31.12.2007

Platz 19



Fridge - The Sun

Wie gut "The Sun" des britischen Trios ist, hatte ich vor wenigen Monaten bereits an anderer Stelle in diesem Blog erwähnt und daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Four Tets Kieran Hebden hat seine Faszination für das Schlagzeug (=den Beat) in den Mittelpunkt gestellt und zusammen mit seinen Freunden Adem Ilhan und Sam Jeffers warme, fließende, an Tortoise erinnernde Fetzen der Gitarre und elektronische Spielereien als Gegenpart in den Sound eingeflochten. Daraus ergibt sich ein spannendes Wechselspiel aus einer unterkühlten Distanz und dem Wunsch nach Nähe und Kommunikation. Nerdmusik, die genau die Mauern einreißen will, die sie sich selbst Sekunde um Sekunde aufbaut.

Etwas überschaubarer und leichter als der Vorgänger "Happiness" aus dem Jahre 2001, aber dafür mindestens genauso schön.

28.12.2007

Platz 20



Tocotronic - Kapitulation

Hätte man mir vor fünf Jahren (oder Minuten) gesagt, dass eines Tages eine Tocotronic-Platte den Weg in meine Jahrescharts findet, hätte ich vermutlich in die Kiste mit den bösen Wörtern gegriffen. Die Hamburger Band war für mich seit vielen, vielen Jahren DAS rote Tuch schlechthin, und es gab mindestens eintausend gute Gründe, warum ich weder mit der Band, noch mit ihren Fans auch nur eine Sekunde meines Lebens verbringen wollte.

"Mein Ruin" als Appetizer vorab auf einigen Magazin-CDs veröffentlicht, schickte mir die ersten Schweißperlen auf die Stirn ("Scheiße, mir gefällt's!"), das Interview in der Sommerausgabe der Spex besorgte den Rest und plötzlich saß ich im Juli auf der Couch und hörte eine Platte, die in den kommenden Wochen zum beinahe täglichen Begleiter wurde. Morgens unter der Dusche stehen, sich mit einem mulmigen Gefühl im Magen auf die Arbeit vorbereiten und dazu Texte wie "Sag alles ab, geh einfach weg / Halt die Maschine an, frag nicht nach dem Zweck" oder "Und wenn du dir denkst alles ist zum Speien / Und so wie du jetzt bist willst du überhaupt nicht sein" zu hören war mein Summerfeeling 2007.

"Kapitulation" war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kommentierte die Absurdität unserer Leben derart schlau und gekonnt, dass ich mich (ganz im Gegensatz zu meiner Herzallerliebsten) nicht mehr zur Wehr setzen konnte. Es ist schon eine verrückte Welt, ist es nicht?

26.12.2007

Zweitausendsieben In Musik

Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende entgegen und erneut sauste es mit einer Rasanz an mir vorbei, dass ich mir gefühlt schon im Februar Gedanken um die Weihnachtsgeschenke machen musste. Die Zeit ist ein Meister des Alterns, und dieses Gefühl des Mitgerissen werdens, des damit verbundenen Kontrollverlusts, die elende Hetzerei und die Unfähigkeit, die "Pause"-Taste zu drücken bringt mich jedes Jahr ein Stückchen weiter in Richtung Abgrund.
Musik ist es, die am Leben hält. Die ständige Suche nach den passenden Noten, nach der neuen, ganz persönlichen Sensation, das Erforschen, das Versinken, die Euphorie, wenn man die entscheidenden Schritte gegangen und auf etwas gestoßen ist, was berührt. Dabei ist es im Grunde nebensächlich, wie am Ende die Wertung ausfällt. Es gibt mehrere Wege, wie man sich der Kunst nähern kann, und ich bekomme immer öfter den Eindruck, dass Einteilungen wie "gut" oder "schlecht" völlig irrelevant sind.

Natürlich hält mich das nicht davon ab, in den nächsten Tagen und Wochen meine Schätze des Jahres 2007 zu präsentieren und zu kommentieren. Denn wie schon in den Jahren zuvor gilt auch dieses Mal: Es war das beste Musikjahr aller Zeiten.

Viel Spaß beim Lesen!

25.12.2007

Oscar Peterson (1925 - 2007)



Eine weitere Jazzlegende hat ihren letzten Gang angetreten: der kanadische Pianist Oscar Peterson ist in der Nacht zum 24.12.2007 in seinem Haus bei Toronto an Nierenversagen gestorben.

Peterson steht schon länger auf meiner "Damit muss ich mich mal näher beschäftigen"-Liste, und der Tod ist ironischerweise oftmals der Startschuss für den Beginn einer Auseinandersetzung mit der Kunst der/des Verstorbenen. Immerhin bleibt mir für die nächsten Tage eine Zusammenstellung seiner größten Momente, die auch im Moment im CD-Player rotiert.

Auf Petersons Homepage ist derzeit die aktuellste Meldung vom 28.November 2007, überschrieben mit Welcome To My New Beginning. Darin heißt es:"I am very happy to say I am back."


Ruhe in Frieden.

Die Neue Zürcher Zeitung zum Tod von Oscar Peterson

16.12.2007

In Eigener Sache: Frohe Weihnachten!

Es ist soweit, der erste Urlaub seit nunmehr zwei Jahren steht an. Keine Bange, an dieser Stelle wird kein "Was muss ich alles noch einpacken und was muss ich darüber UNGEDINGT in meinen Blog schreiben?"-Quatsch stehen, vielmehr möchte ich meinen Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest wünschen!

In diesen Tagen ist an nahezu jeder Ecke die Rede von Jahresbestenlisten, und auch meine Wenigkeit freut sich bereits darauf, eine solche ebenfalls zu veröffentlichen. Nach meiner Rückkehr startet mein Top20-Countdown 2007 und eine neue Radiosendung ist ebenfalls in Vorbereitung. Das nur als kleiner Ausblick...

Bevor ich mich nun in den wohlverdienten Urlaub (übrigens der erste seit zwei Jah...aber ich glaube, ich erwähnte es bereits...) begebe, möchte ich Ihnen noch ein Video präsentieren, über das ich heute im Zuge einer Diskussion in einem Forum stolperte. Sammy Davis Jr. trat ein Jahr vor seinem Tod im Jahre 1990 in der Lateshow von David Letterman auf und ich darf den Begleittext des Videos zitieren:

Probably Sammy Davis, Jr.'s last TV performance. He died of throat cancer about a year later. At the end, he tells Paul Shaffer "No rehearsal. See--better!" This explains the very light touch by the band until the tempo changes--they've never played with this man before, and he's a legend among legends! But when they hit the groove, they all swing.

Es gibt sicherlich Videos mit legendäreren Auftritten Davis', aber seine Ausstrahlung, sein Lachen, seine physisch spürbare Größe und Güte hat mich heute glatt umgehauen. Zum Heulen großartig.



13.12.2007

Jud Returns

Sieben Jahre nach ihrem letzten Album "Perfect Life" haben sich Jud wieder zusammengerauft. Unter der Webadresse www.judtv.com kann man bereits das neue, wütende, höchst energische "Drained" hören. Die CD namens "Sufferboy" erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2008.

Reunions ja bitte grundlegend und allesamt an den höchsten Baum, aber ich freue mich trotzdem mal ganz dolle. 

Und "Drained" kann alles. So.

11.12.2007

The Lips That Ate Nebraska



Es ist nicht von der Hand zu weisen: ich habe schon so einige musikalische Leichen im Keller, von denen ich mal mehr, mal weniger stark hoffe, dass sie niemals ans Tageslicht gezerrt werden. Meine Vorliebe für einige Hair Metal Bands der achtziger Jahre muss beispielsweise nicht unbedingt via eines Blogeintrags in die Öffentlichkeit hinausposaunt werden, das Faible für die Progressive Rock-Sensation Spock's Beard hingegen kann ich ruhigen Gewissens vertreten.

Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere Leser spätestens beim Begriff "Sensation" das Schmunzeln begann (so wie die jungen Leute von heute über die alten Leute von gestern schmunzeln, wenn herauskommt, dass die alten Säcke mal Nirvana für den heißesten Scheiß unter der Sonne hielten), aber die Band um Alleskönner Neal Morse war ab ihrem ersten Album "The Light" aus dem Jahre 1995 sowas wie die Lichtgestalt des bis dato gnadenlos am Boden liegenden Genres, und die folgenden vier Alben "Beware Of Darkness", "The Kindness Of Strangers", "Day For Night" und (mit kleinen Abstrichen) "V" zementierten diesen Status sogar noch mit Superkleber metertief ins Erdreich. Dabei waren Spock's Beard keine Innovatoren, eher Wiederentdecker. Allen voran entdeckte Songwriter Morse die alten Yes-, Genesis- und Gentle Giant-Platten wieder, besorgte sich eine Begleitband, die an guten Tagen alles und jeden an die Wand spielen konnte (und es gibt Stimmen, die besagen, dass Spocks's Beard bis ins Jahr 2001 hinein nicht einen einzigen schlechten Tag hatten) und schrieb Songs, die - Pardon für die Euphorie - schlicht zu gut waren, um wahr zu sein. Die größtenteils überlangen Kompositionen waren vollgestopft mit vertonten Sahnebonbonmelodien, die mir bis heute eine Gänsehaut bescheren. Die Band platzte förmlich vor Spielfreude; ihre demonstrative Lässigkeit und Unbeschwertheit hievten die Tracks auf eine Ebene, auf der einem nichts mehr anderes übrig blieb, als sich mit einem seeligen Lächeln im Gesicht zurück zu lehnen und sich einfach nur noch hin zu geben.

Die Frage nach dem stärksten Album der Band kann ich bis heute nicht beantworten, allerdings tendiere ich in letzter Zeit immer vehementer zur zweiten Veröffentlichung "Beware Of Darkness". Wenn ich heute noch eine Platte von ihnen auflege, ist es meistens jene aus dem Jahr 1996, und auch hier bleibe ich die definitve Antwort auf das "Warum?" schuldig. Vielleicht ist es der dunkle Charme des Titeltracks (eine George Harrisson-Coverversion) und des 17-minütigen Schlusspunkts "Time Has Come", vielleicht das unfassbar hoffnungsvolle "The Doorway", vielleicht aber auch die Übernummer "Walking On The Wind", bei dessen Liverperformance ich im Offenbacher MTW im Januar 1997 tatsächlich dachte, ich hätte nun das Licht gesehen. Und das möchte ich ausdrücklich nicht als Redewendung verstanden wissen, ich sah es tatsächlich.

Dass Neal Morse beim frühmorgendlichen Joggen eben jenes Licht sah und daraufhin die Band verließ ("And HE said to me: leave Spock's Beard!"), ist gemessen an der Qualität des letzten gemeinsamen, arg farblosen Konzeptalbums "Snow" (2002) zu verschmerzen. Dass es seitdem aber weder Spock's Beard noch Morse nicht einmal annährend schafften, die Magie des Bartes ein zu fangen, stimmt mich in schwachen Momenten dann doch so ein ganz klein bisschen traurig. Andererseits: ihre ersten fünf Studioalben bleiben so oder so - wenigstens für mich - unerreicht. Und das kann dann auch ruhig so bleiben.

"Beware Of Darkness" von Spock's Beard ist Im Jahr 1996 auf Inside Out erschienen.

09.12.2007

Sex, Sex, Sieben



LEELA JAMES - A CHANGE IS GONNA COME 


Da schlägt sie wieder gnadenlos zu, diese Ironie. An jeder Straßenecke ist es zu hören: seelenlos ist er, der heutige R'n'B. Eine aufgestylte Karikatur seiner selbst, Songs geschrieben von Nichtsnutzen, gesungen von Nixkönnern mit aufgespritzten Lippen, die für einen geilen, flimmernden Videoclip mit hotten Boys'n'Girls ihre Oma verkaufen würden. Und dann kommt eine 23-jährige Kalifornierin daher, setzt ausdrücklich auf den Soul und Funk der sechziger Jahre, lässt sich und ihre außergewöhnliche, minimal angerauhte Stimme von Produzenten wie Wyclef Jean und Kanye West in den wunderbarsten, smoothesten Vordergrund rücken, singt Soulballaden, dass es einem die Schuhe auszieht, bevor Du sie bei den lässig angefunkten Clubsounds von "Music" sowieso in die Ecke gefeuert hättest...und fast keinen juckt es. "A Change Is Gonna Come" von Leela James aus dem Sommer 2005 holte sich gerechterweise eine Journalisten(ver)ehrung nach der anderen ab, den großen Erfolg hatten andere. Vor allem Europa schunkelt sich nachwievor lieber zu Destiny's Child ins Deppennirwana.

Das einzige, was man Leela James und ihrem Debut vorwerfen kann, ist die - diplomatisch gesagt - unglückliche Wahl von No Doubts "Don't Speak" als Coverversion, das auf immer mein Skipkandidat dieses Albums bleiben wird. Was zugegebenermaßen eher am Original, als an Leelas Version liegt.

Hier ist der Videoclip zu der ersten Single "Music" aus dem Hause Youtube zu sehen.





"A Change Is Gonna Come" von Leela James ist im Jahre 2005 auf Warner erschienen.

07.12.2007

"It's Like Psychoanalysis"



Ein weiteres Album, das sich seit Monaten wacker in meiner Playlist hält, ist Bobby Hutchersons "Dialogue" aus dem Jahre 1965. Unterstützt von einer durchaus beachtlichen Begleitband (u.a. Freddie Hubbard, Andrew Hill, Joe chambers, Sam Rivers), meistert Hutcherson mühelos den sicher nicht zu unterschätzenden Ritt zwischen den Welten des Free Jazz und des Hard Bops und hält selbst in den freejazzigen, ausgefransten Momenten sein Ensemble beisammen, füttert es mit einem unüberhörbaren Zusammengehörigkeitsgefühl. Am deutlichsten kommt diese Gemeinschaft bei der Andrew Hill-Komposition "Les Noirs Marchant" zur Geltung: die spitzen, avantgardistischen Triebe Hills und Davis' werden von Hutchersons Vibraphon zwar nicht geglättet, aber eben doch in einen flüssigeren Kontext gebracht, der weitgehend nachvollziehbar bleibt. Auch im folgenden Titelsong spielt sich das Sextett nach ganz weit draußen, das Gefühl für den Dialog (da schau' her!) mit- und untereinander schießt aber nahezu niemals aus den Fugen. Die Joe Chambers-Komposition ist für mich neben dem fantastischen Opener "Catta" (Andrew Hill) der Höhepunkt der Platte. Ein ungewöhnliches, fast zehn Minuten langes Stück mit einer sehr freien, eigenwilligen Struktur und einem Hutcherson, der mit seinem puren, leicht zischelnd klingenden Vibraphon viel Raum für die Solisten schafft, die kurioserweise gar nicht solieren. Der Titel verfolgt tatsächlich die Idee von "No Solos", dafür vergraben sich sie Musiker förmlich in einem Geben und Nehmen, einem "One Mind"-Gedanken.

So zeigt sich auch an "Dialogue" zum wiederholten Male: die sechziger Jahre sind in Sachen Jazz Gold wert. Wenn eine 42 Jahre alte Platte auch im Jahr 2007 noch derart modern und zeitlos klingt, wenn man den Spirit dieser außergewöhnlichen Epoche noch so lebendig und intensiv in die heutige Zeit transportiert bekommt...es müssen wunderbare Jahre gewesen sein. Andrew Hill drückt es in den Liner Notes wie folgt aus:"It was just wonderful to be alive."


"Dialogue" von Bobby Hutcherson ist im Mai 1965 auf Blue Note erschienen.


04.12.2007

(Tapping)




Vielleicht wäre es doch eine Option, das Internet einfach komplett dicht zu machen. Mir kommt dieser eigentlich eher unschöne Gedanke meist dann in den Sinn, wenn ich Texte wie den folgenden lesen muss:

Die Musik der Band zeichnet sich durch das abwechslungsreiche Gitarrenspiel Dave Knudsons (Tapping) und viele elektronische Einflüsse aus. Abgesehen davon ist die Musik der Band auf einem recht hohen Niveau anzusiedeln. Minus the Bear sind für ihre unterhaltsamen Liedtitel bekannt, so trägt ein Lied des 2002 erschienen Albums Highly Refind Pirates den Titel „Monkey!!! Knife!!! Fight!!!“, was für den Zuhörer recht skurril ist. Auf dem zuletzt erschienen (sic!) Album Menos el Oso sind diese humorvollen Titel allerdings nicht mehr zu finden.

Aber ich muss es ja nicht lesen...

Jedenfalls: Der Auftritt von Minus The Bear, der Band mit dem angesiedelten Gitarrenspiel, dem abwechslungsreichen Niveau und dem hohen (Tapping) in der letzten Woche in Wiesbaden geriet eher lau, vor allem aber laut. Zu laut. Ich möchte sogar sagen: viel zu laut. Es ist schon schade, dass die zweifellos vorhandene Virtuosiät der Band in einem furchtbaren, schmerzenden Brei untergeht. Dass die Songs ihres Meisterwerks "Menos El Oso" aus dem Jahr 2005 bei den etwa 150 Besuchern mit Abstand die besten Reaktionen hervorriefen, während bei den Stücken ihres aktuellen Albums "Planet Of Ice" eher Zurückhaltung Trumpf war, beweist letztlich drei Dinge. Erstens: ich habe immer noch keinen Bock auf "Planet Of Ice" und habe nun auch noch einen guten Grund dafür, wo nicht dagegen, zweitens: "Menos El Oso" ist DAS Minus The Bear-Album, "Basta!"(G.Schröder) Und drittens: wenn eine Band, die sich hinsichtlich ihres Auftretens sichtlich darum bemüht, extrem schüchtern und bodenständig 'rüber zu kommen und sich mit nichts als einem praktisch nur dahingehauchten Queen-Mum-Gedächtniswinker von den Fans verabschiedet, dann eben doch locker drei Minuten als Rockstars feiern lässt, bevor sie nochmal zwei Zugaben spielt, dann finde ich es im besten Fall "amüsant", im schlimmsten Fall unsagbar öde.

Aber sonst war's eigentlich ganz gut.


30.11.2007

The Ruling Class Are Penguins



Mindestens einmal im Jahr erinnere ich mich daran, dass Warrior Soul die vielleicht großartigste Rockband aller Zeiten waren, und ich komme tagelang nicht ohne ihre Musik aus. Was meine Wenigkeit von ihren insgesamt fünf Studioalben hält, kann man getrost an anderer Stelle nachlesen, deshalb soll es hier und heute in erster Linie um ein Album gehen, das meine "Best of 2003"-Liste souverän anführte.

"Opium Hotel" ist das Solodebut des ehemaligen Warrior Soul-Frontmanns Kory Clarke und bevor der ein oder andere alte Fan der Band vor Überraschung ob der Existenz dieser Platte die Augenbrauen hochzieht und sich auf die Suche nach Downloadlinks macht: vielleicht vorher einen großen Schluck "Raffnix" trinken, oder eben gleich an den großen Schmerzmitteltabletten lutschen. "Opium Hotel" ist wahrhaft kaputt, ein schmieriger Putzlumpen, der mit einer Ladung Schrot durchlöchert wurde. Clarke lässt seinem Talent für Spoken Word-Performances und seiner Liebe zur Poesie alle Freiheiten, arbeitet mit zerfledderten Loops, wild herumwütenden, entrückten Beats, und nur auf den ersten Blick dilettantisch anmutenden Sounds, auf die er seine immer noch faszinierende Lyrik setzt. Gegen einen Brocken wie "Boom Ka Boom" klingt "Four More Years" von Warrior Souls Debutalbum "Last Decade, Dead Century" wie ein Kinderlied aus der Sesamstraße:

We are tortured by retardation
Lost freedom becomes Pepsi
broke
Raining smoke oil cloak
Elite walk on your corpses
enjoy
Nothing on corporate drugs
Folks farm sold no cash
for unconnected
Suspected terrorist soldiers
blind enemy


In meinem Interview mit Clarke aus dem Jahr 2006 fragte ich ihn, in welcher Stimmung er eigentlich gewesen sei, als er "Opium Hotel" aufnahm, und er antwortete:"Weißt du, es war so seltsam und verrückt in dieser Stadt [New York] zu sein, kurz nachdem die Anschläge von 11.September geschahen, und viele Songs von "Opium Hotel" wurden genau zu diesem Zeitpunkt geschrieben. Eine sehr furchteinflößende, schreckliche Zeit."

Ein ratlos machendes Album, das zwischen narkotisierter Resignation und verwirrter Wut umhertaumelt.


"Opium Hotel" von Kory Clarke ist im Jahre 2003 auf Cargo Records erschienen.

25.11.2007

Rebirthing


Die außergewöhnlichste Musik stammt nicht selten von Musikern, die abseits ihrer Homezone musizieren. Die sich nach einer möglicherweise erfolgreichen Karriere in einer großen, bekannten Band zurückzogen und ihren kreativen Geist in Gefilden Gassi führten, in denen sie sich (und vermutlich auch den alten Fans...) fremd waren. Als ich im Sommer des Jahres 2000 "Music To Be Born By" kennenlernte, verband ich mit dem Namen Mickey Hart nichts Außergewöhnliches. Mit großem Erstaunen fand ich erst viele Jahre später heraus, dass Hart einer der beiden Schlagzeuger von The Grateful Dead war, und "Music To Be Born By" ist nun alles andere als eine Platte, die man von einem ehemaligen Mitglied einer rocken- und rollenden Hippiekommune erwartet. Und gerade, als ich diese letzten Worte schrieb, fiel mir auf: vielleicht ist es EXAKT die Platte, die man von einem ehemaligen Mitglied einer rocken- und rollenden...

Um "Music To Be Born By" auf wenigstens einer Ebene in Gänze zu beschreiben, reicht das Zitat eines Amazon.com-Käufers, der seinem Unmut über das 1989 veröffentlichte Album mit folgenden Worten Ausdruck verlieh:"Pure crap! It's the same 10 notes over and over and over and over and over again for over an hour." Für so manchen dürfte das allein als Kaufanreiz ausreichen, aber ich bin so frei, noch einige Worte an zu fügen. Das tatsächlich über 70-minütige Stück wurde von Hart anlässlich der Geburt seines Sohnes Taro produziert und sollte dazu beitragen, die sterile Atmosphäre eines Krankenhauszimmers angenehmer, ruhiger und wärmer zu gestalten. Dazu nahm er den Herzschlag Taros im Mutterleib auf und fertigte daraus zusammen mit Bass, Flöte und einem brasilianischen Surdo einen hypnotischen, pulsierenden Dauer-Loop, der sich mit zunehmender Spielzeit immer tiefer in das Bewusstsein schleicht und von dort Geborgenheit und Sicherheit signalisiert. Ich selbst verwendete "Music To Be Born By" schon oft als Meditations- und Heilungsmusik und genieße die Kraft und die rot-strahlende Wärme, die von ihr ausgeht. Für mich sicherlich eine der wichtigsten Platten der letzten zehn Jahre.





"Music To Be Born By" von Mickey Hart ist im Jahre 1989 auf Rykodisc erschienen.

17.11.2007

MUSIKJOURNALISTEN!!!



Verarschen kann ich mich alleine!!!


"†" von Justice ist im Jahre 2007 auf Barf Records erschienen.

P.S.: Mailt an dreikommaviernull@yahoo.de und teilt mir mit, warum ihr dieses Album haben wollt. Der beste Grund gewinnt und erhält die Platte als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Von mir. Für Dich, Euch und unsere Muttis.

Einsendeschluss ist der kommende Mittwoch, 21.11.2007, 12:00 Uhr

16.11.2007

"Das kannst du deiner Oma vorspielen!" -"Die is' tot." -"Ja, eben."


Wozu doch ein durchgegammeltes Wochenende gut sein kann. Ich hatte Ryoji Ikedas "dataplex" nun schon einige Zeit auf dem Schirm, stellte die Beschäftigung mit der auf das erste Gehör sehr eigenwilligen und scheinbar undurchdringbaren Produktion des Japaners aber immer hinten an. Bis ich mir tief in der Nacht ein Herz fasste und den Laser auf die Reise und mich damit ins Wunderland schickte. Schon wieder so ein Fall von "Auf den perfekten Moment gewartet".

Ikeda ist seit Mitte der neunziger Jahre eine feste Größe hinsichtlich der Verbindung von Visualisierung und Klang. Mit seinen Aufnahmen "+/-" (1996), "0?" (1998), "Matrix" (2001) und "op." (2003, alle auf Touch), erarbeitete er sich den Ruf als einen der radikalsten Klangkünstler, der Grenzen konsequent überspringt, und ständig nach neuen Ausdrucksformen forscht, um an einen neuen Ort zu gelangen. Sein derzeit aktuelles Projekt "datamatics" "is an art project that explores the potential to perceive the invisible multi-substance of data that permeates our world."(R.Ikeda)

Im Zuge dieses Konzepts erschien im Jahre 2005 sein bis dato letztes Album "dataplex". Es sind Miniaturen von Schall- und Sinuswellen, white noise, Ruinen von Basslinien und Pulsschlägen, die unentwegt Türe in immer kleiner wirkende akustische Räume öffnen. Trotz des auffressenden Minimalismus', der vor nichts außer einem wo auch immer herrührenden Groove halt macht, trotz einer Geräuschkulisse, die so mancher als britzelnde, kokelnde Störung eines Atomkraftwerks bezeichnen würde, bleibt Ikeda immer fokussiert und hintergründig, belebt starre Zahlen- und Softwarecodes mit einem dieser Musik im Grunde diametral gegenüberstehenden Reichtum. Eine Musik, die Daten und den Sog derselben als schwingendes Fundament für eine Betrachtung der Postmoderne, des damit einhergehenden Absurden und Mystischen benutzt und sich der Gefahren des Wandels und des möglichen Abgleitens in eine verlorene Welt gänzlich bewusst ist.

"dataplex" von Ryoji Ikeda ist im Jahre 2005 auf Raster Noton erschienen.


10.11.2007

We Want Poems That Kill




ORNETTE COLEMAN - FREE JAZZ



Ich hatte mich eine ganze Zeitlang nicht an "Free Jazz" herangewagt, und dass ich das Album im Grunde erst in diesen Tagen für mich entdecke, spricht letztendlich nur für den schönen Satz "Alles zu seiner Zeit". Ornette Colemans Schaffen ist für mich noch weitgehend ein weißer Fleck auf der Jazz-Landkarte; zudem konnte mich sein "Live At The Golden Circle Vol.1" aus dem Jahr 1965, das ich vor wenigen Wochen zum ersten Mal hörte, nur mäßig begeistern.

"Free Jazz" hingegen gilt als eines der wegweisendsten Alben der Musikgeschichte, und wer sich näher mit dem Werk beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es diesen Status nicht umsonst innehat. "Free Jazz" besteht aus einer 38-minütigen, frei improvisierten Session, gespielt von gleich 2 vollständigen Quartetten. Neben Coleman (Altsaxophon) spielen der Klarinettist Eric Dolphy, die Trompeter Don Cherry und Freddie Hubbard, die Bassisten Scott La Faro und Charlie Haden, sowie die Schlagzeuger Billy Higgins und Ed Blackwell. Sie einigten sich vor der Aufnahme lediglich auf ein Tempo und ein kurzes musikalisches Thema und ließen sich ansonsten durch nichts weiter beirren. Mal spielen sie alle gemeinsam, mal tauchen Solosequenzen auf, in denen die übrigen Musiker pausieren, oder das Thema eines Solos in ihr eigenes Spiel integrieren.

Das für mich faszinierendste an "Free Jazz" ist jedoch einerseits der sich in diesen 38 Minuten manifestierende, tongewordene Ausbruch eines neuen Bewusstseins der afro-amerikanischen Bevölkerung Nordamerikas, die sich angesichts des allgegenwärtigen Rassismus zunehmend radikalisierte, sowie andererseits die Zäsur, die es hinsichtlich der Darstellung des Jazz einleitete und die in den nächsten Jahren den Weg in eine neue Ära führen sollte. Dass diese beiden Bewegungen Hand in Hand gingen, beschreibt der Autor und Aktivist Wolfgang Sterneck in einem Aufsatz wie folgt:"In einem fließenden Prozeß lösten sich immer mehr afro-amerikanische Jazz-MusikerInnen von den ihnen zugewiesenen Rollen und dem vorgegebenen Musikverständnis. Sie suchten nach neuen Wegen der Entfaltung und stellten dabei die Traditionen des Jazz grundsätzlich in Frage,(...)". "Free Jazz" legte den Grundstein zur Abkehr vom Jazz als Unterhaltungsmusik, hin zu einer eigenen musikalischen Sprache von systemkritischen, politisierten schwarzen Musikern, die den Jazz forthin als Kommunikationsmittel ihrer eigenen Kultur begriffen.

Musikalisch gilt für "Free Jazz" ähnliches wie für die Musik von Cecil Taylor: ich bin ob des Spiels mit Geräuschen und Klängen, mit Stimmungen und einer Grenzenlosigkeit und schieren Lust an der Improvisation und der Freiheit immer noch sehr beeindruckt und gebe durchaus freiwillig zu, dass ich immer noch nicht wirklich fassen kann, was in dieser Musik mitschwingt, was sie über den reinen Klang imstande ist zu transportieren.

Aber es ist einfach ungeheuer spannend.


"Free Jazz" ist im Jahre 1960 auf Atlantic Records erschienen.

Der im Text erwähnte, sehr lesenswerte Aufsatz von Wolfgang Sterneck ist HIER zu finden.


09.11.2007

Playlist 8.11.07

Es war ein lauter, harter, schneller und vor allem langer Abend. Ich entschuldige mich vorab für diese elendig lange Playlist, aber da müssen wir jetzt gemeinsam nochmal schnell durch.

01 Megadeth - Into The Lungs Of Hell
02 Sacred Reich - Blue Suit, Brown Shirt
03 Nuclear Assault - Cold Steel
04 Cyclone Temple - Public Enemy
05 Acrophet - Corrupt Minds
06 Napalm Death - I Abstain
07 Coroner - Grin (Nails Hurt)
08 Voivod - Chaosmöngers
09 Holy Terror - Christian Resistance
10 Invocator - From My Skull It Rains
11 Atheist - And The Psychic Saw
12 Whiplash - Dementia Thirteen
13 Forbidden - Infinite
14 Flotsam&Jetsam - Hard On You (live)
15 Exhorder - Homicide
16 Holy Moses - Current Of Death
17 Hirax - Defeat Of Amalek
18 Obituary - Find The Arise
19 Heathen - Opiate Of The Masses
20 Blessed Death - You Are Nothing
21 Wargasm - Revenge
22 Demolition Hammer - Neanderthal
23 Dark Angel - The Promise Of Agony
24 Exumer - Journey To Oblivion
25 Overkill - Birth Of Tension
26 Xentrix - For Whose Advantage?
27 Venom - Manitou
28 Celtic Frost - The Usurper
29 Morbid Angel - Thy Kingdom Come
30 Cerebral Fix - Enter The Turmoil
31 Devastation - Freewill
32 Realm - Energetic Discontent
33 Believer - Sanity Obscure
34 Nocturnus - Neolithic
35 Evildead - Annihilation Of Civilization
36 Exodus - Strike Of The Beast (live)

Herrlich, ist es nicht?

06.11.2007

In Eigener Sache, Vol.3: Getrümmerradio

Nach meinen Radiosessions zur elektronischen Musik und zum Jazz steht für kommenden Donnerstag, 8.11.2007 ab 20:30 Uhr nun der Themenabend "Reise in Florians Jugend" auf dem Programm. Unter dem unten stehenden Link gibt es ausschließlich oldschooliges Thrash Metal-Gerumpel von etwa 1982 bis 1994 zu hören, darunter Großartiges, Vergessenes, Obskures und zum auf die Knie fallen Wunderbares.

Wie immer ist alles, was Sie dafür benötigen eine aktuelle Version des Winamp-Players, den Sie HIER kostenlos herunterladen können.

Ab circa 20:00 Uhr wird bereits ein unkommentiertes Vorprogramm zu hören sein.

Viel Spaß bem Hören!

Thrash Metal-Radio

One Voice, One Quetschkommode


Wie an dieser Stelle kürzlich erwähnt, stand Vor einer Woche das Kammerflimmer Kollektief auf der Studiobühne des Frankfurter Mousonturms, und ich, der tapfer sämtliche Warnungen ob der grenzenlosen Langeweile, die das Trio verursache, in den Wind schlug, saß gemütlich in der letzten Reihe und beobachtete Johannes Frisch (Bass), Heike Aumüller (Harmonium, Stimme) und Thomas Weber (Gitarre, Elektronik) bei ihrem Rundgang durch das aktuelle Album "Jinx".

Es war gut, dort gewesen zu sein und grundsätzlich bin ich ihrer Musik und ihrem Ansatz sogar sehr zugeneigt. Trotzdem konnte mich die Band an diesem Abend nicht überzeuen. So blieb es Johannes Frisch mit seiner Experimentierfreudigkeit und seinem mutigen Spiel vorbehalten, die Blicke und die Ohren auf sich zu ziehen. Allein ihm zuzuschauen ist ein Erlebnis, wie er sich immer weiter vorantastet, auf der Suche nach dem perfekt unperfekten Ton. Im krassen Gegensatz dazu das Harmonium von Heike Aumüller, das über die komplette Spelzeit im ewiggleichen Soundbrei stecken blieb und der Musik sämtliche Spitzen nach oben und unten nahm. Ähnliches kann man über die Gitarre von Thomas Weber sagen, die fatalerweise oft mit dem Sound des Aumüllerschen Instruments verwischte und somit weitgehend ohne Identität und eigenen Ausdruck in einer undifferenzierten, vom Harmonium unschön dominierten Klangwolke verschwand. Ein eindimensionales Erlebnis, das zudem noch mit drei Zugaben wirklich unnötig in die Länge gezogen wurde.

Bringe das nächste Mal übrigens ein "Bitte nicht applaudieren!"-Schild mit.

04.11.2007

Im Steinbruch


Eine echte Entdeckung der letzten Wochen sind die Arbeiten des US-amerikanischen Pianisten Cecil Taylor. Sein "Conquistador!" aus dem Jahre 1966 begleitet mich nun schon einige Tage und fasziniert vor allem wegen des immensen Weitblicks, den Taylor seiner Musik in knapp 40 Minuten so selbstverständlich verleiht. Mich würde wirklich interessieren, wie viele Künstler der elektronischen Musik von Taylor im Speziellen, aber auch der zahlreichen Free Jazz-Musiker der sechziger Jahre im Allgemeinen beeinflusst wurden. Denn nicht nur auf "Conquistador!" hört man Strukturen und vor allem Klänge, die man heute, zugegebenermaßen moderner und mittels technischer Hilfsmittel weiterentwickelt, auf so mancher Veröffentlichung der elektronischen Musik wiederfindet. Auch auf folgendem Video, einer kurzen Sequenz aus dem Dokumentarfilm "CECIL TAYLOR: ALL THE NOTES" (USA 2004, Regie: Christopher Felver), lässt es sich gut nachvollziehen, welchen (überraschenderweise auch) klanglichen Einfluss diese Epoche auf die folgende Zeit hatte. Und mal ganz davon abgesehen ist es ein ungeheurer Genuss, diesen Mann bei seinem körperbetonten, ausufernden Spiel zu beobachten.


29.10.2007

*FlirR*



Man hört nichts Gutes aus dem Hause Kammerflimmer Kollektief. Die Karlsruher Gruppe soll auf der gerade laufenden Tournee einen Weg eingeschlagen haben, der jedes provozierende Potential ihrer Musik aussperrt und sich stattdessen tranceartig in ein stilistisches Niemandsland manöveriert. Wer die aktuelle Platte "Jinx" (Staubgold) bereits gehört hat, der kann sich vermutlich in Ansätzen vorstellen, was auf einen zukommt. Das möchte ich nicht als Bewertung von "Jinx" verstanden wissen, zumal die Platte auch einige bemerkenswerte Stücke wie beispielsweise "Subnarkotisch" bereit hält. Aber die Erörterungen passen zumindest hinsichtlich der Ausrichtung durchaus in das Bild, das "Jinx" vermittelt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich das Kollektief präsentieren wird.

"Absencen" aus dem Jahre 2005 ist im Vergleich zu "Jinx" lebendiger und verspielter, und als ich sie zur Vorbereitung für das anstehende Konzert am 30.10.2007 nochmal auflegte passierte etwas Wundersames. Ich hatte "Absencen" als sehr angenehm und spannend in Erinnerung und war während der ersten Minuten etwas verstört, weil mir die Musik eine ganze Ecke zu angenehm, wenn nicht konventionell erschien. Aber plötzlich wuchsen sie, die Bilder. Vor allem ab dem eigentlich unscheinbaren Füllstück "Hausen" ging es sogar richtig rund. Sehr dicht inszeniert, lullt sich die Band um den Bassisten Johannes Frisch immer tiefer in einen grenzenlosen Sound ein und vergräbt sich regelrecht in den eigenen Nervenbahnen. "Shibboleth" darf diesbezüglich beruhigt als Höhepunkt genannt werden. Ihr Sound, eine Rundreise durch das weite Feld der elektronischen, improvisierten Musik, Ambient, Folk und Jazz, spielt dabei eigentlich eine gar nicht so wichtige Rolle. Es ist das Zusammenspiel und das Vergessen des Hier und Jetzt, das ihre Musik treibt und wie einen DNA-Strang immer wieder auseinander- und zusammenführt.

"Absencen" von Kammerflimmer Kollektief ist im Jahre 2005 auf Staubgold erschienen.

27.10.2007

Beautiful



Ein Skandal, dass ich nicht früher auf die Idee kam, einige Zeilen einem meiner erklärten Lieblingskünstler zu widmen. David Judson Clemmons wurde für mich besonders Ende der Neunziger Jahre zu einem ganz wichtigen Musiker. Der Grund hieß "Chasing California", und obgleich ich zu jener Zeit noch knietief im Metal watete und dort allmählich versauerte (was durchaus wörtlich zu nehmen ist), wuchs die Bedeutung dieser Platte langsam aber sicher - wahrscheinlich aufgrund der vorbildlich Metal-fernen Ausrichtung - ins Unermessliche. Die dazugehörige Band hörte auf den Namen Jud, veröffentlichte zwischen 1996 und 2001 insgesamt vier fantastische Platten und spielte lauten, dunklen, schrammelnden Independent Rock. Nach der letzten Platte "Perfect Life" brach das Trio wohl wegen chronischer Erfolglosigkeit auseinander und Clemmons beschloss auf Solopfaden weiter zu machen. Zunächst stampfte er das Projekt The Fullbliss aus dem Boden, das 2001 das großartige, folkige Debut "Fools And Their Splendor" und 2002 die ungleich rockigere, von einer unfassbar intensiven Stimmung geprägte, untergegangene Perle "This Temple Is Haunted" veröffentlichte. 2004 folgte das erste offizielle Soloalbum "Life In The Kingdom Of Agreement", ein überlanges Monumentalwerk, das nicht nur mir schwer im Magen lag. Clemmons zeigte sich hier frustrierter und verbitterter als in der Vergangenheit, sodass die Platte einem großen Brocken glich, an den sich nur Hartgesottene herantrauten, die in der Folge aber von einem einzigartigen Album sprachen.

Im Januar 2007 erschien mit "Yes Sir" ein neues Album des Wahlberliners, das (gottlob bei Weitem nicht überall) für einige fast schon skandalöse Fehleinschätzungen sorgte, die mich ob ihrer blanken Gedankenlosigkeit im Subtotal (wtf?) daran erinnerten, dass nicht jeder vom hilflosen Gestammel ins Journalistenfach wechseln muss.

"Yes Sir" ist das bis zum heutigen Tag schönste, ausgeglichenste Album von David Judson Clemmons, ist in der Grundstimmung viel heller, freundlicher und vielseitiger als seine früheren Arbeiten und genau deshalb völlig einzigartig. Auch wenn Songs wie das poppige "Someday" zunächst verwirren: sein dunkles Timbre ist immer noch unnachahmlich, bekommt auf "Yes Sir" aber so viele Sonnenscheinmelodien auf den Leib geschneidert, sodass daraus eine interessante, gegensätzliche Stimmung entsteht. Wie Clemmons im Interview aus dem Februar 2007 erklärte, ist sein Vater in erster Linie für diese Veränderung verantwortlich, der ihn praktisch auf dem Sterbebett darum bat, doch mal eine Platte zu machen, zu der er tanzen kann. Ich weiß nicht, ob man zu "Yes Sir" tanzen kann, dass diese Platte in ihrer Gesamtheit ein wichtiges Statement eines immer wieder unterschätzten Künstlers ist, steht außer Frage. "The Miranda Song", "Our Houses" (!!!), "Red Hot Soul", "Shine" und "The Sweet Hereafter" sind Sternstunden eines Mannes, der hoffentlich noch viel zu sagen haben wird.

"Yes Sir" von David Judson Clemmons ist im Januar 2007 auf Village Slut erschienen und kann unter der Mailadresse cds@fullbliss.com bestellt werden.



22.10.2007

Dings Milchglasgitarre



Eine Platte, die auf einem ganz schmalen, gefährlichen Grat balanciert. "Daydreaming" ist das Debut des Musikers Rafael Anton Irisarri aus Seattle. So klingt heute also Musik aus der einstigen Grunge-Hochburg: Ambientflächen, Synthesizerflecken, Knacken und Zirpen im Hintergrund, vorne arbeitet sich ein Piano durch teils diffuse Strukturen, die mal zusammenhanglos und verloren, mal hauchfein zu offensichtlich erscheinen. Das ist er, der gewagte Ritt zwischen den Welten. Dass man sich an die Gefälligere im Nachhinein mehr erinnert (und im schlimmsten Fall von ihr abgeschreckt wird), liegt in unserer Natur. Aber man sollte nicht überhören, dass neben eingängigeren Stücken wie "Lumberton" auch viele sehr interessante, traumhaft-schwebende Songs ("Voigt-Kampf") den Weg auf diese erfreulich kurzweilige Platte gefunden haben, die die Balance wieder herstellen. "Daydreaming" ist bei aller Affinität zur Sanftheit überraschend rau produziert und entfaltet seine Stärken ironischweise zur Nacht. "Ich wählte den Titel schon, um so etwas wie die Sehnsucht nach besseren Dingen im Leben zu umschreiben. (...) Der Gedankenprozess, dieses Durchspielen der Möglichkeit, dass etwas passiert, passiert sein könnte, dann aber doch nicht passierte, aber vielleicht eines Tages doch … eine Art Selbstgeißelung der Gedanken." sagte Irisarri einmal in einem Interview mit der Zeitschrift De:Bug. Tatsächlich hat man das Gefühl, als würde man seinem eigenen Leben hinter von Wasserdampf beschlagenen Glasscheiben zuschauen und plötzlich jeden seiner Schritte zunächst vorausahnen und im Anschluss hinterfragen. Das kann wahnsinnig machen. But nevermind (!): "Daydreaming" ist als tröstender Begleiter an deiner Seite.

"Daydreaming" von Rafael Anton Irisarri ist im Jahre 2007 auf Miasmah erschienen

Innocence, I Fall Asleep


Wenn man in diesen Tagen darauf verzichtet, die Vorzüge des Internets hinsichtlich des Musikkonsums zu seinem Vorteil zu nutzen, darf man sich im Grunde nicht beschweren, wenn man hinterher etwas ratlos vor den Lautsprechern sitzt. Noch dazu, wenn das Label ACT oder ECM heißt und die Musik sowas ähnliches wie Jazz sein soll. Bitte nicht falsch verstehen: Nik Bärtschs "Stoa" oder Brahems "Le Voyage De Sahar" (beide ECM, beide 2006) sind auch heute noch gern gehörte Platten. Aber "Pasodoble", das Duo-Debut des schwedischen Bassisten Lars Danielsson und des polnischen Pianisten Leszek Mozdzer ist eben so ein Paradebeispiel dafür, was mir am heutigen, vor allem europäischen Jazz nicht gefällt. Bei der betont schlichten, künstlerischen Covergestaltung angefangen, zieht sich das Malheur über die Produktion, den Sound, das Artwork bis hin zu den Linernotes: es ist unsagbar fad'. Bei Danielssons "Melange Bleu" (2006, ACT) war nach dreißig Sekunden klar, dass hier nichts Neues zu hören sein wird und ich verzichtete auf einen Kauf. Es ist nämlich letztendlich immer der gleiche Schmu: verhaltene Pianotupfer, leises Vorantasten, meist im hinteren Albumdrittel dann kleinere Ausbrüche, nur um sich danach gleich wieder ins gemachte Nest zu legen, zurück in die Sicherheit des prasselnden Kaminfeuers und des dampfenden Kräutertees. "Pasodoble" ist furchtbar gefällig, tut keinem, aber auch wirklich so gar keinem weh, ist soundtechnisch ohne jede Herausforderung und prädestiniert für die Zuhörerschaft ab 65, die in kalten Winterabenden die passende Untermalung zur wöchentlichen Schachpartie suchen. Das ist okay, und es ist ja auch ganz schön, wenn eine Platte schmerzfrei an einem vorbeizieht.

Aber es darf mich sicher schon ein bisschen wurmen, dass sich hier vor allem in Skandinavien eine Szene entwickelt hat, die sich wohl angesichts immer noch turbulenter Verkaufszahlen in einer kreativen Sackgasse gigantischen Ausmaßes das Eigenheim mit Vorgarten eingerichtet hat und seitdem im Wachkoma-ähnlichen Zustand das Land mit mut-, risiko-, und leidenschaftslosen Arbeiten überzieht. Gerade bei Danielsson ist es schade, wo ich ihn an dieser Stelle noch so lobend für seine großartige Idee und den Mut zum Außergewöhnlichen erwähnte.

Was von "Pasodoble" bleibt, ist eine nette, schöne, feine, langweilige, nichtssagende Platte von betörender Schönheit und gähnender kreativer Leere. Und natürlich die traditionelle Speichelleckerei in den Linernotes. Fehlt nur noch, dass sich Lars offiziell ein Kind von Leszek wünscht. Mit diesem peinlichen Quatsch kann man doch auch so langsam mal aufhören. Oder muss man dem Hörer den Kram einfach schönlabern?

"Pasodoble" von Lars Danielsson und Leszek Mozdzer ist am 27.April 2007 auf ACT erschienen.


17.10.2007

So all i ask you is, who are you here with?


 

Von Zeit zu Zeit ermuntere ich meinen kleinen MP3-Player dazu, mir seine ganz persönliche Zufallswiedergabe zu kredenzen, und wenn er das tut und gemäß seinem Vorhaben eben zufällig auf den SINCE BY MAN-Ordner stößt, entscheide ich mich in 9 von 10 Fällen dazu, die Wiedergabefunktion auf "Normal" zu stellen und mir von dem wilden Getöse komplett und in Farbe den Kopf verdrehen zu lassen. Es kommt heutzutage höchst selten vor, dass allzu harte musikalische Kost auf dem Plan steht, und noch seltener passiert es, dass ich auf meinem Blog darüber schreiben mag. Viel zu viele Menschen schreiben über den immer gleichen Kram und in dieses Horn des Ochsen namens "Verschmischtes und Triviales" möchte ich nicht unbedingt mitpetzen.

Da Since By Man aber durch ihre diesjährige (offiziell nie bestätigte) Auflösung aber langsam in Vergessenheit geraten und schon zu Lebzeiten alles andere als bunte Hunde waren, will ich die Gelegenheit nutzen und darüber berichten, dass diese fünf Burschen die für mich wohl beeindruckendste harte Musik produzierten, die ich mindestens seit dem Zenit von Neurosis, "Times Of Grace", kennenlernte. Ihre beiden Studioalben "We Sing The Body Electric" (2003) und "Pictures From Hotel Apocalypse" (2005) sind völlig wahnwitzige Chaosklumpen, die ihre musikalischen Wurzeln im (Post) Hardcore, Punk und Metal haben, aber vor allem durch die Art des Vortrags derart eigenständig sind, dass Vergleiche mit anderen Combos wie Converge (deren Kurt Ballou das Debutalbum produzierte) völlig absurd erscheinen. Das Quartett aus Milwaukee setzt nicht auf eine aufgeblasene Muskelschau, sondern demonstriert auch Dank der hervorragenden Produktionen ihrer Alben, wie man die innere Zerissenheit völlig ohne Klischees und ohne alberne, aufgesetzte Härte, dafür mit cleverer Dynamik authentisch präsentiert und sie in den Texten und den Artworks sogar intellektuell befeuert. Großen Anteil an dem Erscheinungsbild hatte besonders Sänger Sam Macoon, dessen eher helles Schreien der originelle Hinhörer der Band war und sie alleine deshalb auf Distanz zum ansonsten gebrüllten Einheitsbrei gehen ließ. Aber auch die exzellente, befreite und lebendige Gitarrenarbeit, der es auf den ersten Blick egal war, ob sie gerade im Takt spielt, oder vermeintlich unsauber ausbricht, trägt viel dazu bei, dass dieser vertonte Wahnsinn so intensiv und nah am eigenen Ich explodiert.

Wenn es in diesen Tagen noch hart & heftig sein soll, dann lege ich ihre Platten auf. Eine einzige Naturgewalt.

"We Sing The Body Electric" ist im Jahre 2003, "Pictures From Hotel Apocalypse" im Jahre 2005 auf Revelation Records erschienen.

14.10.2007

Kalte Wärme



Dem ein oder anderen wird Ulrich Lasks Arbeit "Polar Circles" durch den Titel geläufig sein, der vor wenigen Tagen im Rahmen des Jazzradios von mir vorgestellt wurde. Es fiel mir zugegebenermaßen schwer, ihn überhaupt in einer solchen Situation zu präsentieren, wo doch speziell dieses Album seinen Reiz im Kontext entfaltet und es nur schwer vorstellbar ist, dass ein einzelnes Stück, das aus jenem Kontext herausgerissen wurde, die ganz besondere, meditative Atmosphäre des Werks widerspiegeln kann. Denn die (auch von mir) ansonsten gerne zur Diskussion stehende These, dass Albenkonzepte in heutigen Tagen eher überholt denn spannend sind, greift in diesem Fall nicht.

"Polar Circles" entstand vor etwa drei Jahren in Arjeplog, einem kleinen Dorf im nördlichsten Winkel Schwedens. Genauer gesagt in der dortigen Kirche: Lask erhielt vom Bürgermeister der Stadt die Erlaubnis, die kleine Kapelle in den lithurgiefreien Stunden zu nutzen, um seine Eindrücke der "sonnigen Nächte eines arktischen Sommermonats" auf seine Instrumente (Saxofon, Klarinette, Electronics) zu übertragen. Besonders in Verbindung mit dem stimmungsvollen Artwork mit traumhaften Fotos vom Polarkreis entsteht eine einerseits kühle, skandinavische Stimmung, an der es sich trotzdem bestens wärmen lässt. "Polar Circles" spaziert Arm in Arm mit Melancholie, Glücksgefühlen und der Lust am Leben durch meterhohen Schnee und trägt im Innern soviel Liebe mit sich herum, dass man Lask alleine für diese großartige Idee (und natürlich für deren höchst einfühlsame Umsetzung) auf ewig dankbar ist.

"Polar Circles" von Ulrich Lask ist im Jahre 2005 auf Nabel Music erschienen.



09.10.2007

In Der Umlaufbahn



Eine doch eher unaufdringliche und fast schon schüchterne Platte haben Fridge mit "The Sun" zur Jahresmitte hin veröffentlicht. Schüchtern ist als Beschreibung zugegebenermaßen etwas irreführend, das britische Trio weiß schließlich sehr genau, was es hier tut. Aber es ist auch eine Platte, die im Kleinen ihre Kreise zieht. Stolz, ja. Und mit sich und der Welt zufrieden. Und wenn sie im Player liegt, dann lasse ich den lieben Gott auch gerne mal einen guten Mann sein. Es fühlt sich einfach gut an.

Das letzte Lebenszeichen der "Vergessenen des Postrock", wie sie ein Journalist mal nannte, liegt bereits sechs Jahre zurück. Das damalige Album "Happiness" war zwar schwer verdreht und kratzbürstig mit seinem wild gluckernden Glockenspiel und dem nervösen Drum- und Effektgeplucker, obgleich ebenso zart wie die Blüte, die das wunderschöne Cover zierte. "The Sun" ist dagegen fast schon unerhört straight und kuschelig, gleichzeitig aber auch etwas robuster. Das verbotene Wort: songorientierter. Immer noch erfreulich originell und ungewöhnlich, sind Kieran Hebden, Adem Ilhan und Sam Jeffers im Jahr 2007 zielstrebiger als jemals zuvor. Sie halten ihren Sound mehr im Zaun und das ist gut so. Bass, Gitarre und Schlagzeug (offensichtlich hat Hebdens vorzügliche Arbeit mit dem Jazzdrummer Steve Reid einige Spuren hinterlassen) stehen im Vordergrund, während die elektronischen Elemente sehr geschickt in den Basissound eingelassen wurden. "The Sun" ist immer noch meilenweit von dem heute leider üblichen Postrock-Einerlei entfernt und klingt fast ein wenig wie die zart poppige, europäische Variante von Tortoise. Jazz, Elektronik und Indie im wärmenden Sonnenlicht. Der Eisschrank hat die Tür offen gelassen.

"The Sun" von FRIDGE ist am 8.6.2007 auf Temporary Residence erschienen.


05.10.2007

Playlist 4.10.

Das haben sie gehört, beziehungsweise verpasst:

01 Nik Bärtsch's Ronin - Modul 36
02 McCoy Tyner - Effendi
03 Charles Mingus - Moanin'
04 Nina Simone - Don't Explain
05 Wayne Shorter - Mahjong
06 Anouar Brahem - Le Voyage De Sahar
07 Ornette Coleman - Faces And Places
08 Eric Dolphy - Hat And Beard
09 Lizz Wright - Blue Rose
10 Alice Coltrane - Los Caballos
11 John Coltrane - Compassion
12 Herbie Hancock - The Eye Of The Hurricane
13 Andrew Hill - Wailing Wail
14 Ulrich Lask - Orange Circle
15 Kammerflimmer Kollektief - Subnarkotisch


Vielen Dank fürs Zuhören!

01.10.2007

In Eigener Sache Vol.2: Jazzradio

Wie im Zuge meiner letzten Radiosession von Anfang September bereits angekündigt, wird die nächste Ausgabe unter einem jazzigen Stern stehen. Am 4.10.2007 können Sie ab 21 Uhr unter dem unten stehenden Link mit dabei sein. Wie immer ist alles, was Sie dafür benötigen eine aktuelle Version des Winamp Players, den Sie HIER kostenlos herunterladen können.

Viel Spaß beim Hören!

JAZZRADIO

24.09.2007

"Oha!" im Sinne von "Uff!"




Es wird Zeit eine Platte zu erwähnen, die zu meinen großen Überraschungen dieses Jahres zählt. Niko Schabel, Jahrgang 1978 und gebürtiger Münchener, zog vor sieben Jahren nach Berlin, studierte dort Audio-Engineering und gründete ein Jazztrio, das bald zum "Niko Schabel Quartett" heranwuchs. Seit 2003 arbeitet er mit der indischen Sängerin Bajka an dem Projekt Radio Citizen, das im September 2006 auf dem amerikanischen Label Ubiquity das Debut "Berlin Serengeti" veröffentlichte.

"Berlin Serengeti" ist ein - Verzeihung - saucooles, stimmungsvolles Album zwischen Soul, Funk, Hip Hop, und Jazz der 60er Jahre. "Ich bin furchtbar gelangweilt von all dem öden Programming und dem Lounge-Overkill", sagt Schabel. Damit ist er wohl nicht alleine. Vor allem die stete Flut an seichter, belangloser Lounge Musik ist zu einem echten Ärgernis geworden. Radio Citizen haben damit nichts am Hut. Multiinstrumentalist Schabel legt Wert auf eine offene Ausrichtung seiner Musik, ohne jedoch den Fokus, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Es scheint fast, als sei sein musikalisches Vorbild John Coltrane auf "Berlin Serengeti" als geistiger Mentor anwesend, als dirigiere er Schabel durch seine Tunes. Was er anpackt gelingt: "The Hop" ist ein derber, groovender Arschwackler-Hit, "Birds" ein dichter Latin-Lover, "Black Forest" huscht hektisch durchs Soundgestrüpp, "Championsound" ein Bananen-Smoothie mit Sahne, "Mondlicht" ein schwebendes Energieteilchen...ich könnte stundenlang so weitermachen.

Viele stilistisch ähnlich gelagerte Platten leiden oftmals an der zu seichten Umsetzung, an Ziellosigkeit, an den thematisierten Schlichtheiten. Schabels Debut ist anders. Dieses Album funktioniert immer, egal an welcher Stelle man den Laser auf die Reise schickt.

"Berlin Serengeti" ist immer und überall weit davon entfernt, banal oder oberflächlich zu sein. Stattdessen ist es mit Verlaub: völlig großartig.


"Berlin Serengeti" von RADIO CITIZEN ist im September 2006 auf Ubiquity erschienen.



23.09.2007

The All Seeing Shorter



Gut möglich, dass Wayne Shorter in naher Zukunft mehr als nur zweimal in meinem CD-Regal auftaucht. Dass der derzeitige Stand der Dinge dringend einer Überprüfung bedarf, liegt in erster Linie an einer Platte, die seit Tagen in meinem CD-Player klebt. "Juju" versprach alleine schon durch das Line-Up mit den beiden Coltrane-Sidekicks MyCoy Tyner (Piano) und Elvin Jones (Drums) eine spannende Angelegenheit zu werden, dass mich das Album aber derart in seinen Bann zieht war nicht eingeplant.

Es liegt sicher nicht nur an den genannten Musikerpersönlichkeiten, dass "Juju" manchmal als das "A Love Supreme" Shorters bezeichnet wird. Ich möchte diese Einschätzung gar nicht weiter kommentieren; dass Shorter auf seinem fünften Soloalbum allerdings alleine hinsichtlich des Tons seines Instruments unüberhörbar auf Tuchfühlung mit dem Sound Coltranes geht, steht außer Frage. Auch das Zusammenspiel des Quartetts, insbesondere im fantastischen Titelstück, zwingt ob seiner Intensität, der wie magisch ineinander verzahnten Struktur und dem wild vor sich hin brodelnden Feeling zu seelischen Überreaktionen. "When I wrote this tune, I was thinking of Africa [and]...was tyring to picture the old african rites.", schreibt Shorter in den Liner Notes zu "Juju", einer Reminiszenz an die Schlichtheit von afrikanischen Gesängen, wie er anmerkt.

Shorters zweites Album für das Blue Note-Label lebt aber auch von den überwältigenden, einfühlsamen Melodien. Wenn nach kurzem Drum-Intro von Jones McCoy das Eröffnungsthema von "Mahjong" anspielt, Shorter kurz darauf mit seinem Tenor-Saxophon einsteigt, die Melodie aufnimmt und weiterspinnt, und das Quartett (am Bass: Reggie Workman) sich plötzlich in einer luftigen Höhe blind die Bälle zuwirft, bleibt mir meist nicht viel anderes übrig, als die Kinnlade ganz entspannt nach unten gleiten zu lassen. Das ist schlicht sensationell.

Die weitere Entwicklung Shorters, hin zu immer freieren und offeneren Strukturen hat ihren Ursprung möglicherweise exakt auf dieser Platte. Innerhalb von 18 Monaten nahm der Musiker nicht weniger als sechs Alben auf und spielte zudem seit 1964 noch im Miles Davis Quintett, in welchem er unter anderem an heute legendären Werken wie "In A Silent Way" oder "Bitches Brew" mitwirkte. Das Nachfolgealbum "The All Seeing Eye" (obgleich es vor der Veröffentlichung jenes Werks noch 2 weitere Aufnahmesessions gab), geht hinsichtlich des freieren Ansatzes konsequenterweise gleich mehrere Schritte weiter und präsentiert mit einem Oktett ein großes Ensemble (u.a. mit Herbie Hancock), das die Musik weiter entzerrt, sie aber deswegen nicht weniger intensiv erscheinen lässt.

"Juju" von WAYNE SHORTER ist im Jahre 1964 auf Blue Note erschienen.



16.09.2007

Lichtnahrung


SEAWORTHY - MAP IN HAND

Es ist ein purer Genuss, in einer Platte zu versinken, die den Gedanken und den Interpretationen soviel Raum zum Tasten und Forschen gibt, die einerseits in ihrer Philosophie so extrem und kompromisslos und andererseits in ihren Mitteln so minimalistisch, subtil und behutsam ist, dass ich selbst in der mit 45°C heißen und sicher etwas übertemperierten Herbst-Badewanne vor Ergriffenheit das Frösteln anfange. Wie erholsam und sogar heilsam ist es, diesen drei Musikern zuzuhören. Seaworthy aus Australien arbeiten auf "Map In Hand" mit Feedbacks, mit leisen, zögerlichen Gitarrendrones und -loops und Field Recordings. Ein leises Knacken hier und ein verhuschtes Rauschen dort.

Ursprünglich auf Kassette aufgenommen und erst im Nachgang am Computer minimal bearbeitet, ist es vor allem der Klang, der mitten ins Herz trifft. Er erdet, beruhigt, schützt und öffnet den Blick.

Auf Null zurückkommen.
Alles was zählt, liegt in diesem Moment...

Es scheint, als würde jeder Ton, jede Schwingung von "Map In Hand" tief in den Körper eindringen und ihn von innen erhellen.


"Map In Hand" von SEAWORTHY ist in November 2006 auf 12k erschienen.

08.09.2007

Nebel



Der amerikanische Pianist Andrew Hill wagte für sein viertes Album "Smoke Stack" ein Experiment, an dem sich vor ihm bereits Musiker wie Ornette Colemann und John Coltrane erfolgreich versuchten. Hill besetzte seine Rhythmusgruppe mit einem Schlagzeuger und gleich zwei Bassisten. Richard Davis und Eddie Khan agieren auf Hills
zweitem Album für das legendäre Blue Note Label indes nicht wie bei den eben erwähnten Vorreitern als eine unzertrennliche Stimme, sondern verdichten den Sound durch ihr freies, geteiltes Spiel zu einer manchmal nahezu undurchdringlichen Nebelbank. Dazu passt ein Schlagzeuger wie Roy Haynes mit seinem stets im Fluss befindlichen, ungeheuer leichtfüßigen und doch hochkomplexen Spiel natürlich formidabel. Herausragend das Titelstück, das nicht nur eine von Hill unverwechselbare Melodie geschenkt bekam, die er zum Schreien schön gegen Ende in den wild vor sich hin brodelnden Rhythmusdunst einwebt, sondern darüber hinaus auch als Blaupause für Hills Ansatz gelten darf, seine Musik mehrdimensionaler, freier und komplexer auf zu bauen und sich dennoch in definierten Strukturen zu bewegen.

Das durch die Hinzunahme eines weiteren Bassisten zum Quartett erweiterte Klaviertrio hat noch mehrere magische Momente auf "Smoke Stack" verewigt. Beispielsweise das von Davis fantastisch gestrichene Basssolo in "Wailing Wail", das den Klang der Gruppe innerhalb dieser knapp sechs Minuten entscheidend prägt und der Melancholie ungewohnt deutlich Tür und Tor öffnet. Oder das komplexe "30 Pier Avenue", bei dem der ansonsten im Hintergrund spielende Eddie Khan ein Solo beisteuern darf, und Hill durch sein variantenreiches und unkonventionelles Spiel beeindruckt.

Andrew Hill ist im April diesen Jahres im Alter von 75 Jahren verstorben. Ein Jahr vor seinem Tod erschien sein letztes Album "Time Lines". Hill kehrte mit dieser Veröffentlichung in den Blue Note Hafen zurück.

"Smoke Stack" ist im Dezember 1963 auf Blue Note erschienen.

05.09.2007

Playlist 4.9.

Wer am gestrigen Dienstagabend ein Ohr riskierte und sich einen Überblick über das verschaffen möchte, was gespielt wurde, ist mit dieser Playlist wohl bestens aufgehoben.

01 Scott Taylor - Vespers
02 Tomboy - Synchronize
03 Richard Davis - Last Time
04 Plaid - Porn Coconut Co
05 Prefuse 73 - Keeping Up With Your Quota
06 Gudrun Gut - Rock Bottom Riser (with Uta Heller & Matt Elliott)
07 Apparat feat. Raz Ohara - Hold On (Chris De Luca Vs.Phon.o Remix)
08 Konono No.1 - Ungudi Wele Wele
09 Jamie Lidell - A Little Bit More (Luke Vibert Remix)
10 Whitehouse - Mouthy Battery Beast
11 Boards Of Canada - Corsair
12 Benfay - Quick Drifter
13 Frank Bretschneider - The Moon Is A Hole In The Sky
14 Gabriel Ananda - Sweet Decay
15 Gui Boratto - Beautiful Life

Ich danke fürs Zuhören!

02.09.2007

In Eigener Sache Vol.1: Tanzradio

Am Dienstag, den 4.September 2007, findet eine Fortsetzung meiner kleinen DJ-Reihe statt. Unter dem unten stehenden Link können Sie ab 20 Uhr etwa eineinhalb Stunden lang das Beste aus dem Bereich der elektronischen Musik hören. Alles was Sie dafür benötigen ist eine aktuelle Version des Winamp-Players, die Sie hier kostenlos herunterladen können.

Viel Spaß beim Hören!

Tanzradio

01.09.2007

Hold On




Wer auch im September des Jahres 2007 immer noch verzweifelt auf der Suche nach DEM Sommerhit ist und bisher außer Disco-Plattheiten wie "Hot Summer" nichts spannendes auftreiben konnte, dem sei hiermit wärmstens Apparats (feat. Raz Ohara) "Hold On" im Chris De Luca Vs. Phon.O-Remix ans Herz gelegt. Der Track ist ein blanker Wahnsinn zwischen Prince-Funk aus den frühen Neunzigern und aktuellem Timberlake-Sex.

Ich bin zwar gerade Dank eines Meniskusschadens tanztechnisch etwas auf verlorenem Posten, mit diesem Song auf den Ohren hingegen könnte ich auch locker nackig aus dem zweiten Stock hüpfen und auf der Straße Laternen austreten.

Bisher klarer Sieger im "Song des Jahres"-Wettbewerb.

"Hold On" ist am 11.5.2007 auf Shitkatapult erschienen.


31.08.2007

A Cuddly Place In Megacity



Wenn mir eine Platte innerhalb der letzten zwei Wochen vor allem in nächtlichen Sitzungen vor der Anlage gehörig den Kopf verdrehte, dann war es Benfays "Born On A Houseboat". Zwar stieß ich eher zufällig auf diesen MP3 Release, war aber bereits nach wenigen Sekunden des Openers "Breaching The Escarp" Feuer und Flamme für einen Sound, der mit erstaunlicher Tiefe und gemächlichem Stolz seine Kreise zieht.

Der Schweizer Multiinstrumentalist Benfay hat seine Minimal House-Grooves in einen warmen, lichtdurchfluteten Fluss gebracht und scheint sich wie selbstverständlich darüber im Klaren zu sein, wieviel Teile Melancholie und Unbekümmertheit in seine Tracks gehören. So zaubert der Mann, der Free Jazz als seine erste Besessenheit bezeichnet, innerhalb dieser knapp 30 Minuten ein stimmungsvolles, urbanes Werk auf den Laser, das zwischen den beständigen Beats, antreibenden und doch entspannten/entspannenden Basslines, simplen, kleinen Melodien und gewitzten Einfällen keinen nennenswerten Unterschied macht, sondern viel eher auf Vereinigung im großen Ganzen besteht. Benfay sieht folgerichtig das "Houseboat" als Metapher für eine "floating community sharing a love for one style of music."
Es knistert, es groovt, es ist von eine von grundauf positive, verbindende Musik.

Die EP kann auf der Thinner Homepage kostenlos heruntergeladen werden. Dort besteht auch die Möglichkeit via Paypal Geld zu spenden.


"Born On A Houseboat" ist am 23.7.2007 auf Thinner erschienen.


27.08.2007

New World Tanzboden


Möglicherweise habe ich mich in "Journeyman's Annual" etwas getäuscht. Die Erwartungshaltung an die Ausrichtung des vierten Albums von Scott Monteith und seinem Deadbeat-Projekt war offenbar zu stark von der hervorragenden, hoch im Nebel stochernden "Wild Life Documentaries"-Scheibe aus dem Jahr 2002 geprägt. So kam zunächst die Überraschung, dann die Enttäuschung und später die Versöhnung mit einer Platte, die einerseits für die feinen und doch massiven, dubbigen Tiefbasstunes mit dem sorgsam dosierten Ethno-Touch etwas mehr Zeit einfordert, andererseits sich mit insgesamt vier Vocaltracks deutlich in Richtung Dancefloor und Dancehall bewegt.

Letzteres sorgt zwar für eine angenehme und auch wünschenswerte Weiterentwicklung des Deadbeat-Sounds, persönlich wird mir aber das pulsierende, malmende Funkeln der übrigen Tracks durch die Ragga-beeinflussten Vocaleinsätze zu schroff auseinandergerissen. Ausnahme ist der kurzweilige Remix von Saul Williams' "Black Stacey", der als Bonustrack am Schluss des Albums steht und dessen Beat sich vorzüglich mit dem verhallten Soundgewand Monteiths vermählt.

"Journeyman's Annual" ist die bisher wohl konkreteste Arbeit des Kanadiers. Tanzbarer und noch tiefer grollend, hält sie sich irgendwo zwischen Club, Chill-Sofa und den (Regen)Wolken auf.

"Journeyman's Annual" ist am 15.6.2007 auf Scape erschienen.

23.08.2007

Don't Tell Me They're The Same



Ich komme ja als alter Fan doch nicht um ein paar Worte zu der aktuellen Veröffentlichung von Bad Religion drumherum. Nun, so sei es.

"New Maps Of Hell" bekommt völlig zu Unrecht den "Wir wollten es nochmal wissen, wir klingen wie in alten Tagen, wir sind so wütend"-Stempel aufgedrückt und platziert sich in der mittlerweile sowohl qualitativ als auch quantitativ durchaus als stattlich zu bezeichnenden Diskografie der Band eher im unteren Drittel. In Alben gesprochen heißt das: man orientiert sich hinsichtlich der Qualität an Durchschnittswerken wie meinetwegen "The Process Of Belief" (2001) und kommt im Leben nicht an die großen Klassiker der späten 80er oder frühen 90er Jahre heran.

Und weil "New Maps Of Hell" allenthalben als die geilste Scheiße seit dem Brand von Rom bewertet wird, habe ich zur Sicherheit und meinem journalistischen Auftrag folgend, das letzte Studioalbum "The Empire Strikes First" aus dem Regal gezogen und guck an: die bummst seltsamerweise immer noch sämtliche lahmen Versuche des nunmehr Sextetts seit der unterschätzten "The Gray Race"-Scheibe (1996) in den Staub. "New Maps Of Hell" mangelt es an einer authentischen Produktion, an Hits, einfach an diesem ganz besonderen Quentchen Biss und Feeling in den Melodien und Gesangslinien. Der Vorgänger hatte diesen X-Factor selbst in den meist ungeliebten Schnarchsack-Stücken in Hülle und Fülle, "New Maps Of Hell" ist dagegen leider nur Durchschnittskost im Bad Religion-Kosmos. Das ist an sich noch nicht mal schade, so langsam wird es sogar ein klein bisschen egal.

Bad Religion - New Maps Of Hell ist am 6.7.2007 auf Epitaph erschienen.

20.08.2007

Time Is Birds Passing By


Am frühen Morgen des 4.Juli 2005 betraten die drei Jazzmusiker Lars Danielsson (Bass), Nils Landgren (Posaune) und Christopher Dell (Vibrafon) das Installationskunstwerk "Music On The Water" auf dem Salzauer Schlossteich. Das JazzBaltica-Festival war gerade mal seit ein paar Stunden Geschichte, als das Trio seine Instrumente innerhalb des offenen Klangraums aufbaute. Entwickelt von den beiden Künstlern Ilya Kabakov und Vladimir Tarasov, hängen in der Dachkonstruktion Alltagsgegenstände wie Messer und Gabeln nebst Metallstäben an Stahldrähten und ergeben sich der Laune des Windes. Fenster und Türen existieren nicht, nichts hält ihn auf.
Im Hintergrund zwitschern die Bewohner des Schlossparks ihr Guten Morgen an einen gerade
erwachenden Tag. Es ist fünf Uhr in der Früh, die Schwäne und Enten zetern ob der ungewohnten Geräusche. Die aufgehende Sonne spendet die ersten wärmenden Strahlen, es duftet nach frischer, grüner Natur.

Aus dieser ganz besonderen Begegnung entsteht eine friedliche, fast meditative Stimmung, ruhig und ehrfurchtsvoll. So intim, dass man das Anblasgeräusch von Landgrens Posaune zwischen dem Summen von Hummeln und Bienen klar und deutlich vernimmt, während der Sound des Morgens durch die Installation schwebt. Eine einzigartige Zusammenführung von Klang und Raum, die zwar zur Albummitte für meinen Geschmack und für kurze Zeit ein wenig zu lebhaft wird und damit den Fluss von "Salzau Music On The Water" etwas ausbremst, als Projekt und Idee jedoch zu einer der spannendsten und kraftvollsten Jazzplatten zählt, die ich kenne.

Danielsson, Dell, Landgren - Salzau Music On The Water ist im Jahre 2005 auf ACT erschienen.

05.08.2007

Von der Leichtigkeit des Black Metal

Sollten Sie gerade ein paar Minuten Zeit haben und dem unten stehenden Link folgen, entdecken Sie ein Interview mit Archer Prewitt, dem Gitarristen der amerikanischen Band The Sea And Cake.

Ich konnte das Gespräch mit diesem außergewöhnlich ausgeglichenen Menschen im Rahmen der Europatournee der Band führen. Es war ein ganz besonderer Tag.

http://www.tinnitus-mag.de/interviews.php?id=272

22.07.2007

Guten Tag. Ich bin neu hier.

Und ich habe mir gerade eine frische Tasse Kaffee gemacht.

Demnächst finden Sie hier Texte zu aktueller und gar nicht mehr so aktueller Musik. Von mir, für alle, aus Freude am Hören und Schreiben.

Eine Kleinigkeit zu mir: 30 Jahre alt, verheiratet, 2 Katzen. Musikalische Erleuchtungen gab es in den Jahren 1982 (Roland Kaiser, "Santa Maria"), 1986 (Iron Maiden, "Live After Death"), 1991 (Nirvana, "Nevermind"), 1997 (Tool, "Aenima") 1999 (Neurosis, "Times Of Grace") und 2005 (John Coltrane, "A Love Supreme"), davor, dazwischen und danach allerhand Großartiges, Inspirierendes und zum Speien Furchtbares. 

All das zusammen ergibt einen Raum von exakt 3,40qm Musik, optional 
einen Platz an der Sonne zwischen zwei IKEA-Regalen, Modell "Expedit".
Hier ist mein Thron, hier ist (noch) keine Kaffeemaschine. Dafür aber
eben Luft, Liebe und Musik.

Viel Spaß beim Lesen.

Derzeit in schwebender Rotation des CD-Wechslers:
  1. Xiu Xiu Larsen * Spicchiology?
  2. Danielsson, Dell, Landgren * Salzau Music On The Water
  3. Deadbeat * Journeyman's Annual
  4. Vladislav Delay * Whistleblower
  5. Black Rebel Motorcycle Club * Baby 81
  6. Gabriel Ananda * Bambusbeats
  7. !!! * Myth Takes
  8. Jimmy Edgar * Colour Strip
  9. John Coltrane * Meditations
  10. Alice Coltrane * A Monastic Trio
  11. Keith Jarrett * The Köln Concert
  12. To My Boy * Messages
  13. Battles * Mirrored
  14. Elvis Perkins * Ash Wednesday
  15. Black Rebel Motorcycle Club * Howl
  16. ChowChow * Colours And Lines
  17. Whitehouse * Racket
  18. Fennesz / Sakamoto * Cendre
  19. Bad Religion * New Maps Of Hell
  20. Young Marble Giants * Colossal Youth
  21. Mickey Hart * Music To Be Born By (Stammplatz)