13.12.2010

VOIVOD - To The Death - Teil 1












Mein Verdacht bestätigte sich, als die ersten Absätze zu diesem Post bereits geschrieben waren: einen Beitrag über die kanadische Metal-Legende Voivod zu verfassen ist alles andere als ein einfaches Unterfangen. Die Geschichte des Voivods ist so spannend und umfangreich, voller Brüche und zugleich so tragisch, dass es ein Leichtes wäre, vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Ich bemerkte außerdem, dass es zusätzlich schwieriger wird, wenn ich mich, wie ursprünglich geplant, lediglich auf zwei ihrer mittlerweile 12 Studioalben beschränken möchte: "Negatron", 1995 erschienen und "Phobos", das zwei Jahre später wie der Vorgänger auf Hypnotic Records veröffentlicht wurde, stellten zu ihrer Zeit nicht nur eine Zäsur in der Entwicklung der Band dar, sie sind auch heute noch selbst unter Fans durchaus umstritten. Ich fand, das sei ein guter Aufhänger...aber in der Praxis kann ich die beiden Alben kaum angemessen in ihrer Relevanz beschreiben, wenn niemand ihre Vorgeschichte kennt. Beginnen wir am besten....irgendwo knapp hinter dem Anfang und browsen einfach ein bisschen durch die schicke Voivod-Diskografie.




Das Debut "War And Pain" (1984) und das nur minimal kontrolliertere zweite Album "Rrröööaaarrr" (1986) boten hysterischen, mit Venom-, Motörhead- und Slayer-Zitaten angereicherten Speed/Thrash Metal, in dem allerdings ein anarchistischer Punkvibe deutlich erkennbar war. Die Band hatte trotz der erwähnten Einflüsse, vor allem aber angesichts der bereits damals sensationellen Gitarrenarbeit von Denis "Piggy" D'Amour, einen klar erkennbaren eigenen Stil, der später in Verbindung mit den futuristischen, fremdartigen und gleichzeitig abstoßenden Artworks Michael "Away" Langevins und den mit starkem Hang zur Science Fiction ausgestatteten Texten als Nuclear Metal (die Plattenfirma - Noise Records, wer sonst?! - entblödete sich sogar nicht, entsprechende Sticker auf Plattencover zu kleben) oder Science Fiction Metal bezeichnet wurde - übrigens eine Schublade, die im Grunde bis heute einzig und allein von den Kanadiern bewohnt wurde und wird.




Die beiden Nachfolger "Killing Technology" (1987) und "Dimension Hatröss" (1988) dürfen als Übergang zum folgenden Dreigestirn "Nothingface", "Angel Rat" und "The Outer Limits" angesehen werden, allerdings ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Band innerhalb von nur drei Jahren weiterentwickelte, schier unfassbar. Wer "Rrröööaaarrr" aus dem Jahre 1986 und im Anschluss "Nothingface" aus dem Jahre 1989 hört, wird kaum vermuten, dass es sich immer noch um dieselbe Band handelt. Auf "Killing Technology" und vor allem auf "Dimension Hatröss" begannen Voivod mit Psychedelic- und Progressive-Einflüssen zu experimentieren, als Vorbilder agierten nun Bands wie die Landsmänner von Rush (mit denen sie später auch die Bühne teilen sollten) oder Pink Floyd. "Tribal Convictions" vom 1988er Album bekam ein trashiges, in Teilen gar avantgardistisches Video verpasst und mauserte sich in eingeweihten Kreisen zu einem kleinen Hit, dessen Früchte das Quartett beim Nachfolger "Nothingface" ernten konnten: Voivod wechselten zum Majorlabel MCA (heute übrigens unter dem Dach der Pfeifen von Geffen), bekamen ein größeres Budget, erneut einen Videoclip, diesmal zur Coverversion von Pink Floyds "Astronomy Domine", und hatten plötzlich sogar auf MTV Erfolg. Das von Glen Robinson produzierte Album wird von vielen Fans auch heute noch als der Höhepunkt im Schaffen der Kanadier bewertet: Voivod waren alleine klanglich so aufgeräumt wie noch nie, aber auch ihre Songs waren bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und durchdacht. "Nothingface" ist eine wilde und verrückte Progressive Rock-Abfahrt in einem überdimensionalen Raumschiff, die mit dem erwähnten "Astronomy Domine", "The Unknown Knows", dem Titeltrack oder dem genialen "Into My Hypercube" (und, und, und...) ein paar ganz weit entfernten Planeten zuwinkt. Spätestens hier ist Gitarrist Piggy übrigens in den Olymp der größten Saitenhexer aller Zeiten aufgestiegen. Und darüber wird nicht diskutiert.



..............................to be continued...................................

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

tolle Artikeln, vermitteln Deine verständliche Begeisterung für VoiVod..hatte sie nach den ersten Alben aus den Augen verloren..aber wieder zurückgewonnen :-)

Flo hat gesagt…

Danke für die Blumen.