04.09.2022

OVERKILL - THE ATLANTIC YEARS 1986 - 1994 (Vinyl Boxset Review)


Ich hatte es im letzten Videoreview zu Voivods "Forgotten In Space"-Boxset bereits mehrfach angedroht, hier ist es nun: der zweite Beweis dafür, dass ich es mit vollmundigen Einlassungen wie "Ich mag keine Boxsets" oder despiktierlichen Fragen wie "Wer soll denn den ganzen Scheiß kaufen?" besser sein lassen sollte. 

Ich habe mir also Overkills "The Atlantic Years 1986 - 1994"-Rückschau vorgenommen und dabei versucht, es wenigstens ein kleines bisschen weniger zäh werden zu lassen als mein Review-Debut, und was immerhin den Blick auf die Uhr betrifft, ist mir das auch ausnahmsweise gelungen. Inhaltlich gibt es immer noch konfus abschweifendes Gelalle - aber das sind meine werten Leser über die letzten 15 Jahre schließlich auch gewohnt. Und ein wenig Konsistenz erlaube ich mir durchaus in diesen so chaotischen Zeiten. Weil ihr es mir wert seid. 

Enjoy!


 


26.08.2022

Die Top 10 Der Besten Voivod-Songs



Schon wieder Voivod? 

Schon wieder Voivod!

Ende des vergangenen Jahres erhielt ich die Möglichkeit, für die 160. Ausgabe des legendären Ox-Magazins über meine Lieblingsband zu schreiben (Vielen Dank, Simon!). Genauer gesagt, ich erhielt die Möglichkeit, über die zehn besten Songs meiner Lieblingsband zu schreiben. Das war eine Ehre für mich, einerseits wegen des Ox, andererseits wegen Voivod - ich durfte das also auf keinen Fall zersägen. 

Und obwohl ich sofort Feuer und Flamme war, mich in ihre Platten einzugraben und umgehend loszulegen, wusste ich um die große Herausforderung - und wurde gleich mal für die nächsten Tage ausgebremst. Nicht nur wegen der umfangreichen und qualitativ so konstant hochklassigen Diskografie der Band, was eine Auswahl so oder so schwierig machen würde, sondern auch wegen ihres so diversen Repertoires. Wie soll ich diese enorme Bandbreite abdecken, von dem räudigen, chaotischen Thrash Metal zu Beginn ihrer Karriere über eine Heavy Metal-Version von Pink Floyd oder King Crimson bis hin zu einem verwehten Progressive-Industrial-Golem? Oder diesen Wagemut? 

Ihre einzelnen Entwicklungsphasen, und jetzt, wo ich's schreibe, weiß ich gar nicht mehr, was ich mit einer "Entwicklungsphase" eigentlich meine, oder ob sowas in ihrer Realität überhaupt existierte, haben schließlich gleich mehrere Eigenleben entwickelt. Und je weiter ich mich in ihre Welt über die letzten 25 Jahre eingegraben habe, desto mehr wucherte das Selbstverständnis dieser Band, ihr Anspruch und ihre Progressivität über die Brüche in ihrer Musik. Und all das soll ich in nur zehn Songs abdecken? 

Ich brütete über zwei, drei Wochen jeden Tag über dieser Liste. Dezent obsessiv. 

Als die Songs für die Top 10 endlich ausgeknobelt waren, ging es endlich ans Schreiben - und damit begann das eigentliche Martyrium: Zeichenlimit. 

Ein Zeichenlimit. Ich! Ein Zeichenlimit! Ha! Hahaha! 

Es war eine verdammte Pest. Aber ich liebte jede Sekunde der Auseinandersetzung mit den Songs dieser einzigartigen Band.

Enjoy!

 


(Klicken für eine vergrößerte Ansicht)


Für eine möglicherweise verbesserte Lesbarkeit gibt es hier auch noch die Textversion:



„Tribal Convictions“ 
"Tribal convictions" vom Sci-Fi-Thrash Meilenstein "Dimension Hatröss" ist einer der großen Klassiker der Bandgeschichte und bedeutete 1988 den Durchbruch für VOIVOD – auch dank des Videos, das MTV in sein Programm aufnahm und damit den Bekanntheitsgrad der Kanadier signifikant vergrößerte. Schneller waren fünf Minuten seither nie wieder vorüber. Ein durchgeknalltes Arrangement, das auf eine bizarre Weise trotzdem catchy war, gekrönt von einem umwerfenden Solo von Riffmeister Piggy. Öffnet Türen in Deinem Kopf, die vorher verschlossen waren. 

„Tornado“ 
Für das dritte Album „Killing Technology“ schluckte die Band erstmals ihre Supervitamine. Die Energie dieser Aufnahmen ist legendär und „Tornado“ macht seinem Namen alle Ehre: ein unbarmherziges und außer Kontrolle geratenes Getöse, das vor allem wegen Piggys dissonanten Gitarrenriffs und Aways geradewegs durch Panzerglas marschierenden Schlagzeugs den Vagusnerv mit Juckpulver traktiert. Dazwischen gibt’s nervöse Breaks und manisches Geschrei, die das Chaos nur noch mehr anheizen. Blutdrucksenker, olé!

„Forlorn“ 
Das zweite und letzte Album der Triobesetzung mit dem Bassisten und Sänger E-Force über einen der beiden Monde des Planeten Mars ist eine apokalyptische Tour de Force mit „Forlorn“ als glühend-intensivem Höhepunkt. Die brachiale Mixtur aus verwehtem Industrial Metal und kauzigem Progressive Rock vertont Einsamkeit und Verzweiflung im Zeichen des Untergangs und geht dabei stets über jede physische und emotionale Schmerzgrenze hinaus. „Forlorn“ ist übrigens der einzige Song dieser Ära, der auch nach der Reunion mit Sänger Snake ab und an den Weg in die Live-Setlist fand. Gewaltig. 

„Post Society“ 
Nach dem Tod ihres Riffmeisters Piggy im Jahr 2005 versackte der VOIVOD auf manch neuem Album im stilistischen Verwaltungsmodus; statt irrwitziger Reisen durch die Galaxis bog man lieber an der Autobahnraststätte Ennepetal ab. Mit „Post society“ und den neuen Crewmitgliedern Chewie (Gitarre) und Rocky (Bass) nahmen unsere Helden wieder direkten Kurs auf Centaurus A: der erfreulich angepunkte Titeltrack fächert Psycho-Breaks wie in allerbesten Zeiten auf und zeigt die Band in funkensprühender Spiellaune mit erstaunlichem Drive. Eine Wiedergeburt. 

„Clouds In My House“ 
„Angel Rat“ war nach Aussage von Schlagzeuger Away das Album, bei dem der Band der Wille zu „härter, lauter, schneller“ fehlte. Stattdessen zeigten sich VOIVOD melancholisch und introvertiert – und stießen die nach dem erfolgreichen Vorgänger „Nothingface“ angefütterte Fangemeinde vor den Kopf. Stilistisch steht „Clouds in my house“ zwischen Wave-Geflacker, sprödem Prog und dem „Anything Goes“-Vibe der frühen 1990er Jahre selbst für ihre Verhältnisse auf sehr ambivalentem Terrain. Warum der Song auf MTV’s „120 Minutes“ nicht durch die Decke ging, versteht kein Mensch.

„Into My Hypercube“ 
Völlig gleich, was uns in den letzten dreißig Jahren an neuen Trends und Extremen aufgetischt wurde, das Durchgeknallte, Knallbunte, Exzentrische, das Emotionale und Verletzliche, das Progressive und das Reaktionäre, ein zweites „Nothingface“ war nicht dabei. „Into my hypercube“ steht etwas im Schatten der Klassiker „The unknown knows“ und dem PINK FLOYD-Cover „Astronomy domine“, aber wer könnte dieses unvergleichliche Amalgam aus subtiler Punk-Aura und softer Fliegenpilz-Psychedelik je wieder vergessen, wenn es nur einmal die Blut-Hirn-Schranke passiert hat? 

„Jack Luminous“ 
Der Versuch, den VOIVOD-Sound über wildes Namedropping zu decodieren, wird spätestens nach den 17 Minuten von „Jack luminous“ zu einem traurigen Häufchen Asche zerbröselt. Jeder Vergleich wirkt trivial, jedes Bemühen, den Code dieser Wahnsinnigen zu knacken, endet zwangsweise am Boden existenzieller Unzulänglichkeit. „Jack luminous“ ist in der Bündelung aller Wahrzeichen dieser Band der Urknall ihres Universums, die Stunde Null des VOIVOD. Wer den endgültigen Beweis dafür haben möchte, dass die Oberstübchen dieser Typen einfach anders verdrahtet sind, wird ihn hier finden. 

„Cosmic Conspiracy“ 
Der Alternative-Industrial-Tanzflächenfeger „Nanoman“ vom selben Album „Negatron“ wäre die offensichtlichere Wahl gewesen, aber wir müssen über „Cosmic conspiracy“ sprechen - vor allem über die auf dem 2000er Livealbum „Lives“ veröffentlichte Version. Intensiver hat sich der VOIVOD trotz des etwas besseren Bootlegsounds nie wieder in den Orbit geschossen. Vor allem das Break zur Songmitte und das folgende so simple wie alles zersägende Mega-Riff zeigen, welche Energie diese Besetzung auf der Bühne entfesseln konnte. Die drei Typen machten Krach für zehn. Eine Naturgewalt.

„Nuclear War“ 
Wo wir gerade bei „Lives“ waren, bleiben wir für „Nuclear war“ gleich hier. Ursprünglich auf dem 1984er Debut „War And Pain“ erschienen, bekommt das holpernde Stakkato-Geprügel des Erstlings in der Liverversion mit Sänger/Bassist E-Forst seine definitive (wenn auch leicht gekürzte) Ausbaustufe. Das militärisch stampfende Monster klingt mit der gurgelnden Stimme des neuen Frontmanns bedrohlicher und beklemmender als je zuvor, während Piggy Töne aus seiner Gitarre herausholt, die er ganz offensichtlich per Standleitung von einem anderen Planeten herübergebeamt hat. 

„Fix My Heart“ 
Der Opener des 1993 erschienenen Wunderwerks „The Outer Limits“ steht stellvertretend für einen weiteren Entwicklungsschritt der Band, die selbst nach den energieraubenden Metamorphosen der vorangegangenen drei Alben immer noch nicht müde wurde, nochmal einen draufzusetzen. VOIVOD zeigten sich insgesamt rockiger, ihr Sound schien durchlässiger für einen optimistischen Swing zu sein, die Grooves saßen lockerer, ohne dabei ihren legendären Drive einzubüßen. Ein besserer Beleg als das atemberaubend perlende Hauptriff von „Fix my heart“ wird sich nicht finden lassen.  

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(Mit freundlicher Genehmigung der Ox-Redaktion)

07.08.2022

VOIVOD - FORGOTTEN IN SPACE (Vinyl Box Set Video Review)

Beinahe fünf Monate Blog-Pause sind selbst für meine Wenigkeit ein starkes Stück. Es gibt Gründe - aber um offen zu sein: ich bin zu müde, um sie zunächst in Gedanken und anschließend Schrift nochmal Revue passieren zu lassen. Kommt Zeit, kommt irgendwas. Vielleicht aber auch nicht. 

Ich habe indes nach reiflicher Überlegung, und wer mich kennt, weiß, dass "reiflich" die Untertreibung des Jahrhunderts ist, ein Video aufgenommen, in dem ich über das neue Vinyl-Boxset meiner allerliebsten Metalband VOIVOD referiere. Alles, was ich dazu benötigte, waren zwei Liter schwarzen Kaffees, drei frische Unterhosen und ein kleiner Spritzer LSD. 

Ja, es ist viel zu lang. Niemand, wirklich niemand wird diese 32 Minuten durchhalten, ohne vorher sanft und friedlich wegzudämmern. Aber im Prinzip ist das nicht mein Problem. 

Ja, es ist im Hochformat aufgenommen (was subbi dämlich ist). Das ist definitiv mein Problem.

Ja, ich bekomme Selbstschamattacken. Und es wäre furchtbar, wenn ich sie nicht bekäme. 

Und dennoch: all das hält mich trotzdem nicht davon ab, derart full of myself zu sein, es hier zu posten. 

Enjoy!

   



21.03.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 1: Bad Religion - Generator




BAD RELIGION - GENERATOR


Werte Leserschaft, es ist soweit - das Martyrium ist beendet! 

"Generator" ist die Nummer 1. Und das ist es zurecht, na klar. Dennoch...

...bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich mein Leben drauf verwetten tät', und so genau kann ich mich auch wirklich nicht mehr erinnern, es ist schließlich ziemlich exakte 30 Jahre her, aber ich glaube, dass der Titeltrack des im März 1992 erschienenen sechsten Albums für mich tatsächlich das erste gehörte Musikstück der sehr guten Gruppe Bad Religion war. Mein Bruder hatte sich die CD gekauft und es ist vollkommen im Bereich des Möglichen, dass ich, angefixt von meiner Klassenkameradin Nathalie und ihrer auf dem Schulhof herumgezeigten Kopie von "Against The Grain", Dirk anbettelte, mir die CD doch mal bitte auszuleihen. WENN es denn so war, DANN überrascht einen ja gar nichts mehr. "Generator" ist bis heute einer der allerhellsten Songwritingmomente von Gitarrist Brett Gurewitz; und dass da einer, der mit seinen vierzehn Jahren im Frankfurter Westen zwischen Pubertät (Iron Maiden) und Rebellion (Nirvana) auf diese aberwitzige, abgefahrene, alles abholzende und mit äußerst attraktiven Harmonien jonglierende kalifornische Wunderwaffe trifft, die den Hypothalamus mit einem vulkanisch-eruptiven Endorphinblitzkrieg ("Darf man das in diesen Zeiten überhaupt noch sagen?" - Schmidt) traktiert, sofort und ohne Umschweife lichterloh in Flammen steht, ist so überraschend nicht. Will sagen: sollte das wirklich mein Einstieg in ihre Welt gewesen sein, bon - keine weiteren Fragen euer Ehren. Und dennoch...

...kam "Generator" zur Nummer 1 wie "Die Linke" (Poschardt) zum Durchwinken des imperialistischen Kapitalismus oder des kapitalistischen Imperialismus, oder auch: wie kommt Kuhscheiße aufs Dach? Denn strenggenommen hatte ich nie so richtig darüber nachgedacht, was denn nun mein allerliebstes Bad Religion Album ist. Freilich erstelle ich seit nun drei Jahrzehnten geradezu unentwegt, ja geradzu manisch, Bestenlisten in meinem Kopf, und mit der Zeit kommt für jede DIE_LISTE auch immer eine Art Manifestation ins Spiel; wenn sich also die Reihenfolge und damit auch die Nummer 1 mal etabliert haben, dann bete ich ein paar Jahre später dreizehn Rosenkränze und mach' den Deckel drauf - und warte anschließend bräsig-dampfend auf die Gelegenheit, all das so schön über mehrere Schlaganfälle hindurch ausgeknobelte wieder aufzubrechen, umzuschmeißen, neu zu ordnen. Im Falle unserer Helden aus Kalifornien erschien mir das nie als so recht lohnenswert (schreibt's hin wie Oma Meume und macht dann einen halbjährigen Superscheißcountdown auf seinem Blog, völlig klar), was wohl in erster Linie dem bereits mehrfach herbeigeschriebenen Gedanken geschuldet ist, aus dem, was gemeinhin als Klassikerkanon ihrer Diskografie gilt, schlicht keine Reihenfolge stricken zu können (schreibt's hin wie Doofie Doofmann und macht dann einen halbjährigen Superschei...hmnja). Und dennoch...

...steht, liegt und tänzelt "Generator" nun am Platz an der Sonne, und die Frage, ob ich denn mit dem Küren des Erstkontakts nur wieder einmal die einfachste, anschmiegsamste und offensichtlichste Option wählte, hängt mal wieder quer im Raum herum. Die absolut endgültige Antwort lautet: vielleicht! Auf "Generator" stehen andererseits mit seinen insgesamt gerade mal elf Tracks (Trivialwissen von mir für mich: auf keinem anderen ihrer Alben stehen weniger) die meisten Lieblingssongs, allen voran "Only Entertainment": sowohl textlich als auch musikalisch vielleicht das Beste, was die Band jemals geschrieben hat. Es gab über Jahre, ach was: Jahrzehnte kein Mixtape, auf dem sich nicht irgendwo "Only Entertainment" tummeln sollte. Auf der Bad Religion-Nerdseite thebrpages.net findet sich folgende (mögliche) Interpretation des Texts, die mir sehr passend zu sein scheint:

Forms of media that inform us of worldly events such as 'The News', newspapers and now the electronic form of news; 'e-papers' are what this song is based upon. The organizations that produce these forms of media pick and choose what they feel is what people want to see. They create a window of our world where we see what they want us to see. Thus, this is not reality but only what the media chooses to show, that will draw the most ratings and therefore make them the most income. Two important lines that show this are 'a medium upon which you build reality' and 'they've planted the seed, that sprouts into your picture of the world.' Furthermore, this 'news' we see everyday becomes less about the real world and the important issues at hand but more of a form of entertainment. This is why people are intrigued to see the pain and suffering of third world countries or the deaths of war then to actually be educated on the causes of this pain and suffering or war. Another important point made in this song is seen in the line 'they control two worlds, power and disease, and you cannot suppress your curiosity.' This line shows that it is only power (major corporations, US government, war updates) and disease (hunger, famine, outbreaks of disease) that the media portray of our world as thus control what we can see and interpret of that specific situation, but this is what we are curious to see because all this is only entertainment."

Und wo wir gerade bei Lieblingssongs sind: mit "Fertile Crescent" steht mein liebster "vergessener/untergegangener/unterbewerteter" Bad Religion Song ebenfalls auf "Generator", neben "Chimaera" der einzige Track des Albums, der tatsächlich noch nie live gespielt wurde. Und was ich beim leicht verschnarcht wirkenden "Chimaera" noch so ein kleines bisschen verstehen kann, ist das vermutlich unter den Eindrücken des zweiten Golfkriegs von Papa Bush entstandene "Fertile Crescent" mit seiner genialen Gitarren-Hookline und klassischem Drive eine echte Sternstunde, die es endlich einmal auf die Bühne schaffen sollte. 

Und sonst? Nur Hits. Übermenschliche Hits. Es lohnt nicht, die Songs alle aufzählen, das ist im Prinzip eh alles 11/10. Aber hier, komm  einer noch: "Heaven Is Falling", ebenfalls aus Gurewitz' spitzer Feder, hat diesen Kniff, unter das Highspeed-Getrümmer dieses feine, akzentuierte Riff zu schummeln, mit all seiner offenen Dissonanz und funkelnden Zwischen-, Ober- und Untertönen. Und wenn man es erkannt hat, schreit man hysterisch. Vor Freude. Und Pardon, aber: das kann so kein anderer. 

Und all das kann auch keine andere Band. Selbst wenn ich in den letzten Einträgen manches Mal den Eindruck erweckt haben könnte, nicht so irre glücklich mit dieser "Worst To Best"-Serie zu sein, 's is' ja eh alles Koketterie und Drama, Chérie! - Dieser (unendlich lange und sich unfassbar ziehende) Streifzug durch ihre Diskografie war ganz entgegen früherer Einlassungen äußerst gewinnbringend. Wie bei jeder besonderen Serie über ganz besondere Bands auf diesem Blog, wie damals bei King's X, Warrior Soul, Skyclad oder auch Tribe After Tribe, schließe ich nach der detaillierten Auseinandersetzung und innigen Umarmung das Kapitel jedes Mal mit der Gewissheit, diese eine spezielle Saite angeschlagen zu haben, die mein Herz zunächst vibrieren und erzittern und anschließend schmelzen lässt. Ich bin hinterher immer schlauer und auch irgendwie noch verliebter als vorher. 

Mehr kann ich ich mir nicht wünschen. 

"They're one of the best. They're still one of the best." (Noel Gallagher, Zitat ähnlich)


 


Erschienen auf Epitaph, 1992.

13.03.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 2: Bad Religion - Recipe For Hate




BAD RELIGION - RECIPE FOR HATE


Grundgütiger, das muss die ödeste und zäheste Serie aller Zeiten auf diesem Blog sein. Und es ist ja auch nicht so, als hätte ich das nicht alles schon gewusst. In meiner vor knapp 13 Jahren erschienenen Rezension von "Recipe For Hate" - und ja, damit kommt's wirklich noch dicker, denn jetzt wird's zu allem eh schon existierenden Übel auch noch redundant - eröffnete ich den Text mit dem Satz:

"Über Bad Religion Platten zu schreiben, mag auf den ersten Blick weder sonderlich originell noch anderweitig gewinnbringend sein."

...und hier sind wir dann jetzt - und ich darf hinzufügen, dass selbst der zweite und dritte Blick daran nichts Wesentliches ändern. Der jüngere Flohihaan hatte ganz offensichtlich noch ein paar brennende Kerzen auf der Torte, heute schwimmt der Kompass für Stil und Relevanz in abgesenkten und brackigen Hirnwasser der Verzweiflung herum. Pi-Pa-Peinlich. 

An meinen Ansichten zu "Recipe For Hate" hat sich seitdem indes wenig geändert; im Grunde ist jedes Wort aus dem Jahr 2009 auch heute noch richtig, sieht man mal von der Verwendung des Deppenworts "massiv" ab. Das gibt Abzüge in der B-Note. 

""Recipe For Hate" ist ein Kind seiner Zeit, was man der Platte mit etwas Abstand geradewegs beeindruckend schnell anhören kann. Vor allem hinsichtlich der Produktion fällt eine zeitliche Zuordnung gar nicht so schwer: die Gitarren dick wie Sirup und verschwommen vor sich hin blubbernd, mit einem Weichzeichner in die Breite gedrückt und mit Feedback in Bob Mould-Sphären schwebend, eine extrem räumlich klingende, massiv im Vordergrund stehende Stimme Greg Graffins und insgesamt eine Soundästhetik, die zur Krönung in 1992er Alternative Rock-Gold getaucht wurde. So klangen Bad Religion nie wieder. Für meine Begriffe ist das klangliche Experiment geglückt und zu meiner großen Überraschung ist "Recipe For Hate" bei Weitem nicht so schlecht gealtert, wie es vielen anderen Alben aus den neunziger Jahren passiert ist. 

Auch das Songwriting stellt eine Zäsur zwischen den früheren Klassikern und dem Spätwerk dar. Zum einen gaben sich Bad Religion experimentierfreudig wie nie, öffneten ihren Sound passend zur Hochzeit Seattles für Grunge-Elemente ("Struck A Nerve"), ließen fast schon progressive Strukturen erkennen ("All Good Soldiers") und wagten sich für "Man With A Mission" gar auf Folk und Country-Terrain. Zum anderen klangen selbst die eher klassischen Uptempobrecher wie "Skyscraper" oder der fantastische Titelsong zwar immer noch klar nach Bad Religion, präsentierten sich aber viel durchdachter, gereifter, vielleicht auch abgeklärter. Es war plötzlich nahezu unmöglich, dass einer dieser Tracks auf einem der Vorgängeralben hätte stehen können, allerhöchstens "My Poor Friend Me" erweckt den gefühlten Anschein, ein Überbleibsel der "Generator"-Sessions zu sein. So positioniert sich "Recipe For Hate" rückblickend als (experimentelles) Bindeglied zwischen dem schnellen, unbekümmerten Punkrock eines "Against The Grain" und den späteren, kontrollierteren Alben wie "Stranger Than Fiction" oder "The Gray Race" und ist dennoch viel mehr als das."

Dass ich zwar einerseits die "Hochzeit Seattles" und "Grunge" erwähnte, andererseits aber ausließ, die Beteiligung von Pearl Jams Eddie Vedder an "Recipe For Hate" herauszustellen, dessen Beitrag zur Strophe von "Watch It Die" nebst Backingvocals für den Hit "American Jesus" ja durchaus meine Alternative-These noch weiter hätte stützen können, erscheint einigermaßen balla-balla. Ich reiche das hiermit mit einer nur winzig kleinen Verzögerung von beinahe eineinhalb Dekaden nach. 

Am Ende ist meine tief empfundene Liebe zu "Recipe For Hate" keine Überraschung mehr. Ich bin erstens ein Kind des Grunge und des Alternative Rocks und ich spüre zweitens seit über dreißig Jahren eine große Verbundenheit mit Bad Religion. "Recipe For Hate" verbindet diese beiden DNA-Stränge miteinander. Zudem sah ich die Band im Sommer 1993 erstmals live in der Hugenottenhalle in Neu-Isenburg, und auch wenn ich mir darüber im Klaren bin, dieses Erlebnis schon mehrfach auf meinen dreikommaviernull Quadratmetern verwertet zu haben, tu ich's schon wieder: es war eines der beeindruckendsten Konzerterlebnisse meines Lebens. Ich habe seitdem nie wieder so viele Menschen auf einem Haufen derart ausrasten sehen und es ist _WIRKLICH_ keine Übertreibung, wenn ich sage, dass es im gesamten Zuschauerraum kein einziges Fleckchen gab, auf dem keine Körperteile durch die Luft wirbelten. 

Das im obigen Foto herumhängende T-Shirt stammt von jenem Montagabend, dem 5.Juli 1993. Es kostete 10 Mark. Und es wird mich für immer an diesen so besonderen Moment in meinem Leben erinnern.


   


Erschienen auf Epitaph, 1993.



27.02.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 3: Bad Religion - No Control




BAD RELIGION - NO CONTROL

Ich kaufte die CD von "No Control" im Spätsommer 1993 in einem kleinen Plattenladen in Weil am Rhein, zwischen einem Rollkunstlaufwettbewerb, just einsetzender Pubertät und in Davidoff "Zino" getauchten Karohemden, zusammen mit der CD-Single von Nirvanas "Heart-Shaped Box" (mit dem fantastischen "Marigold" auf der B-Seite und außerdem einen großen "In Utero"-Aufkleber; Trivia von mir für Dich, bitte, danke.). Es war damit auch die letzte Platte der fünf bis zu diesem Zeitpunkt erschienenen Alben zwischen "Suffer" und "Recipe For Hate", die ich mir nach ihrem Re-Start im Jahr 1988 als Tonträger kaufte. "No Control" war also ein Spätzünder im Hause Dreikommaviernull - aber das lag an meinem sehr, sehr kleinen Schüler-Portemonnaie und nicht etwa daran, dass mir mein von meinem Bruder aufgenommenes und mittlerweile recht ausgemergeltes Tape von einer Auseinandersetzung mit dem Album abriet. Tatsächlich besuchte ich ein paar Monate vorher mein erstes Bad Religion-Konzert in der Hugenottenhalle in Neu-Isenburg und das geriet wie an anderer Stelle bereits erwähnt derart eindrücklich, dass ich in den kommenden Jahren den Autopiloten einschalten sollte und also alles kaufte, was ich in die Finger bekam. Sogar völlig beschissen klingende Bootleg-CDs waren nicht mehr vor mir sicher. Ich stand förmlich in Flammen. 

"No Control" konnte den Brand nicht löschen. Auch wenn ich anerkenne, dass sowohl die stilistischen als auch qualitativen Unterschiede zwischen "Suffer", "Against The Grain" und "No Control" verschwindend gering ausfallen, trifft das 1989 erschienene Album den so oft zitierten Sweet Spot.

"Suffer" lebte vielleicht nicht in erster Linie, aber zu einem guten Stück von der Sensation des Neuen und hatte bei aller juveniler Energie noch ein paar Bremsklötzer zwischen die Songs gelegt, "Against The Grain" zeichnete dagegen erste zaghafte Linien in Richtung Souveränität und - zugegeben: Redundanz. "No Control" platziert sich exakt dazwischen: ihr berüchtigter Drive zeigt sich hier in voller, wilder Blüte, das Songwriting ist flüssiger und sicherer als noch auf "Suffer", die ganze Band schien selbstbewusster und konnte so das Tempo und zugleich die melodischen Elemente nochmals nach oben schrauben; ganz besonders offensichtlich wird das in den mehrstimmigen Gesangsarrangements. Im Ergebnis präsentiert sich "No Control" mit großer Lockerheit und mühelosem Swing und wirkt dabei gleichzeitig schärfer und eindringlicher als der Vorgänger und Nachfolger. 

Wer alleine nach dem furiosen Einstiegstrio mit "Change Of Ideas", "Big Bang" und dem Titelsong noch ohne Blutdrucksenker auskommt, lässt sich auch bei OBI die Haare schneiden.


   


Erschienen auf Epitaph, 1989.

19.02.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 4: Bad Religion - Stranger Than Fiction


BAD RELIGION - STRANGER THAN FICTION


"Stranger Than Fiction" ist der Soundtrack meiner Adoleszenz, die (Spät)Sommerplatte des Jahres 1994 und mit den im gleichen Jahr erschienenen Alben Fates Warnings ("Inside Out"), Vicious Rumors' ("Word Of Mouth") und natürlich "Superunknown" von Soundgarden einer der absoluten Meilensteine meiner musikalischen Laufbahn. Für immer in meinem Herzen. Und sowas ist auf Platz 4, lol.

Dabei habe ich immer noch das Geflenne der wahren, echten Punkrocker im Ohr: Ausverkauf! Verrat! Kapitalistenschweine! "Stranger Than Fiction" war das erste Album Bad Religions auf einem Major Label, und die Basis schäumte vor Wut. Und sie musste ja sowieso schon einiges aushalten, die Basis: "Dookie" und "Smash" spülten den Punkrock im Sommer 94 mit harmlosem Tralala- und Schalala in den Mainstream und in der Folge tat der Kapitalismus eben das, was der Kapitalismus eben so tut - er saugt noch den absolut letzten Tropfen Idealismus aus einer Jugendbewegung, korrumpiert und schießt damit eine gesamte Szene über den ganzen verfickten Haufen. Ein paar Jahre später spielen Punkbands auf von Megakonzernen gesponserten Megafestivals mit all ihrem strukturellen Megarassismus, all ihrer strukturellen Megamisogynie, all ihrem strukturellen Kniefall vor dem Kapital und lassen sich für Werbung für Energydrinks und Rucksäcken einspannen. Inhalte, Schmihalte - Mund auf, hier kommt die nächste Ladung Bullshit. Und immer schön schlucken. 

Auch Bad Religion haben dieses Spiel mitgemacht und es wäre heuchlerisch, hier nur auf den ach so verdammten Mainstream einzuprügeln und die vermeintliche integre Heldencombo um den feinen Herrn Professor und den Label-Millionär im schön verklärten Weichzeichner den Freifahrtschein auszustellen. Es wäre aber auch so verdammt leicht. Und leicht haben sie's einem schon auch gemacht, beispielsweise als die Band 2010 auf irgendeiner Werbescheiße der Deutschen Telekom oder T-Mobile oder - ach, scheißrein, 's eh schon alles egal: gleich mehrfach bei den Rock Am Ring- und Rock Im Park-Shitshows spielten; da war das von Gitarrist Brian Baker aufgetragene Burzum-Shirt ja wohl mal die voll geile Provokation, Alter! Punkrock!     

Propagandhi sangen über "sowas" in ihrem Song "Rock For Sustainable Capitalism" auf dem 2005 erschienenen Wunderwerk "Potemkin City Limits":

I fuckin’ love that one rock video where that fucking jack-ass mohawked millionaire prances around by far the worst sausage party on earth, where by mere chance he’s caught on film shaking hands with an incredibly diverse collection of patriotic skins. I like the message it sends: With a Rebel™ yell, Just Do Exactly What You’re Told. One million douche bags can’t be wrong? “When did punk rock become so safe?” You’ll excuse me if I laugh in your face as I itemize your receipts and PowerPoint your balance sheets. I hear this year’s Vans Warped Tour is “going green!” I guess they heard that money grows on trees. Hope they ship all those shitty bands overseas like they did the factories. Music’s power to describe, compel, renew … It’s all a distant second to the offers you can’t refuse. Anyone remember when we used to believe that music was a sacred place and not some fucking bank machine? Not something you just bought and sold? How could we have been so naïve? Well, I think when all is said and done, just cuz we were young doesn’t mean we were wrong. And I’ll rock back and forth on this two-bit hobbyhorse ’til she splinters and gives way. I’ll tend the flowers by her grave. And whisper her name. If anyone out there understands can I please see a show of hands just so I know I’m not insane? Ever get the feeling you been played? Well, that’s rock for sustainable capitalism and you know, we may face a scorched and lifeless earth, but they’re accountable to their shareholders first. That’s how the world works.


 


Und ich habe jetzt schon wieder einen Riesenhals, das "Worst To Best" Feature nicht mit den ganzen tollen Propagandhi-Platten gemacht zu haben, anstelle des so offensichtlichen Bad Religion-Katalogs. Capitalism fooled my once again. Fucking Hell. 


Und wenn ich jetzt noch schreiben tät, dass "Stranger Than Fiction" trotz dieses ganzen Irrsinns eines der allerbesten Bad Religion-Alben ist, säße ich wohl noch tiefer in der angerichteten Scheiße. Als dann, mit dem Kopf voraus, 's kann eh nicht viel kaputtgehen: "Stranger Than Fiction" ist eines der allerbesten Bad Religion-Alben. 

Selbst wenn die Band leider darauf verzichtete, die auf dem Vorgänger "Recipe For Hate" sehr zaghaft installierten Experimente weiterzuführen (wahrscheinlich als Statement, um DIE_BASIS ein wenig zu besänftigen; very punkrock, huh?!) und stattdessen mit furios perlendem Punk direkt ins Fegefeuer der Majorlabels zu pinkeln, lassen sich auf "Stranger Than Fiction" mit maximal zwei Ausnahmen nur Hochkaräter finden. Polierte Hochkaräter, meinetwegen. Aber eben doch herausragende Songs wie den philosophischen Titelsong, dem zornigen "Leave Mine To Me", dem rasenden "Marked" oder "Inner Logic", für den der an der Schwelle zur Volljährigkeit stehende Flori den CD-Player für einige Wochen auf Endlosschleife programmierte. Vor allem das zum Ende gesungene Mantra mit der Textzeile "no equality, no opportunity, no tolerance for the progressive alternative" in Verbindung mit dem Refrain "there is an inner logic, and we're taught to stay far from it. It is simple and elegant, but it's cruel and antithetic. And there's no effort to reveal it" war ein echter Augenöffner in Bezug auf Engstirnigkeit und ritualisierter Reflexe von Politik, Medien und der eigenen Umwelt. 

Zum Schluss noch das Offensichtliche: natürlich sind Bad Religion nicht Green Day. Natürlich singen sie nicht über Masturbation und Liebesbeziehungen (zumindest nicht auf _dieser_ Platte). Natürlich sind die beiden Texter Graffin und Gurewitz viel zu schlau, um nicht zu verstehen, welchen Anteil ihre eigenen Aktionen am Zustand der Welt haben. Wenn sich in den 40 Jahren Bandkarriere eines aus ihren Texten immer und immer wieder herauslesen lässt, dann ist es der eigene Kampf mit jener Ambivalenz, diesem Spannungsgefühl aus eigener Verantwortung und dem drohenden Untergang. Einerseits Autoritäten in Frage zu stellen und gleichzeitig die alleinige Autorität für das eigene Handeln und Leben zu sein. Einerseits Selbstbestimmung, andererseits systemischer Zwang. 

Der Kabarettist Georg Schramm sagte in seiner Paraderolle des Lothar Dombrowski in Bezug auf die Irrungen des Kapitalismus einmal folgende Worte, die mir in diesem Zusammenhang als sehr passend erscheinen:

"Und glauben Sie ja nicht, da ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Im Gegenteil. Das Schiff ist auf Kurs. Es ist aber nicht unser Kurs. Es ist ja auch nicht unser Schiff."


 


Erschienen auf Atlantic Records, 1994.



29.01.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 5: Bad Religion - The Gray Race




BAD RELIGION - THE GRAY RACE


Ich kenne all das Gerede. Der mit dem Vorgänger "Stranger Than Fiction" begonnene Majorlabel-Ausverkauf geht mit "The Gray Race" in die zweite Runde, noch mehr Kommerz, noch mehr Bigotterie, und von wem jetzt eigentlich GENAU weiß ja kein Mensch, noch mehr Pop. Dazu: alles zu langsam, alles zu gewöhnlich, alles zu melodisch. UND ALLES NUR WEGEN DEM SCHEISS GELD! DAS GELD, DAS GELD, DAS GELD! DIESE SCHWEINE! 

Bevor nun der kleine Schlaganfall an die Tür klopft, ich kann den Schwachsinn einfach nicht mehr hören, wechseln wir schnell das Thema: "The Gray Race" war in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre so manches Mal ein Lebensretter. Es ist vielleicht das melancholischste Werk Bad Religions - und ich war melancholisch im Winter/Frühjahr 1996. Keine Dramaqueen, ich trug das nicht unbedingt ins Außen - aber die innere Ziellosigkeit, das Gefühl alleine zu sein und nirgends so richtig dazuzugehören, dieses graue Grundrauschen, die Angst vor schulischem Versagen und die sich daraus entwickelnde Enttäuschung trafen zeitgleich auf Musik und Texte, die sich selbst ein paar Jahre nach Grunge und Alternative Rock-Hype und im Weichzeichner der neunziger Jahre noch immer nach dem Aufbruch in eine neue Ära anfühlten. Es gab tatsächlich Euphorie in all dem Gefühlschaos eines viel zu spät pubertierenden Idioten aus Frankfurt. Und Bad Religion waren Identifikationsfiguren; ihre Musik half mir bei der Selbstfindung und der Orientierung, ihre Texte weckten den intellektuellen Geist, das Interesse am Politischen, die Lust am Philosophischen, die Begeisterung, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen. Sie halfen mir dabei, mich selbst und die Welt um mich herum zu verstehen. 

Natürlich lässt es sich nicht leugnen, dass die Musik auf "The Gray Race" im Gesamtbild nochmal ein paar Ecken und Kanten verloren hat. Das liegt in erster Linie an einer sensationell ausgewogenen Produktion, die es darüber hinaus aber gleichfalls schafft, die Songs in gräulich schimmernder Melancholie einzukapseln. Greg Graffins leicht abgedunkelt wirkende und angeraute Stimme klang noch nie so gut wie hier, und seine Texte wie in "Parallel" (auch musikalisch eines der herausragenden Stücke ihrer Diskografie, fight me!), die einerseits vom bevorstehenden Untergang, andererseits von Gemeinschaft und Verbindung erzählten, prägen mich bis heute. Wie sollten sie auch nicht - die Themen sind heute aktueller denn je. 

Was ich aber eigentlich sagen wollte: wenn es eine Band schafft, derart makellose, zu gleichen Teilen mitreißende wie nachdenkliche Songs zu schreiben, können sie es meinethalben bis zur totalen Durchsichtigkeit polieren. Diese Songs sind unkaputtbar.


   



Erschienen auf Sony Music, 1996.

22.01.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 6: Bad Religion - Against The Grain




BAD RELIGION - AGAINST THE GRAIN


Es schmerzt, eine Platte wie "Against The Grain" auf Platz sechs zu verheizen. Wie "Suffer", "No Control" und "Generator" gehört sie zu jener Riege der frühen Bad Religion-Platten, die mein Denken und mein Leben maßgeblich beeinflussten und veränderten - und sowas sortiert man ja normalerweise eher aufs Treppchen. Und, klar: Ich schreibe das ab jetzt für jedes der (noch) folgenden Alben, keine Bange. Das wird die Hookline. Bis zum Erbrechen wiederholt. Top Of The Pops.

"Against The Grain" war, wie bereits in der Einleitung zu dem ganzen Quatsch ausgeführt, meine allererste Begegnung mit Bad Religion, und noch bevor ich auch nur einen Ton ihrer Musik hörte, war ich fasziniert von diesem Albumcover. Kein Bandname, kein Titel, ich raffte null - aber es hatte dadurch einen mysteriösen Indie/Underground-Vibe, der mich anzog. Und als dann später die Songs es sich in meiner DNA gemütlich machten, war das Paket komplett: Hits, Hits, Hits. Ich kann mich daran erinnern, "Operation Rescue" so oft gehört zu haben, bis es mir eines Tages tatsächlich zum Hals heraus hing - nur um wenige Wochen später den CD-Player erneut auf "Repeat: Song" einzustellen.

Herausragend natürlich der überfallartige Opener "Modern Man", das geniale "Anasthesia" und das vielleicht populärste Stück ihrer ganzen Karriere "21st Century Digital Boy" - aber es gibt wie auf beinahe jeder Platte von Bad Religion auch heimliche Favoriten, die es nie zu ganz großem Ruhm brachten. Auf "Against The Grain" gehört für mich der ungewöhnlich arrangierte Titelsong dazu, der zunächst mit fast militärischem Stakkatoriffing und eingängiger Gitarrenmelodie im Dickicht lauert, bevor die Band in der letzten halben Minute das Riff lockert und damit diesen unnachahmlichen Drive entwickelt. 

Textlich ist "Against The Grain" möglicherweise das ganzheitlichste Bad Religion-Album, das die Ambivalenz zwischen eigener Verantwortung, Lethargie, und dem Zustand der Welt am deutlichsten herausarbeitet und sie letzten Endes mit dem Wesen des Kapitalismus erklärt. Eine Gesellschaft, die Veränderungen fürchtet, obwohl das kollektive Bewusstsein längst die Notwendigkeit eines Wechsels anerkennt, gefangen im Netz aus Indoktrination, ritualisierten Zwangsneurosen, freiwilliger Aufgabe der Selbstbestimmung, Religion und Kapital. Ahnungslos, ignorant und gepeinigt von grandioser  Selbstüberschätzung. Das geht vermutlich uns allen so, für ein Volk jedoch, das sich selbst unentwegt zu einem Teil des "greatest country on earth" hochjazzt, ganz besonders.    

Ich weiß nicht, ob Graffin und Gurewitz auch dreißig Jahre später noch ein ähnlich düsteres Bild vom kommenden Untergang der menschlichen Rasse zeichnen würden. Es hat sich freilich viel verändert, und gar nicht so wenig durchaus zum Positiven. Aber die Wurzel unseres Seins scheint mir immer noch der alte, stinkende, herummodernde Misthaufen zu sein, der unter der Oberfläche fröhlich vor sich hin dampft.       


 


Erschienen auf Epitaph, 1990.

16.01.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 7: Bad Religion - Suffer



BAD RELIGION - SUFFER

Ab hier wird's kriminell. Die folgenden sieben Platten könnte ich im Prinzip auswürfeln und wäre trotzdem mit jeder Reihenfolge d'accord. Jedes Album könnte an manchen (lies: allen) Tagen auf Platz 1 stehen und keines hätte Platz sieben verdient.

Aber sowas kommt eben von sowas: in einer insomniaverseuchten Nacht eine fixe Idee haben, weil plötzlich selbst die ehemals eher als semigeil abgespeicherten Bad Religion-Alben eine ungemeine Attraktivität ausstrahlten und also ungefragt rehabilitiert werden müssen oder so ein Vollquatsch, anschließend vollmundig an seine per Hand ab- und durchgezählten acht Leser und das ganze verdammte Internet verkünden, man werde sich nun in den kommenden Wochen (lol, dass ich immer noch diesen völlig unbegründeten Optimismus mit mir herumtrage, ist DER KNALLER IN TÜTEN! *bumm*) gemeinsam durch die Diskografie Bad Religions kämpfen wollen (lies: müssen), und spätestens bei den ersten/letzten/besten sieben Alben merken, welch totale Scheißidee das war. 

Jetzt sitze ich hier seit Tagen und versuche, eine Reihenfolge für strenggenommen sieben 10/10-Klassiker zu stricken. Total bescheuert. I mean - how the fuck am I supposed to do that? 

Und nicht nur das, es "kommt" ja noch "dicker": wer will denn ernsthaft noch die bazillionste Lobeshymne über "Suffer" oder "Against the Grain" lesen? Ich hatte über die letzten 14 Jahre stets versucht, die ganz offensichtlichen "Everybody's Darlings" von diesem Blog fernzuhalten und jetzt muss ich mich hier echt mit diesem Mumpitz auseinandersetzen? Ich könnt's ja auf die Pandemie schieben oder auf den Dreiklang "Selbsthass, Depression und Langeweile" (Schmidt), das passt immer. Aber dann sitze ich immer noch hier. Und ihr auch. 

Also, sei's drum - "Suffer" hat's nun also getroffen und darf den "undankbaren" (Waldi Hartmann) siebten Platz einheimsen. Ich weiß selbst nicht warum, ich liebe die Platte. Ich habe über volle zwei Jahre niemals das Haus verlassen und und mich auf den Weg zur Schule gemacht, ohne "Suffer" im Walkman gehabt zu haben. Jeden Morgen begrüßte mich Greg Graffin mit "You Are The Government", während ich zur Bushaltestelle lief und mich auf einen weiteren Tag mit mobbenden Vollidioten vorbereitete - und darüber hinaus die Auseinandersetzung mit der eigenen Doofheit verarbeiten musste (Benson & Hedges, Baileys auf Eis, Grave Digger). "Suffer" sagte mir täglich "Du bist zwar doof, aber es gibt Hoffnung!". Das motiviert zwar nicht, aber es spendet Trost. 

Ich machte das Beste daraus, und Bad Religion gaben mir ihr Bestes:

Hey, I don't know if the billions will survive
But I'll believe in God when one and one are five
My moniker is man and I'm rotten to the core
I'll tear down the building just to pass through the door

Schalten Sie auch das nächste Mal wieder ein, wenn es heißt: Oppa erzählt vom Kriech. Bis dahin: viel Glück und gute Besserung.

 



Erschienen auf Epitaph, 1988.

07.01.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 8: Bad Religion - The Empire Strikes First




BAD RELIGION - THE EMPIRE STRIKES FIRST

Mit "The Empire Strikes First" erreichen wir nun den endgültigen Wendepunkt der Diskografie und machen es uns auf der Sonnenseite des Leben als Fan von Bad Religion gemütlich - und ich hätte im Jahr 2004, zumal nach den Bruchlandungen mit "No Substance" und "The New America" im Leben nicht mehr daran geglaubt, ein neues Bad Religion Album mit derartiger Begeisterung zu umarmen.

Manchmal traute ich sogar meinem eigenen Urteil nicht mehr. Warum ausgerechnet diese Platte? In den letzten 25 Jahren hat mich keines ihrer anderen Werke derart gepackt, nicht mal annährend. Liegt's an meinen damaligen Lebensumständen, daran, wie ich sie mir mit einem klitzekleinen Sozialhilfe-Budget erarbeiten und ersparen musste? Liegt es an meinem zu jener Zeit auf dem Höhepunkt angekommenen Zorn gegenüber der imperialistischen US-Amerikanischen Politik unter der Führung des Kriegsverbrechers Dabbelju, der auf "The Empire Strikes First" praktisch mit jedem Songtext vermöbelt wird - und fühlte ich mich deswegen so gut verstanden? Waren die Texte von "Let Them Eat War" oder dem Titeltrack meine Stimme im vermeintlich gerechten Kampf gegen Krieg, Korruption, Religion und Kapitalismus? Und ich frage Sie: warum landet einer, der seit 1998 jeden halbsteif aufgenommenen Superschnarcher dieser Band mit manchmal weit über das Ziel hinausschießender Verve gegen die nächstbeste Wand klatschen möchte, plötzlich mit all den Superschnarchern - und dazu auch noch oft scheißlangen Superschnarchern - auf "The Empire Strikes First" im Bett, nackt, geil, eingerieben in Hamsterfutter und zu allem bereit? 

Immer wieder versuchte ich, all das zu verstehen. Immer wieder musste ich mich fragen, ob ich nicht vielleicht doch falsch lag. Dann lege ich das Album auf und vierzig Minuten später war jedes Mal aufs Neue klar: ich liege immer noch goldrichtig. "The Empire Strikes First" lebt in erster Linie von einem durchgängig hochklassigen Songwriting, das die typischen, oft melancholischen Melodien Greg Graffins mit ihrem klassischen und bis dato verloren geglaubten Drive amalgamiert. So sind sogar die gebremsten Schunkelhits wie "Beyond Electric Dreams" und besonders "Boot Stamping On A Human Face Forever" von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselnd und packend. "God's Love" ist sowohl textlich auch musikalisch mit Leichtigkeit einer meiner absoluten Bad Religion-Lieblingssongs aus den letzten 25 Jahren. Der Sound, wenngleich vor allem im Vergleich mit ihrem Frühwerk bereits unangenehm komprimiert, ist noch nicht derart angedickt wie auf eigentlich allen Nachfolgern und hat immerhin noch einen Lufthauch von Transparenz. 

Für mich ist "The Empire Strikes First" das beste Bad Religion-Album seit dem Erscheinen von "The Gray Race". Angesichts ihrer aktuellen Form täterääät's mich nicht wundern, wenn das wenigstens mittelfristig auch so bleibt.


   


Erschienen auf Epitaph, 2004.

02.01.2022

A Walk in My Atomic Garden - Platz 9: Bad Religion - True North



BAD RELIGION - TRUE NORTH

Bad Religion hatten mich bis zum Jahr 2013 schon derart zermürbt, dass ich ein neues Album nur noch mit einem angedeuteten Schulterzucken quittierte. Wahrscheinlich hörte ich mir den vorab ausgekoppelten Titeltrack nur mit einem Ohr an, verdrehte die Augen und hielt darüber hinaus vor allem eines: Abstand. Aber the pandemic made me do it: ICH HÖR MIR JETZT SELBST DIE SCHEISSPLATTEN AN, IHR FICKER! 

Und dann wurden aus den vermeintlichen Scheißplatten welche, die ich überraschenderweise immer wieder hören wollte. "True North" wurde im ersten Halbjahr 2021 zum Soundtrack der täglichen Spielrunde mit Hund Fabbi, und ganz offenbar fanden wir beide Gefallen an dem Album - und ich muss nur ein ganz kleines bisschen die Einschränkung offenbaren, dass Fabbi mit seinen 17 Jahren im Grunde mittlerweile stocktaub ist. 



Ich kann nicht sagen, dass die Band auf "True North" durchgängig ein glückliches Händchen hatte, vor allem melodisch operiert die Truppe ein wenig zu oft unter ihren früheren Qualitätsstandards. Aber das zumindest in Teilen wiederentdeckte Gespür für ihren alten Drive, der zu gleichen Teilen mühelos wie unerbittlich wirken kann, und der einfach zu dieser Band gehört wie eine zünftige Vergiftung mit süßem Senf zu einem Oktoberfestzelt, macht "True North" in der Rückschau zu einem sehr kurzweiligen und sehr vergnüglichen Bad Religion Album. 

Immerhin das erste seit "The Empire Strikes First" aus dem Jahr 2004, auf dem ich praktisch keinen Totalausfall, dafür aber eine Handvoll wirklich toller Songs finden kann: der Titeltrack gehört zum Besten, was die Band seit ihrer Glanzzeit bis zur Mitte der 1990er Jahre geschrieben hat, "Fuck You" ist mittlerweile ein Klassiker und immer wiederkehrender Bestandteil des Livesets, "Nothing To Dismay" und die Selbstzitatesammlung "The Island" sind herausragendes Bad Religion-Material. Selbst das reichlich albern wirkende "Dharma And The Bomb" ist cool. 

Hätte ich im Prinzip auch schon vor acht Jahren herausfinden können. Manchmal bin ich einfach doof.

   

Erschienen auf Epitaph, 2013.

26.12.2021

A Walk in My Atomic Garden - Platz 10: Bad Religion - The Process Of Belief




BAD RELIGION - THE PROCESS OF BELIEF


"The Process Of Belief" hatte praktisch ab der ersten Sekunde einen schweren Stand. Zum einen spukten "The New America" und vor allem "No Substance" noch ausgesprochen unangenehm im Frontallappen herum und reiherten auf sämtliche meiner blank liegenden Nervenenden, zum anderen befand sich Herr Dreikommaviernull, und das muss man so deutlich sagen, beim Release des Albums im Januar 2002 eigentlich schon auf dem direkten Weg ins Jenseits. Seit einem halben Jahr schluckte ich jeden Tag die Maximaldosis Diclofenac wegen unerklärlicher Rückenschmerzen, schlief kaum noch und wurde zusehends kraftloser und vor allem blasser. Um mich herum wurde das Leben immer trostloser. Es war dunkel im Winter 2002. Zwei Monate später wurde ich mit einem Hämoglobinwert von 3 ins Krankenhaus eingeliefert. Der Krebs war zurück - und die Musik verstummte. Ich ertrug in dieser Zeit praktisch nichts, was auch nur einen kleinen Pieps machte, und die Aussicht, vermeintlich halbsteifen Punkrock aus dem sommerlichen Los Angeles zu hören war aus mehreren Gründen unvorstellbar. 

Jedes Hören von "The Process Of Belief" legt auch zwanzig Jahre später noch den bleischweren Mantel jener Zeit über meine Schultern und zaubert kleine und überaus eklige Erinnerungsblitze aus dem Unterbewusstsein in die Gegenwart. Das Licht im damaligen Haus im Niemandsland zwischen Wiesbaden und Limburg. Der Geruch im Krankenhaus. Selbst dieses halbtote, blutleere Gefühl meines auf dem absolut letzten Rest Notstromenergie dahindämmernden Körpers fährt mir manchmal zurück in die Glieder. Es. Ist. Nicht. Schön. 

Das Album komplett losgelöst von meiner damaligen Existenz zu bewerten, erscheint unmöglich. Ich hielt in den letzten zwanzig Jahren allerdings auch (wenig überraschend) einen gewissen Sicherheitsabstand zu "The Process Of Belief" ein und hatte es in der Diskografie im letzten Drittel einsortiert, wohlwissend, dass viele eingefleischte Fans zum einen die Rückkehr des verlorenen Sohns Mr.Brett, zum anderen die im Vergleich zu "The New America" wiedergefundene Schärfe und Geschwindigkeit feierten. Tatsächlich klingen Bad Religion hier wieder deutlich mehr nach ihrer pre-"No Substance"-Phase: das rasante Einstiegstriple ist sofort ein dickes, mit 300bpm gekritzeltes Entschuldigungsschreiben und auch im weiteren Verlauf war der Fünfer wieder deutlich mehr von der Muße geküsst als zuletzt: "Kyoto Now" hat in Musik und Worten wieder das erfreuliche  Überhangmandat zu dieser unwiderstehlichen Kraft dieser Band, "Epiphany" ist trotz des Abstechers ins bräsige Alternativerock-Abwasser das melodisch stärkste Stück der Platte (und dabei viel besser als das immer noch ziemlich unerträgliche "Broken") und der Rausschmeißer "Bored & Extremely Dangerous" erinnert an typische, leicht gräulich schimmernde und herausragende Abschlusstracks wie "Skyscraper", "Markovian Process" oder "Walk Away". 

Meine Lieblingsplatte wird das alleine aus den eingangs erwähnten Gründen nicht mehr, aber ich kann mich immerhin zu folgenden Urteil hinreißen lassen: das ist eine gute Platte.


   


Erschienen auf Epitaph, 2002.