicken Ausgehanzug übergestreift, der die Band noch nonchalanter, souveräner und zügelloser erscheinen lässt. "Chuckles And Mr.Squeezy" zeigt eine nochmals gewachsene Band, die sich darüber hinaus sympatischerweise klar positioniert: keine Wiederholungen. Das gesamte Klangbild unterscheidet sich deutlich von früheren Werken, tatsächlich wirkt es staubiger und diffuser - von der fast kristallinen Struktur und Ordnung von "Catch Without Arms" oder "The Parriah..."ist wahrlich nicht mehr viel zu hören, viel mehr fühle ich mich von Zeit zu Zeit an analoge Aufnahmen aus den siebziger Jahren erinnert. Außerdem fällt schon beim ersten Durchgang auf, dass "Chuckles And Mr.Squeezy" überraschend dunkel und melancholisch ausgefallen ist, manchmal verspüre ich gar leise Anflüge von Verzweiflung und Resignation in diesen Songs, eine fast schon unheimliche unterirdische Strömung (vgl. "The Tent"). 

Ich habe keine Ahnung, was man sich einwerfen muss, um angesichts dieser Platte von "strahlendem Pop", "stupider Eingängigkeit" oder "oberflächlicher Popmusik" zu faseln. Dredg-Fans sollten doch mittlerweile aus der Pubertät rausgewachsen sein und sich auf neue, im Grunde viel variablere und vielschichtigere Musik einlassen können, ohne gleich die Kommerzialisierungskeule zu schwingen. Es zeugt in diesem Zusammenhang sowieso nicht von allzu prächtigem Hirnlicht, hinter solcher Musik millionenfach verkaufte Alben zu wittern. Distinktion my ass.

Erschienen auf Universal, 2011.

02.05.2011

Der Turm und die Brandung

SIMON SCOTT - Traba

Eine interessante Entwicklung vollzieht der ehemalige Slowdive-Schlagzeuger Simon Scott auf seinem zweiten Soloalbum "Traba". Von der Shoegaze-Ästhetik des Debuts "Navigare" ist hier fast nichts mehr zu hören, Scott läst sich auf den vier neuen Kompositionen in einen kalt und blau leuchtenden Wasserstrudel fallen, der alleine schon beim Eröffnungstrack den alles andere als schwachen Vorgänger in Sachen Vielschichtigkeit und Tiefe aussticht. Es gibt außerdem keine Experimente mehr mit einem Struktur verleihenden Schlagzeug, "Traba" droned, rauscht und schwebt durchgängig ätherisch und nicht fassbar durch den Raum.

Das überrascht umso mehr, wenn man erfährt, dass diese vier Tracks im Rahmen der "Navigare"-Sessions zwar entstanden sind, aber vor der Abgabe-Deadline nicht fertig wurden. So komplettierte Scott sie im Laufe des Jahres 2009/Anfang 2010 in seinem o3o3o Studio in Cambridge für dieses kleine und deshalb nicht all zu lange Album - letzteres möchte ich erneut als ausgesprochen positiv herausstellen. Der einzige Nachteil ist, dass die Platte nun in kürzeren Abständen umgedreht werden möchte, aber das bekommen wir ja schon noch hin.

Qualitativ betrachtet tut es "Traba" überaus gut, den Fokus auf die paar Minuten Spielzeit auszurichten. Die schwerelose Kraft, die ruhelose sedierende und die surreale, fast schon taube und erdrückende Tiefe werden somit perfekt austariert, der Scheinwerfer ist exakt auf jede verzweifelte Bewegung im Nichts gerichtet - dort, wo sich schon die großen Vorreiter wie Fennesz oder Köner bewegt haben.

Tadellos.

Erschienen auf Immune, 2010

17.04.2011

Von Tragödien und Meilensteinen - Teil 3


"Kings Of Metal" bedeutete nach dem kommerziellen Erfolg von "Fighting The World" dann den endgültigen Durchbruch - zumindest in Europa, denn im Heimathafen USA gibt es für Manowar bis heute nichts zu holen. Das sechste Album ist auch zugleich das letzte wirklich herausragende Manowar-Werk: das Quartett stellte hiermit die ultimativen Weichen für die nächsten Jahre, und auch wenn der Fokus auf Klischees und Image noch nicht so ausgeprägt war, wie auf späteren Veröffentlichungen: spätestens hier ging's richtig los. Vor allem dürften einige Herren gemerkt haben, dass man ein paar mehr Platten verkaufen kann, wenn man sein ganzes Sein auf Kriege, Schlachten und Drachen ausrichtet und außerdem die direkte Fan-Ansprache sucht. Auf "Fighting The World" war "Carry On" der Hit, der plötzlich nicht nur wegen der Musik Metaller und Rocker gleichermaßen ansprach, sondern der mit einer an sich widerlichen Märtyrer- und Opfer-Ästhetik, die seit Jahr und Tag mit der Underdog- und Außenseiter-Theorie legitimiert und aufgehübscht wird, direkt an niederste Instinkte einerseits und einen diffusen Zusammenhaltsgedanken andererseits appellierte. Auf "Kings Of Metal" hießen die Stücke "Heart Of Steel", das man den deutschen Fans zuliebe sogar in einer deutschen Version aufnahm und als Single veröffentlichte, und "Kings Of Metal", das Titelstück also, in dem "true metal people" besungen und gefeiert wurden. Eine Platte später war es "Metal Warriors", in dem "whimps and posers" aufgefordert wurden, die "hall" zu "leaven". Sowas kommt eben an.

Ein Geschmäckle hat "Kings Of Metal" also schon. Aber es hat auch nochmal sensationelle Songs, denen man zwar im Vergleich mit früheren Alben durchaus eine kleine Richtungsänderung anhört, unter dem Strich aber schlicht viel zu gut sind. Vor allem beeindruckend: die komplette B-Seite mit Legenden wie "Kingdom Come", "Hail And Kill" und "Blood Of The Kings", sowie das erneut fantastisch gesungene "The Crown And The Ring", das in Sachen Bombast und Pathos selbst für Manowar-Verhältnisse alles in den Schatten stellt. Für die übermächtigen Chöre der Nummer nahm man in der St. Paul’s Church in Birmingham auf und rekrutierte den ortsansässigen Canoldir-Männerchor. Man lebte auf großem Fuß, und was De Maio heute "Bombast" nennt, kommt ganz offensichtlich aus einer Bontempi-Kinderorgel aus der Rumpelkammer von James Last.

Aber es gab auch ernsthaftere Kritik, die man insbesondere heute nicht mehr so leicht übergehen kann, wenngleich es in der heutigen kapitalistischen End-Postmoderne weitaus Ekelerregenderes gibt. Aber man sollte das nicht relativieren, Scheiße bleibt auch 23 Jahre später schließlich immer noch Scheiße. Da ist zum einen das Stück "Pleasure Slaves", das mit seinem peinlichen Text eindeutig sexistisch und frauenverachtend ist und außerdem dafür verantwortlich war, dass der ehemalige Gitarrist Ross The Boss aus der Band ausstieg, weil er damit nichts zu tun haben wollte. Gottseidank ist der Schmutz nicht auf meiner Vinylversion zu finden (wohl aber auf der CD-Version). Zum anderen gab es Stimmen, die der Band aufgrund des Textes von "Blood Of The Kings" - und hier besonders wegen der letzten Zeile - rechtsextreme Tendenzen unterstellten:

Our armies in England, Ireland, Scotland, and Wales
Our brothers in Belgium, Holland and France will not fail
Denmark, Sweden, Norway, Finland, Italy
Switzerland, Austria
Back to the glory of Germany

- ein Vorwurf, der meiner Ansicht nach Kappes ist, und ich habe dafür durchaus ein überfeines Gespür. Manowar sind - und das wurde in den letzten Jahren ja auch an der ein oder andereren Stelle offensichtlich - patriotische Spinner und Rednecks, aber Nationalisten sind sie ganz sicher nicht. Und gerade in solchen Bereichen stellt sich mir ganz persönlich immer die Frage, was davon ernsthaft von der jeweiligen Person stammt, und was marketingstrategisches Kalkül ist. Ich bin mittlerweile bei Manowar soweit, schlichtweg alles als Marketing zu bewerten, zumal man von den Musikern und ihrem alltäglichen Leben recht wenig weiß. Vielleicht ist die gespielte Rolle als gefeierter Rockstar-Held im Lendenschurz, der in Europa auf Festivals gerne mal vor 30000 Leuten spielt, am Ende größer als das triste Leben als Klempner in einem grauen Provinzkaff in amerikanischen Osten. Das ist vermutlich die größte Tragödie dieser Band, die den Druck im Kessel mit aller Macht erhöhen wollte, und dann nicht mehr merkte, dass das Ding schon vor Jahren explodiert ist und sie nur noch von falschen Freunden, falschen Einflüsterern und Schulterklopfern umgeben sind.

Manowar waren in ihrer Blüte eine andere Band in einer anderen Zeit. Und es ist nichts Schlechtes daran zu finden, wenn man sich ab und zu daran erinnert.


P.S.: Wer wundert sich auch, dass hier fast kein Wort über "The Triumph Of Steel" aus dem Jahr 1992 steht? Okay, sei's drum: bis auf "Spirit Horse Of The Cherokee" komplett zu vergessen. Und De Maio hätte sich mal besser die Bedienungsanleitung des Drumcomputers durchlesen sollen.

E.N.D.E.

16.04.2011

"Linux? Kenn ich nicht!"

Wir unterbrechen unsere Manowar-Sondersendung für ein Kleinod aus den Untiefen des staatlichen Wahnsinns: die Münchner Staatsanwaltschaft durchsucht die Frankfurter Büroräume von Attac. Nachfolgend der Link zu dem Bericht in der Frankfurter Rundschau. Und zum Anfüttern, ein kleines Zitat (mein persönliches Highlight!):

„Die Beamten standen plötzlich in unserem Büro und sagten, wir sollen ab jetzt nichts mehr anfassen und sie würden alle 15 Computer mitnehmen“, sagt Jutta Sundermann von Attac. „Wir konnten die Ermittler dann überzeugen, dass es bei uns keine Fingerabdrücke zu finden gibt auf irgendeinem heißen Dokument, weil wir digital arbeiten.“ Daraufhin hätten die Beamten mit Hilfe von zwei extra hinzugerufenen Polizeitechnikern versucht, digital an das Dokument zu kommen, was aber an der mangelnden Kenntnis der Ermittler über das Betriebssystem Linux gescheitert sei. Schließlich hätten die Beamten das Gutachten von der Attac-Hompage heruntergeladen – wie man das von jedem Ort der Welt auch ohne Durchsuchung einfach hätte machen können. „Sie haben eine Datei kopiert, die sie auch von München aus hätten kopieren können“

Frankfurter Rundschau, 16.4.2011

15.04.2011

Von Tragödien und Meilensteinen - Teil 2

 Manowar - Hail To England (1984)

Nur kurze Zeit nach "Into Glory Ride" erschien mit "Hail To England" das dritte Studioalbum im April 1984 - meiner Meinung nach der definitve Höhepunkt im Schaffen der Band. Die Produktion ist laut, drückend und dicht (wobei sie lediglich 12 Tage im Studio mit den Aufnahmen beschäftigt waren), während die Songs die genau richtige Mischung aus Komplexität und Eingängigkeit auf den Leib geschneidert bekamen. "Blood Of My Enemies", "Kill With Power", der alles überragende Titelsong, "Army Of Immortals" und der typische Longtrack "Bridge Of Death" können getrost als Meilensteine des US-Metals angesehen werden. Insgesamt ist die Ausrichtung von "Hail To England" düsterer und härter als die übrigen Manowar-Alben, möglicherweise ist sie deshalb mein Favorit.

Zusammen mit dem Vorgänger galt "Hail To England" übrigens jahrelang als die verschollene Manowar-Platte. Beide Alben wurden zwar auf Vinyl veröffentlicht, jedoch erschien bis zum Jahr 1993 - von Kleinstauflagen in diversen obskuren Formaten abgesehen - keine offizielle CD-Version. Ich selbst hatte mir irgendwann eine sündhaft teure Bootlegversion gekauft, die offenbar direkt von einer Schallplatte gezogen wurde (mit zweimaligem Knackser/Springer ausgerechnet beim Titelstück!). Glücklicherweise war ich einige Jahre später bei der Autogrammstunde im Frankfurter Musikladen (R.I.P.) nicht so blöd, ihnen ausgerechnet diese Version unter die Nasen zu halten - das hätte sicherlich Mecker vom Bass-Schlumpf gegeben. Es wäre mir allerdings ohne Weiteres zuzutrauen gewesen. So haute mir De Maio nur auf die Schultern und fragte mich, ob ich denn auch ein "True brother of true Heavy Metal" sei, der sein Autogramm verdiene. Ich habe daraufhin gelacht. Er nicht.

 Manowar - Sign Of The Hammer (1984)

Auch der Nachfolger "Sign Of The Hammer" gehört zu den großen Manowar-Platten, diesmal allerdings in der Ausrichtung etwas straighter als die beiden sehr ambitionierten Vorgänger. Der Opener "All Men Play On Ten" und das folgende "Animals" sind erneut sehr rockig und catchy gehalten, bevor "Thor (The Powerhead)" die etwas opulentere und pathetische Phase der Scheibe einläutet. "Mountains" ist folgerichtig der erste Song, der die 7-Minuten Schallmauer durchbricht und der sich nach ruhigem Beginn zu der bekannten Manowar-Hymne entwickelt. Und Eric Adams singt wieder unwiderstehlich. Das ist ja auch ein Phänomen: der Mann geht mittlerweile schnurstracks auf die 60 zu, ist heute auf der Bühne nur noch ein sabbernder Lappen, der sich bewegt wie jemand, der....naja: eben schnurstracks auf die 60 zugeht und der stimmlich seinen Zenit schon lange überschritten hat. Aber was dieser Typ bis in die neunziger Jahre hinein mit seiner Stimme abgezogen hat, ist schon mehr als bemerkenswert. "Sign Of The Hammer" wird außerdem mit einem weiteren Bandklassiker abgeschlossen: "Guyana (Cult Of The Damned)" überschreitet wie "Mountains" die 7-Minuten-Grenze und bietet den gewohnt großzügigen Aufbau mit teils fast schon sakralem Charakter. Inhaltlich eine Seltenheit im Manowar-Kosmos indes: der Text handelt ausnahmsweise nicht von Fantasy-Themen, Schlachten und Kriegen, sondern vom Massenmord, respektive -Selbstmord der Peoples Temple-Sekte im Jahr 1978 in Jonestown, Guyana.

 Manowar - Fighting The World (1987)

Was dann folgte war der erste kleine Qualitätseinbruch. "Fighting The World" aus dem Jahr 1987 war nach vielen Querelen mit früheren Plattenlabels das Debut beim Major Atlantic Records, was sich zwar positiv auf den Sound des Albums auswirkte - auch wenn Gitarrist Ross The Boss Jahre später in einem Interview zugab, das komplette Werk sei mit einem Drumcomputer eingespielt worden, und Drummer Scott Columbus sei nicht einen einzigen Tag im Studio dabeigewesen. Die Auswirkungen auf die Songs waren andererseits nicht so glücklich: "Blow Your Speakers" und "Carry On" sind im besten Fall gewöhnungsbedürftig, sie lieferten aber im Rückblick mit ihrer Eingängigkeit schon den Startschuss für die Entwicklung, der die Band bis heute treu geblieben ist. Manowar wurden poppiger, massenkompatibler, einfacher und oberflächlicher.

Es war in der Folge wohl nicht nur der besseren Vertriebsstruktur des Majorlabels geschuldet und damit kein großes Wunder, dass der Band im Jahr 1994 für "Fighting The World" die erste goldene Schallplatte ihrer Karriere verliehen wurde. Und schon Rock Hard-Bandschlächter Frank Trojan mutmaßte in seiner Rezension zu "Fighting The World", "dass eine der herausragendsten Metal-Bands der letzten Jahre ein schreckliches Ende nehmen wird, vor allem wenn man bedenkt, daß Joey DeMaio von dem Mist, den er verzapft hat, auch noch völlig begeistert ist.".

Ob er wusste, wie richtig er damit nur wenige Jahre später liegen würde?

To be continued.....

13.04.2011

Von Tragödien und Meilensteinen - Teil 1


Jajajajaja, richtig gelesen. Und neinneinneinneinnein, Ihr habt Euch nicht verklickt. 3,40qm schreibt über Manowar. Es mag auf den ersten Blick etwas, äh, skurril anmuten, aber ich hoffe, ich kann es in den nächsten Blogposts (Mehrzahl!) einigermaßen verdeutlichen, warum mir die Band zumindest zu einem gewissen Teil etwas bedeutet.

Ich habe am vergangenen Montagabend die Nachricht erhalten, dass der (ehemalige) Manowar-Schlagzeuger Scott Columbus bereits vor einer Woche Selbstmord beging. Ich habe mit Manowar nun seit fast 20 Jahren nun wirklich nichts mehr am Hut, aber trotzdem beschäftigte mich die Meldung über seinen Tod. Vermutlich ist meine Irritation darauf zurück zu führen, dass ich als kleiner Steppke mit den ersten Manowar-Platten aufgewachsen bin, und ich mit einigen Werken mehr als nur "vertraut" bin. Genau genommen, und ich weiß, dass ich jetzt die Hosen ziemlich weit in Richtung Fußsohle gleiten lasse, lege ich auch heute noch ab und an mit Begeisterung "Hail To England" oder "Into Glory Ride" auf den Plattenteller. Und Drummer Columbus, der als einziger auf dem hysterisch-geilen "Into Glory Ride"-Cover in der Hocke sitzt, hatte mich genauso wie die anderen Buben über Jahre hinweg begleitet. Das prägt am Ende vielleicht doch mehr, als man es sich zunächst eingestehen will.

 Scott Columbus (1956 - 2011)


Mir ist natürlich bewusst, dass Manowar in der Form, in der sie sich nun seit spätestens 1992 befinden, auf nahezu jeder Ebene völlig indiskutabel sind. Aber es gab eben auch eine Zeit in ihrer Karriere, in der die Band so viel mehr war als diese satten Schmierlappen, die seit 15 Jahren auf Image und Marketing mehr geben als auf einen guten Song, die längst zur eigenen Parodie verkommen sind und die wissen, dass sie ihren sich zu großen Teilen aus Proleten zusammensetzenden Fans, die zur Abwechslung dann auch kein Problem damit haben, sich zu alten Onkelz-Trinkliedern die letzten dünn-glimmenden Restnerven in der rudimentär ausgebildeten Denkmurmel auszuknipsen, endgültig die allergrößte Scheiße vorsetzen können. Was sie ja dann auch mit dem bislang letzten Album "Gods Of War" bewiesen haben.

Wer diesen besinnungslosen Schwachsinn auf den letzten drei Studioalben "Louder Than Hell", "Warriors Of The World" und eben "Gods Of War" mit ihren Großtaten aus den 80er Jahren vergleicht, kann sich wohl nur noch ungläubig an den Kopf fassen und traurig denselben schütteln. 

Denn auch wenn es aus heutiger Sicht schwerfällt zu glauben, aber Manowar waren wirklich mal eine ganz großartige, kreative, hochmusikalische und vor allem ernstzunehmende Metal-Band mit technisch überaus versierten Musikern. Man mag von einem Sockenschuss auf zwei Beinen wie dem Bassisten Joey De Maio halten, was man will, aber der Typ wusste schon immer sehr genau, was er sich da einerseits auf seinem Langholz zusammenspielt und was er andererseits auf das Notenblatt kritzelte. Der Großteil aller Manowar-Songs stammt aus seiner Feder - es ist wie gesagt schwierig, das heute vorurteilsfrei ein zu ordnen, aber wenn man sich einen kurzen Ruck gibt, dann geht's schon. Und wo das gesagt ist: dass man nun seit über 15 Jahren mit Karl Logan einen Gitarristen beschäftigt, der sich in Sachen Sound, Ton, Technik und Charisma geradewegs hilflos durch die ausverkauften Konzerthallen Europas rumpeln darf, spricht ebenfalls Bände. Seine Vorgänger Ross The Boss (bis 1988) und David Shankle (1988 - 1994) spielten definitiv in einer ganz, ganz anderen Liga, auf einem anderen Planeten, in einem anderen Universum und in einer anderen Dimension.

Zwischen 1982 und 1988 erschienen sechs Studioalben der US-Amerikaner, von denen mit dem 1987er Major-Debut "Fighting The World" lediglich eines nicht an die Qualitäten der übrigen Scheiben herankommt. Und ganz eventuell muss man auch das Debut "Battle Hymns" wenigstens zum Teil aus der Wertung herausnehmen, zeigt sich doch vor allem die A-Seite sehr von härterem Rock'n'Roll aus der - nasagenwirmal: Kiss-Ära inspiriert.

 Manowar - Battle Hymns (1982)

Andererseits stehen hier mit den Titeln "Manowar" und vor allem "Battle Hymn" die ersten Klassiker auf der Matte, die erahnen lassen, wohin die Reise noch gehen könnte. Vor allem das epische fast-Titelstück ist eine überragende, ausladende Komposition mit einem gnadenlos guten Eric Adams am Mikrofon, der für die nächsten Jahre zu den Top 3-Sängern des Heavy Metals gezählt werden durfte. Adams sag zu jenen Zeiten komplett auf Augenhöhe mit Legenden wie Bruce Dickinson oder Ronnie James Dio. Was außerdem auffällt: Manowar waren hier trotz den bereits damals klischeetriefenden Texten und dem martialischen Auftreten noch sehr down-to-earth. Über die Grenzen leidenschaftlich? Absolut. Selbstverliebte, größenwahnsinnige Schlaffis? No fucking way! Bei Licht betrachtet waren Manowar in den 80er Jahren eine zu dem Zeitpunkt völlig normale Metalband, zumindest was das Image betraf. Musikalisch, und auch das bitte ich zu berücksichtigen, waren sie schon immer äußerst originell und einzigartig.

 Manowar - Into Glory Ride (1983)

Kein Jahr später erschien mit "Into Glory Ride" der zweite Klassiker. Wo der schnelle und wilde Opener "Warlord" im Ansatz noch entfernt an das Debut erinnert, haut das Quartett mit den restlichen sechs Songs mal eben echte Sternstunden des epischen Heavy Metals raus, dass es mir auch fast 30 Jahre später noch die Kinnlade herunterklappt. Die restliche A-Seite mit den völlig bestrahlten und erhabenen, leicht schmermütigen Tracks wie "Secret Of Steel", "Gloves Of Metal" und vor allem "Gates Of Valhalla", ist somit ohne weiteres Wimpernzucken mit der Höchstnote zu bewerten. Aber auch das fast schon doomige und tonnenschwere "Hatred", sowie die beiden abschließenden Longtracks "Revelation (Death's Angel)" und "March For Revenge" weichen qualitativ kaum spürbar von der vorgegebenen Linie ab. It's a fuckin' Masterpiece.

Ich erinnere mich gerade daran, dass mein Bruder es damals versuchte, mich mit "Into Glory Ride" und dem späteren "Sign Of The Hammer" anzufüttern, nachdem ich mit "Blackout" von den Scorpions und "Killers" von Iron Maiden Blut geleckt hatte. "Into Glory Ride" hatte ich mir auf ein ganz schweres Tape von TDK aufgenommen; ich weiß noch genau, wie die Kassette roch und wie schwer sie war - viel schwerer als andere Kasetten zur damaligen Zeit. Und ich habe es verschlungen. Ich habe alles verschlungen.

Und es ist verblüffend, da sitze ich jetzt hier, höre mich durch die ersten Alben, bin gerade beim Titeltrack vom 1984er "Sign Of The Hammer"-Album angekommen und befinde mich wirklich in einer Zeitmaschine. Es gibt so kleine Zwischentöne, manchmal vielleicht nur eine antrainierte Note, die nur in meinem Kopf existiert, und ich bin sofort wieder in meinem Kinderzimmer, vor meinem Plattenspieler. Es duftet nach Kaffee, mein Vater ist gerade von der Arbeit gekommen, sitzt in der Küche, hört Bayern 3-Radio und raucht Reval ohne Filter, und direkt vor mir brüllt mich Eric Adams an: 

Onward pounding into glory ride
Sign of the hammer, be my guide
Final warning all stand aside
Sign of the hammer, it's my time

Mein geistiges Auge funktioniert also noch, das ist gut zu wissen....

To be continued...

09.04.2011

Hurra - Er lebt noch!

Englands Dubstep-Meister Burial hat eine neue Single veröffentlicht, die erste Eigenkomposition seit dem "Untrue"-Album aus dem Jahr 2007. 

"Street Halo" erscheint bei seinem Hauslabel Hyperdub und ist um Längen besser als alles vom weichgespülten und viel zu gefälligen Vorgänger. Die B-Seite fällt dann mit "NYC" zwar wieder in "Untrue"-Nichtigkeiten zurück, bevor "Stolen Dog" nochmal die Kurve kriegt, aber der Titeltrack steht hell leuchtend und wie 'ne Eins im Wohnzimmer-Testlabor. 



Wer zuschlagen will, sollte flott sein: "Street Halo" gibt es meines Wissens offiziell nur auf Vinyl zu kaufen und Burial-Singles sind heißbegehrt, was die innerhalb von 2 Tagen ratzeputz ausverkaufte Auflage der Kollaboration mit Radioheads Thom Yorke beweist.

Zu kaufen bei HHV.de oder Boomkat

The Sea And Cake - The Moonlight Butterfly

Die fantastischen Post-Pop-Rocker The Sea And Cake, nun schon seit mehreren Jahren eine meiner absoluten Lieblingsbands, veröffentlichen am 10.Mai 2011 ein Lebenszeichen - das erste seit dem Erscheinen des großartigen "Car Alarm"-Albums aus dem Jahr 2008, sieht man von einer kurzfristig eingeschobenen 7-Inch Split-Single mit den Kanadiern Broken Social Scene ab.

Das neue Album trägt den Titel "The Moonlight Butterfly" und enthält insgesamt sechs Stücke:

01 Covers
02 Lyric
03 The Moonlight Butterfly
04 Up on the North Shore
05 Inn Keeping
06 Monday

Und so schaut's aus:


Und so klingt's:

UP ON THE NORTH SHORE (Freier Download von Thrill Jockey)

Der Sommer dürfte alleine damit gerettet sein. Freut Euch - ich freu' mich schließlich auch!

07.04.2011

Vorher - Nachher

Unsere kleine Farm, quatsch: Punk-Band BLANK WHEN ZERO (zu erreichen u.a. bei http://www.myspace.com/blankwhenzero) spielte am 11.3.2011 im AKZ Metzgerstraße in Hanau und Tim (http://www.myspace.com/timlachmuth) hat wunderbare Fotos von uns geschossen. Besonders schön ist der körperliche Zerfall meiner Wenigkeit innerhalb von nur 35 Minuten illustriert.

Flo um 21:35 Uhr:

Flo um 22:10 Uhr:


Heiliger Strohsack!

Mehr Fotos gibt's übrigens bei diesem Kackverein: http://tinyurl.com/639hy3r - und noch irgendwo, aber sei's drum. 

Vielen Dank, Tim!

01.04.2011

Nachzügler 2010 #5


V.A. - California Funk

Ein randvolles Doppelalbum mit den ultrararsten 7-Inch Singles des Funk aus dem US-Bundesstaat Kalifornien - es ist ein Fest für den verrückten Plattennerd, es ist der Himmel auf Erden für jeden Musikverrückten. Dabei ist der Grund für die lobende Erwähnung dieser Jazzman-Zusammenstellung in dieser "Nachzügler"-Liste nicht in erster Linie bei der Musik an sich zu suchen, sondern liegt viel mehr an zwei Punkten.

Erstens, die Aufmachung ist fantastisch und der Informationsgehalt dieser Compilation ist außerordentlich abendfüllend. Die beiden Kuratoren Malcolm Catto und Gerald "Jazzman" Short haben über 10 Jahre an dieser Veröffentlichung gearbeitet, sie haben den "Sunshine State" auf der Suche nach dem heiligen Gral des Funk durchquert, sie haben ein großes Netzwerk von Verrückten aufgetan, das sie bei ihrer Tour unterstützte. Sie haben Verbindungen gesucht und gefunden, Studios, Produzenten und Musiker besucht. Herausgekommen ist ein picke-packe volles Doppelalbum, das zumindest in der Vinylversion nur schwer zu schlagen ist. Das dicke Gatefold-Cover beherbergt in der Mitte Hintergrundinformationen über die sich langsam ins Rollen gebrachte Funkszene Kaliforniens Ende der sechziger/Anfang der 70er Jahre, über die politischen und gesellschaftlichen und nicht zuletzt kulturellen Umstände und Probleme in jener Zeit. Das ist hervorragend recherchiert und mit viel Herzblut dokumentiert.

Die LP-Taschen im Cardboard-Format sind mit Hintergründen und Details zu jedem einzelnen Track, also jeder einzelnen 7-Inch Single, bedruckt. Da lernen wir beispielsweise, dass "All Bundled Into One" der Combo Water Color eine der seltensten Platten aller Zeiten ist, mit nur noch einem einzigen in Sammlerkreisen bekannten und existierenden Exemplar. "Finding that record, it's like finding the Holy Grail" wird folgerichtig auch Produzent Rick Wild zitiert, der die Scheibe 1974 in den Love-Studios in Los Angeles aufnahm. Andere Aufsätze beschreiben Schicksale von den Verlorenen und Vergessenen, wie zum Beispiel von Leon Gardner, der Mitte der 60er Jahre sein eigenes Igloo-Label gründete und nur kurze Zeit später komplett vom Radar verschwand. Während die einen sagen, er sei schon lange tot, sagen andere, er lebe in einem Appartment in Downtown L.A., das er seit Jahren nicht mehr verlassen haben soll. Charles Wright, ein Bandleader aus Los Angeles, glaubt, Gardner sei gestorben, hätte aber die letzten Jahre seines Lebens auf einer am Hollywood Boulevard gelegenen Parkbank verbracht. Oder Artur Monday, der heute in einem Altenheim in seiner Heimat Louisiana lebt (aber immer noch regelmäßig sein Pianospiel verbessert). Oder den sehr obskuren King Solomon, der wie viele andere aus Louisiana nach L.A. zog, um dort sein Glück als Blues- und Funksänger zu suchen. Solomon tauchte in den 70ern Jahren auf verhältnismäßig vielen Platten auf und nahm später auch ein hoffnungslos unbekanntes Album namens "Energy Crisis" auf. Er soll vor einigen Jahren nach Chicago gezogen sein - aber auch hier sind weitere Informationen über seinen Verbleib noch rarer als die Platten, die er aufnahm und besang.

Die Fülle an Informationen ist wirklich überwältigend. Außerdem gibt es für jeden Track - sofern verfügbar das Studio, den Produzenten, die Stadt und das Aufnahmejahr sowie das Line-Up der Band. Wobei hier dann doch nicht selten der Satz "remaining personel unknown" geschrieben steht - die damalige Szene muss ein reiner Ameisenhaufen gewesen sein.

Der zweite Punkt, warum ich "California Funk" erwähnen muss, hängt mit den obigen Ausführungen zusammen. Die beiden Herren machen das natürlich schon clever, sie wissen schon ziemlich gut, was das Herz des Nerds höherschlagen lässt: es ist diese geheimnisvolle Mischung aus Obskurem und Mystischem, das die Künstler, die Labels, die Produzenten und die ganze Zeit mit aller verfügbaren Romantik umgibt. Da liest du den Text über Leon Gardner und fragst Dich, wie der Mann die schrillen 80er und die euphorisch-depressiven 90er erlebt hat, in welchen Umständen er lebte, mit wem er noch Kontakt hatte - oder immer noch hat. Da ist vermutlich einer da draußen, der tolle, mitreißende Musik machte, der gegen alle Widerstände gegen Afro-Amerikaner alles zusammennahm, was er an Mut und Kraft und Leidenschaft hatte und ein eigenes Label gründete, um Funk-Singles zu veröffentlichen, die heute auf Ebay im Schnitt zwischen 500 und 1200 Dollar (pro Stück!!!) einbringen und der heute völlig abgebrannt auf einer Parkbank wohnt. Wo sind sie alle hin? Was machen sie heute? Wenn, wie bereits erwähnt, das Line-Up einer Combo unbekannt ist - wer spielte denn da das Schlagzeug? Wer spielte denn da den Bass? Wo sind sie heute, was machen sie heute, was haben sie in den letzten 30 oder 40 Jahren gemacht? Es mag vielleicht etwas naiv, gar ein bisschen sensationsgeil klingen, aber mich packt das total. Ich habe schon Stunden mit den sehr ausführlichen Beschreibungen auf diesem Album verbracht und lese sie immer wieder gerne.

Eine ganz tolle Veröffentlichung - und auch wenn ich jetzt wenig bis gar nichts über die Musik geschrieben habe: Mädels und Buben, der Sommer kommt. Und ich kann nur erzählen, was ich spätestens ab Mai jedes Wochenende mindestens ein Mal tun werde: "California Funk" auflegen, die Lautstärke aufreißen und durch die Wohnung toben. Es ist tolle, mitreißende, tiefe und ehrliche (jaja, ich weiß schon...) Musik, und es tut dir gut, das selbst zu erleben. Das kann man sich ruhig mal gönnen.

Erschienen auf Jazzman, 2010.

28.03.2011

Nachzügler 2010 #4

TAPE & BILL WELLS - Fugue

Erstaunlich, was diese zunächst unscheinbare Musik alles mit mir anstellen kann. Aus irgendeinem Grund schicken mich die schwedischen Postrocker von Tape und der schottische Komponist Bill Wells auf ihrer ersten Zusammenarbeit mittels einer emotionalen Zeitreise schnurstracks in Richtung 1993/1994 zurück - und ich habe ausnahmsweise eine Ahnung, warum das so ist. "Fugue" erinnert mich an einsame Abende in meinem Zimmer in der elterlichen Wohnung, an denen ich über Stunden einfach nichts anderes machte, als den Schallplatten und CDs zuzuhören. Ich erinnere mich an eine Zeit, ich muss etwa 16 Jahre alt gewesen sein, in der ich praktisch nicht schlief und grundlegend dann, wenn sich meine Eltern ins Schlafzimmer verzogen, in Richtung Küche schlurfte, um eine ganze Kanne Kaffee zu kochen. Ich trinke übrigens schwarz, für Freunde des Trivialwissens - wer weiß, für was das irgendwann mal gut ist.

Ich machte in den letzten Jahren meiner Schulzeit...moment, streicht das letzte: ich machte während der gesamten Schulzeit eigentlich nie Hausaufgaben, aber manchmal, gerade zu jenen Zeiten, setzte ich mich nachts um drei dann doch nochmal für ein paar Minuten "auf den Hosenboden" (Westerwelle) und ich schwöre bei der sättigenden Wirkung der Kartoffel, dass, hätte "Fugue" schon damals existiert, dies mein Soundtrack gewesen wäre. Der Soundtrack zur pubertären Melancholie, in die zu Versinken sich so gut anfühlt. So gut, dass man vor lauter Zufriedenheit mit dem bittersüßen Blick auf das Leben, einen leichten Schauer auf der Haut wahrnimmt, weswegen man sich so ein bisschen zusammenkauert und abrubbelt, weil es sich für einen kurzen Moment ein wenig kühl anfühlt.

Ich erhielt "Fugue" kurz vor Weihnachten 2010, wenn ich mich recht entsinne, und mein Gefühl war und ist auch 16 oder gar 17 Jahre nach oben beschriebener Lebensphase
so unähnlich nicht. Mittlerweile habe ich die Pubertät wohl überwunden, wenngleich es auch hier bisweilen andere Stimmen geben mag, aber das nahezu besinnungslose Eintauchen
in diesen so reinen und unmittelbaren, so unverfälschten Klang der Instrumente, des Pianos, der Gitarre, der Melodica, die allesamt in jeder verliehenen Sinuswelle Verständnis, Hoffnung und Frieden übermitteln, das fühlt sich auch nach langer Zeit einfach immer noch so gut an. Vielleicht sind's diese Themen, Motive und Emotionen, die mich schon damals anstupsten und nach denen ich mich bis heute sehne, und die von Zeit zu Zeit immer wieder gesucht, gefunden und erlebt werden wollen.

Einfach nur um sicher zu sein, dass ich wenigstens die Sehnsucht noch nicht verloren habe.

Erschienen auf Immune, 2010.

25.03.2011

Nachzügler 2010 #3

RADIO CITIZEN - Hope And Despair


Schon merkwürdig, dass meine Anlaufzeit für das zweite Album des Berliner Produzenten Niko Schabel etwas länger ausfiel, als ich ursprünglich einplante. Sein "Berlin Serengeti" Debut aus dem Jahr 2006 funktionierte gleich von der ersten Sekunde an prächtig, der durchaus sonnige Mix aus Soul, Funk, Jazz und Hip Hop war nicht unbedingt schwerverdaulich, hatte aber trotzdem genug Tiefe, um nicht als banale Hintergrundbeschallung zu enden.

"Hope And Despair", für das Schabel neben seinen Arbeiten als Produzent und Filmkomponist vier Jahre benötigte, ist im direkten Vergleich nicht mehr ganz so flockig und leicht, im Gegenteil eher dunkel und ungeheuer breitwandig. Schabel selbst sagt über die unterschiedlichen Ansätze: "If 'Berlin Serengeti' was 8mm, 'Hope And Despair' is cinemascope, it's heavier, with more space and deepness." Und wer die Bestätigung dafür hören will, der riskiert ein Öhrchen beim großartigen "World", dass überlebensgroß mit einem Bläser-Orkan aus den Lautsprechern knallt, bevor es in den ruhigen Zwischentönen immer wieder subtil zwei, drei Gänge zurückschaltet und kurz darauf mittels eines kräftigen Grooves anschwillt und furios in die Höhe schnellt.

Ganz grundsätzlich wirkt "Hope And Despair" wie der Soundtrack zu einem Film, der noch gedreht werden muss, es erscheint ernsthafter und aufgeräumter. Schabel lässt sich "mehr Zeit für Bilder" (Harald Schmidt) in seinen Songs, und er hat außerdem einen größeren Fokus auf den Jazz gelegt, wie nicht nur im gleichfalls fantastischen "Isarwellen" nach zu hören ist. Unterstützt wird er dabei wie bereits auf dem Vorgänger von Sängerin Bajka (die darüber hinaus ihren eigenen Song "Summer Days" beisteuerte) und erstmals von der großartigen Ursula Rucker im Opener "Test Me", die mit ihrem typischen Flow ihre Poesie wie einen Mantel um Schabels Sounds legt. Es ist dabei faszinierend zu hören, wie es ihre Stimme immer wieder schafft, den Songs einen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Man könnte eventuell dagegenehalten, dass sie in ihren Mitteln etwas begrenzt ist, andererseits gibt es niemanden, der Aufrichtigkeit und Stärke auf der einen und Melancholie und eine Art von Resignation auf der anderen Seite derart miteinander verbindet.

Was außerdem beeindruckend ist: "Hope And Despair" wächst praktisch mit jedem Durchlauf. Man muss sich vielleicht zunächst auf den leicht veränderten Sound einlassen, aber wenn man die ersten, etwas zähen Durchgänge übersteht und erkennt, was da im Hintergrund alles auf einen lauert, dann kommt die Neugier ins Spiel. Und dann beginnt der Spaß.

Erschienen auf Ubiquity Records, 2010.

19.03.2011

Nachzügler 2010 #2


BVDUB - The Art Of Dying Alone

Großer Gott - hätte ich nicht erst Mitte Februar Wind von diesem Album bekommen, meine Jahrescharts hätte es regelrecht zerbröselt. Seit meinem Kauf von "The Art Of Dying Alone" erklang in meinen Hallen in Hessen-Hitler-City keine andere Musik so oft wie jene des US-amerikanischen Produzenten Brock Van Wey, es gab Tage und Nächte, in welchen sie einfach auf Dauerrotation durchlief, und ich will offen sprechen: im Moment kommt nichts und niemand an ihn heran und schon gleich gar niemand an ihm vorbei.

Ich habe ja durchaus großes Glück, dass ich etwa zwei Mal die Woche im Home Office sitzen und in Ruhe arbeiten kann und es wurde in den letzten Wochen zu einem liebgewonnen Ritual, zunächst mittles der Deckenfluter ein sanftes Licht zu installieren, die Heizung hoch zu fahren, den CD-Player zu aktivieren und zu den ersten betörenden Klängen des Openers "Descent To The End" in die Küche zu schlurven, um die Senseo-Maschine (Scene-Points: -18) zu einer großen Tasse schwarzen Kaffees zu überreden. Die Stimmung, die sich daraus entspinnt, ist so friedlich, so atmosphärisch warm, so überaus romantisch und hell-neblig, dass ich mir keinen besseren Start in den Tag ausmalen mag.

Die Herzallerliebste, ebenfalls hingerissen von diesem Meisterwerk, bezeichnete die Musik als den Soundtrack zum Anklopfen an die Himmelspforte und tatsächlich versteckt "The Art Of Dying Alone" neben viel Trauer und Melancholie auch etwas Sakrales, Heiliges und Geheimnisvolles in sich, zu gleichen Teilen aber eine Reinheit und Schönheit, dass mir fast die Tränen kommen. Die mit weniger Empathie gesegneten unter uns würden sich sehr wohl langweilen, vielleicht von "orientierungslosem Rauschen" sprechen und schnell das Weite suchen, aber für die wurde diese Sammlung ja auch nicht gemacht. Ich selbst bin ehrlich gesagt auch noch nicht zum Kern dieser einhüllenden und umarmenden Musik gelangt, die Fixpunkte sind Repetition, Hall und Delay, Feedback-Drones und ohne Scheiß jetzt: ein helles Licht, dass direkt aus dem Lautsprecher in Dein Herz einschlägt. Aber warum es so funktioniert, wie es funktioniert...ich habe keinen blassen Dunst.

"The Art Of Dying Alone" ist das Schönste, was ich seit langem gehört habe, und ich werde das Gefühl nicht los, dass sich künftig verdammt viel an dieser Platte messen lassen muss.

Erschienen auf Glacial Movements, 2010.

Nachzügler 2010 #1

Der Listenquatsch gehört noch rund gemacht, wenn nicht gar abgerundet, weshalb ich nochmals durch die berüchtigte Excelliste rauschte, um heraus zu finden, wer aufgrund eher unglücklichen (zu spät gehört) oder geradewegs beschallerten (Compilation, Re-Issue) Gründen noch nicht bei der großen "Best Of 2010"-Party dabei sein konnte. 

Als Ergebnis plumpsten fünf Scheiben aus dem großen Sack, die am lautesten "HIER!" geschrien haben. Ich bitte zu beachten, dass dies nun nicht der dämliche Versuch ist, die Opfer meiner Top 20-Auswahlpolitik nachträglich ins Rampenlicht zu rücken, also etwas forsch ausgedrückt: die Resterampe zu präsentieren. Alle fünf Platten wäre unter anderen Umständen locker in die Top 20 gerutscht - hätte ich sie nur früher gehört. Oder wären es keine Wiederveröffentlichungen. Oder Sampler. 

Und keine Bange, ich mach's kurz.



BOBBY JACKSON - The Café Extra Ordinaire Story

Ein gehobener Schatz aus der "Holy Grail" Re-Issues Serie des britischen Jazzman-Labels, das unter anderem bereits an dieser Stelle positiv in Erscheinung getreten ist. "The Café Extra Ordinaire Story" wurde 1966 in Minneapolis aufgenommen und erst acht Jahre später in minimaler Auflage veröffentlicht. Ein Blick auf Popsike.com verrät: der Bausparvertrag ist fällig, will man die Originalversion sein Eigen nennen.

Bassist Bobby Jackson ist unter all den großen Geistern des Jazz einer der Vergessenen, einer derjenigen, die nie am richtigen Ort zur richtigen Zeit waren und die von den Blue Note, Prestige und Impulse!-Hauptquartieren meilenweit entfernt waren. Aber auch einer, der beispielsweise seinen Job kündigte, um einen Jazzclub in seiner Heimatstadt zu eröffnen, und der viel aufgeben und gleichzeitig viel kämpfen musste, um seinen Traum zu verwirklichen. Diese Platte ist das passende Instrument für eine tolle Zeitreise in eine Stadt, die gemeinhin als weißer Fleck auf der Jazz-Landkarte der 60er Jahre gilt. Das Sextett spielt einen swingenden, angesoulten, modalen Jazz, stilistisch und spirituell vielleicht mit dem vergleichbar, was sich Ende der 60er- und Anfang der 70er Jahre rund um Künstler wie Pharaoh Sanders, Alice Coltrane und Sun Ra entwickelte. Das größte Plus ist seine Nicht-Perfektion: die Aufnahme ist hier und da übersteuert und das Piano ist manchmal auch nicht in tune, aber wenigstens ich finde das total sympatisch und - Achtung, verbotenes Wort: authentisch.

180g Vinyl, auf 1000 Stück limitiert und leider arschteuer, aber ich bereue keinen Cent. Und um Dusty Groove zu zitieren: "These Jazzman Holy Grail series vinyl releases disappear in no time. Don't sleep!"

Erschienen auf Jazzman, 2010