10.01.2011

2010 #12 - Oneohtrix Point Never °° Returnal

Diese Musik treibt entweder unter Wasser, oder sie schwebt durch das Weltall - auf der Erde ist sie jedoch nie. Ein klassischer Eingangssatz einer Musikexpress-Rezension, ich werde mich zu gegebener Zeit dafür noch ausreichend selbst züchtigen. 

Aber im Grunde stimmt's ja: "Returnal" ist tatsächlich viel zu ätherisch für feste Materie. Die, das sei gesagt, vom Albumopener sowieso und umgehend zu Klump geschlagen werden würde. "Nil Admirari" ist ein Orkan aus Lärm und Kratzern, aus Splittern und Explosionen, und er überrollt mich jedes Mal mit selten zuvor dagewesener Kraft und Macht. Die Zerstörung, die dieser Sturm anrichtet manifestiert sich in jedem Augenblick direkt vor den eigenen Augen, bevor die beiden folgenden Songs die wortwörtliche Ruhe nach dem Sturm darstellen. Sie versorgen die gerissenen Wunden, sie fügen die Scherben wieder zusammen. Ich sehne mich nach den ersten fünf Minuten des Chaos nach dieser heilenden Stille, und weder der Irrsinn noch die anschließende Ruhe verfehlen ihr Ziel. 

Die nachfolgenden Minuten gehören der Schwerelosigkeit, aneinanderklackernden Treibhölzern, wachsendem Moos aus dem Zauberwald und sich anrempelnden Sternen aus dem silbersten Silber, das jemals gehört wurde. Und ganz zum Schluss, wenn ein kleiner Hutzelzwerg im Fledderkostüm auf den Spuren von Fever Rays Karin Dreijer Andersson entlangwürmelt und eine von überrumpelnder Mystik gefärbte Stimme preisgibt und also aus einem schwarzen Spinnenkokon heraus die Worte schamanenhaft tanzen lässt, ist alles zu spät. 


Erschienen auf Editions Mego, 2010.

Kommentare:

Benedikt hat gesagt…

Macht Spaß bisher, dieser Countdown! Auch, weil's ein paar Überschneidungen gibt. Doll.

Flo hat gesagt…

Hurra! Welche Überschneidungen gibt's denn?

Benedikt hat gesagt…

Mal sehen... Scott Tuma (die ich viel zu wenig gehört habe), Leatherface und natürlich Actress.

Flo hat gesagt…

Raffst Du denn die Actress? *g* Und wie steht's mit Atheist? Nicht so Dein Fall?