16.11.2007

"Das kannst du deiner Oma vorspielen!" -"Die is' tot." -"Ja, eben."


Wozu doch ein durchgegammeltes Wochenende gut sein kann. Ich hatte Ryoji Ikedas "dataplex" nun schon einige Zeit auf dem Schirm, stellte die Beschäftigung mit der auf das erste Gehör sehr eigenwilligen und scheinbar undurchdringbaren Produktion des Japaners aber immer hinten an. Bis ich mir tief in der Nacht ein Herz fasste und den Laser auf die Reise und mich damit ins Wunderland schickte. Schon wieder so ein Fall von "Auf den perfekten Moment gewartet".

Ikeda ist seit Mitte der neunziger Jahre eine feste Größe hinsichtlich der Verbindung von Visualisierung und Klang. Mit seinen Aufnahmen "+/-" (1996), "0?" (1998), "Matrix" (2001) und "op." (2003, alle auf Touch), erarbeitete er sich den Ruf als einen der radikalsten Klangkünstler, der Grenzen konsequent überspringt, und ständig nach neuen Ausdrucksformen forscht, um an einen neuen Ort zu gelangen. Sein derzeit aktuelles Projekt "datamatics" "is an art project that explores the potential to perceive the invisible multi-substance of data that permeates our world."(R.Ikeda)

Im Zuge dieses Konzepts erschien im Jahre 2005 sein bis dato letztes Album "dataplex". Es sind Miniaturen von Schall- und Sinuswellen, white noise, Ruinen von Basslinien und Pulsschlägen, die unentwegt Türe in immer kleiner wirkende akustische Räume öffnen. Trotz des auffressenden Minimalismus', der vor nichts außer einem wo auch immer herrührenden Groove halt macht, trotz einer Geräuschkulisse, die so mancher als britzelnde, kokelnde Störung eines Atomkraftwerks bezeichnen würde, bleibt Ikeda immer fokussiert und hintergründig, belebt starre Zahlen- und Softwarecodes mit einem dieser Musik im Grunde diametral gegenüberstehenden Reichtum. Eine Musik, die Daten und den Sog derselben als schwingendes Fundament für eine Betrachtung der Postmoderne, des damit einhergehenden Absurden und Mystischen benutzt und sich der Gefahren des Wandels und des möglichen Abgleitens in eine verlorene Welt gänzlich bewusst ist.

"dataplex" von Ryoji Ikeda ist im Jahre 2005 auf Raster Noton erschienen.