08.09.2007

Nebel



Der amerikanische Pianist Andrew Hill wagte für sein viertes Album "Smoke Stack" ein Experiment, an dem sich vor ihm bereits Musiker wie Ornette Colemann und John Coltrane erfolgreich versuchten. Hill besetzte seine Rhythmusgruppe mit einem Schlagzeuger und gleich zwei Bassisten. Richard Davis und Eddie Khan agieren auf Hills
zweitem Album für das legendäre Blue Note Label indes nicht wie bei den eben erwähnten Vorreitern als eine unzertrennliche Stimme, sondern verdichten den Sound durch ihr freies, geteiltes Spiel zu einer manchmal nahezu undurchdringlichen Nebelbank. Dazu passt ein Schlagzeuger wie Roy Haynes mit seinem stets im Fluss befindlichen, ungeheuer leichtfüßigen und doch hochkomplexen Spiel natürlich formidabel. Herausragend das Titelstück, das nicht nur eine von Hill unverwechselbare Melodie geschenkt bekam, die er zum Schreien schön gegen Ende in den wild vor sich hin brodelnden Rhythmusdunst einwebt, sondern darüber hinaus auch als Blaupause für Hills Ansatz gelten darf, seine Musik mehrdimensionaler, freier und komplexer auf zu bauen und sich dennoch in definierten Strukturen zu bewegen.

Das durch die Hinzunahme eines weiteren Bassisten zum Quartett erweiterte Klaviertrio hat noch mehrere magische Momente auf "Smoke Stack" verewigt. Beispielsweise das von Davis fantastisch gestrichene Basssolo in "Wailing Wail", das den Klang der Gruppe innerhalb dieser knapp sechs Minuten entscheidend prägt und der Melancholie ungewohnt deutlich Tür und Tor öffnet. Oder das komplexe "30 Pier Avenue", bei dem der ansonsten im Hintergrund spielende Eddie Khan ein Solo beisteuern darf, und Hill durch sein variantenreiches und unkonventionelles Spiel beeindruckt.

Andrew Hill ist im April diesen Jahres im Alter von 75 Jahren verstorben. Ein Jahr vor seinem Tod erschien sein letztes Album "Time Lines". Hill kehrte mit dieser Veröffentlichung in den Blue Note Hafen zurück.

"Smoke Stack" ist im Dezember 1963 auf Blue Note erschienen.

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