"Du brauchst mehr Menschlichkeit, Du brauchst Tiere!" (Rudi Carrell zu Harald Schmidt)
Metal wäre noch töter als er sowieso schon ist, gäbe es nicht diese außerordentlich starke Verbindung zwischen Bands und Musikern auf der einen, und ihren Fans auf der anderen Seite. Vielleicht lässt es sich tatsächlich unter der Überschrift "Loyalität" einsortieren, aber ich glaube, selbst das ist nur eine Art Symptom?! Da passiert noch mehr in den tiefer liegenden Schichten, irgendwas psychologisches, irgendeine Schwachstelle im zwischen Hirn und Herz gespannten Verteidigungsnetz, durch die der Eros der Rebellion, die Selbstidentifikation als Außenseiter, die Verlustangst und der irgendwann mal erfahrene Liebesentzug eine Projektionsfläche finden. Egal, wie oft mich Metal und Metalfans in den letzten dreißig Jahren schon an den Rand des Wahnsinns trieben, das Konservative, das Besserwisserische, die Hybris, das Aggressive, Unbedachte, Oberflächliche, Ignorante, die niemals verreckenden Klischees und all das peinliche Szene-Klimbim - ich kam nie davon los. Und irgendwann war mir auch klar, warum nicht: das ist alles ein Teil von mir und es lässt sich nicht einfach so abtrennen, rausschneiden oder weglasern.
Du bekommst den Florian aus dem Metal, aber Du bekommst den Metal nicht aus dem Florian.
Egal, wie oft ich mich über die Jahre musikalisch umorientieren sollte, egal ob sich die Türen zum Jazz, Ambient, Hip Hop, Soul, Funk oder Techno öffneten, mindestens ein halbes Bein blieb immer im Metal. Um das Jahr 2008 herum stand ich beispielsweise knietief in Freejazz und experimenteller elektronischer Musik, durchsuchte Plattenläden nach obskuren Erstpressungen von französischem Jazz, aber als ich sah, dass es mit dem zu gleichen Teilen debil wie charmant betiteltem "Thrash, Speed, Burn" eine neue LP von Exciter gibt, musste ich die ganz selbstverständlich kaufen. So ähnlich lief die Sache auch schon in den stark polarisierenden neunziger Jahren, zumindest in den noch enger gesteckten Grenzen von zeitgenössischer Rockmusik. Ich war Grunge- und Alternative-Fan, war fasziniert von den neuen, frischen Vibes, der Aufbruchstimmung und der zumindest gefühlten neuen Freiheit, aber Stopp: Grave Digger haben ihr mit kalter, abgestandener Kotze randvoll gefülltes Comebackalbum "The Reaper" am Start?! Und sie leben in einem kleinen gallischen Dorf, das sich standhaft gegen die Major-Besatzungsmacht aus Seattle stellt? So echte Außenseiter? Mauerblümchen? Mit Überzeugung gegen den Hype? Irre! Shut Up And Take My Money!
Meine Loyalität zu einer Band wie Flotsam And Jetsam scheint seit fast vierzig Jahren ebenfalls keine Grenzen zu kennen, in guten wie in schlechten Zeiten. Die Band aus Phoenix, Arizona begleitet mich seit meiner Kindheit und gehört sicherlich zu den ersten Speed und Thrash Metal Bands, die ich jemals hörte. Mein Bruder war großer Fan, und die mittlerweile im Metal-Kanon als Klassiker fest verankerten ersten beiden Alben "Doomsday For The Deceiver" (1986) und "No Place For Disgrace" (1988) fanden immer öfter den Weg von seinem Plattenspieler zu meinem. Und als später in den neunziger Jahren wirklich niemand etwas von Metal wissen wollte, wurden Konzertreisen wie jene aus dem Jahr 1997 mit Flotsam And Jetsam, Exciter und Anvil fast schon zu verschwörerischen Treffen für drei Handvoll Eingeweihter, eine echte Schicksalsgemeinschaft. Die Gleichung war in Neunzigern jedenfalls ganz einfach für mich: es gibt ein neues Album von Flotsam And Jetsam, dann kaufe ich auch das neue Album von Flotsam And Jetsam. Da hat der Tag Struktur. Bis er das zu Beginn der nuller Jahre eben nicht mehr hatte, denn Flotsam And Jetsam wurden neben anderen Bands zum Kollateralschaden meiner Emanzipation vom Heavy Metal. Zwar war ich immer noch ganz gut über neue Alben und Tourneen informiert, aber ich nahm einen Sicherheitsabstand ein. Daran hat sich bis heute, zumindest hinsichtlich ihrer neuen Platten, wenig geändert, denn die sind mit ihrer Mischung aus synthetischem True Metal-Overdrive mit übermelodischen Kinderliedrefrains ohne einen Hauch von Dynamik durch die Bank unerträglich. Live hingegen hat ihr seit Ewigkeiten gesetzter Setlist-Fokus auf ihre beiden Klassiker aus den 1980er Jahren und dem damit verbundenen Kniefall vor den Ü50-Kuttenopas, die doch bitt'schön nicht in ihrer Nostalgie-Hypnose gestört werden wollen, etwas sehr unschön Verzweifeltes. Die Band betonte in den vergangenen Jahren immer wieder, wie sehr sie es endlich mal auf das Level von Bands wie Testament oder Death Angel schaffen wollen, aber leider nimmt ihnen der Einsatz der Kitsch-Brechstange jede Lockerheit und blöderweise auch ein gutes Stück ihrer Glaubwürdigkeit.
Ich sage das in vollem Bewusstsein darüber, dass auch in den neunziger Jahren eine exzessiv geführte Glaubwürdigkeitsdebatte entbrannte. Eine durch und durch granatenbescheuerte zwar, aber immerhin wurde noch diskutiert, heute praktisch unvorstellbar. Denn wer damals in Verdacht geriet, sich der Trendreiterei schuldig zu machen, wurde ausgeschlossen. Wer in Verdacht geriet, sich mit fremden Federn zu schmücken, wurde ausgeschlossen. Wer sich dem Verdacht aussetzte, ein bisschen zu deutlich auf den Cashflow, den eigenen zumal, zu schielen, wurde ausgeschlossen. Rigoros und nachhaltig. Eine Rückkehr war zwar möglich, aber sie kostete viel Zeit, Geld und ein stets öffentlich geäußertes Bedauern über die vermeintlichen Fehlentscheidungen von früher. Man war halt "young, dumb and full of cum" (Maher), jetzt hat man aber glücklicherweise den Weg zurück in die Arme des wahren, echten, schönen Heavy Metals gefunden. Da wollen wir nochmal ein Auge zudrücken.
Nun waren Metallica spätestens ab 1986 die strahlenden Vorbilder der gesamtem Metalszene, der Gold-Standard. Was in ihrem Camp passierte, entfachte stets eine immense Sogwirkung; ihre bahnbrechenden Entscheidungen hinsichtlich ihres Sounds, ihrer Attitüde, ihres Songwritings in Verbindung mit dem so überwältigenden wie überraschenden Erfolg wurden mit kleinem zeitlichen Versatz von tausenden Metalbands über Jahre hinweg kopiert. Als Metallica mit der Veröffentlichung des schwarzen Albums 1991 endgültig den Mainstream knackten und mit kompakten Rocksongs und emotionalen Balladen zum globalen Phänomen avancierten, machte sich die Konkurrenz aus ihrer Generation für den Windschatten bereit. Testament versuchten es mit "The Ritual", Megadeth, dank Dave Mustaines pathologischer Daddy-Issues zu James Hetfield so oder so schon vorbelastet, warfen "Countdown To Extinction" in den Ring, Anthrax zogen 1993 mit "Sound Of White Noise" nach, Annihilator schüttelten ein sehr fluffiges "Set The World On Fire" aus dem Ärmel, Xentrix wollten mit "Kin" mitspielen - und Nuclear Assault erlitten mit "Something Wicked" eine völlige Bruchlandung. Und wo wir schon beim Katastrophentourismus angekommen sind, darf ich der Vollständigkeit halber mit "Force Of Habit" von Exodus die vielleicht schlimmste Kernschmelze dieses Haufens erwähnen; eine Platte, die im Kontext stilistisch etwas aus dem Rahmen fallen mag, aber immerhin mit einen ähnlichen Motivationsvektor ins Rennen ging. Für die Zusammenfassung notieren wir uns, dass nicht jeder aus der alten Riege die Fähigkeiten und den Mut hatte, um die von Metallica gepflanzten Inspirationen auch umzusetzen. Für die Szene wär's ohnehin egal gewesen, denn absolut niemand überstand diese Karrierephase unbeschadet. Sie rutschten alle ab.
Flotsam And Jetsam veröffentlichten 1992 mit "Cuatro" ihre Version des schwarzen Albums. Das ist nicht sonderlich originell, aber wie alle Labels waren auch MCA Records darauf aus, "ihre" Metallica zu finden, und ihre Investition von einer schlappen Million Dollar sollte sich gefälligst auszahlen. Also wurde nichts dem Zufall überlassen. Als Produzent wurde Neil Kernon ans Mischpult gerollt, ein Mann, der sich bis dahin in erster Linie mit Arbeiten für Hardrock/AOR Bands wie Dokken einen Namen machen konnte (eine weitere Parallele zu Metallicas Zusammenarbeit mit Bob Rock und dessen Beteiligung an Alben von Bon Jovi und Mötley Crue). Zusätzlich lagerten Flotsam And Jetsam das Schreiben der Texte an das "sechste Bandmitglied" Eric Braverman aus - und nicht nur das: MCA Records wollten außerdem mit einem Link zwischen "Cuatro" und einem Protagonisten des Seattle-Hypes protzen und ließen keinen geringeren als Chris Cornell den Text für "The Message" schreiben. Und bitte - "Guys! We need a single!"
Für meinen Geschmack war "Cuatro" nicht nur besser als die Mehrheit der erwähnten Nachzügler, sondern auch besser als das große Vorbild. Bitte den Defibrillator wieder einpacken und die Herz-OP absagen: wir müssen nicht darüber sprechen, welche Band die Welt verändern sollte (Spoiler: es waren nicht Flotsam And Jetsam). Und wir müssen auch nicht darüber sprechen, warum es damals wie heute gute Gründe dafür gibt, warum "Metallica" zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Alben aller Zeit zählt, während "Cuatro" nie über den Status eines Geheimtipps hinauskam. Knappe 35 Jahre nach der Veröffentlichung reicht es vermutlich nicht mal mehr dafür, nicht zuletzt, weil die Band ihre rockigere neunziger Periode längst dem Mob aus Kuttenadolfs geopfert hat und mithin komplett ignoriert. Dabei wissen die Kennerin und der Kenner: 90er Flotsams sind die besten Flotsams!
Die Speed- und Thrash Metal Anteile ihres früheren Sounds haben sich auf "Cuatro" bis auf einige wenige Passagen, beispielsweise im Opener "Natural Enemies" oder in "Hyperdermic Midnight Snack", nahezu vollständig in Luft aufgelöst, stattdessen fokussiert sich die Band vor allem auf einen guten Groove (sehr prominent im "Enter Sandman"-Klon "Swatting At Flies" zu hören) und facettenreiche Gitarren-Arrangements, die in der Lage waren, die melancholisch verschlungenen Melodien abzubilden. Die stärksten Momente von "Cuatro" sind folgerichtig auch jene, in denen sich das Quintett am weitesten von ihrer Vergangenheit absetzt. Wenn sich die Intensität ihres Vortrags nicht mehr eindimensional aus Geschwindigkeit und Aggression speist, sondern aus wehmütigen, eingetrübten Motiven wie in den Höhepunkten "The Message", "Cradle Me Now" und "Wading Through The Darkness", die zudem allesamt noch mit bemerkenswerten Gesangsharmonien angereichert wurden. Und natürlich müssen wir jetzt über Sänger Eric A.K. sprechen, der allerspätestens ab den frühen neunziger Jahren zu den großen Metalsängern gezählt werden muss - ich rede hier über Dio, Dickinson und Tate, zur Einordnung. Eric konnte damals ALLES am Mikrofon. Fast bin ich geneigt davon zu schreiben, dass er's selbst mit Anfang 60 noch so gut kann wie kein anderer in seiner Altersklasse, müsste dann allerdings die beim 2024er Konzert im Frankfurter Nachtleben gemachten Beobachtungen vom mutmaßlichen Einsatz technischer Hilfsmittel unter den Tisch fallen lassen. Ich kann wirklich nicht sagen, was da genau passierte, und möglicherweise irre ich mich auch, aber es erschien mir alles ein bisschen fishy. Jedenfalls: Eric war schon vor 40 Jahren ein echter Ausnahmesänger - und ganz vielleicht ist er es sogar heute noch.
Ich bin mir darüber im Klaren, sich als Ultra-Edgelord auf ganz dünnem Eis zu bewegen, wenn die im Kontext eher unbekannteren Alben aus jener für die Metalszene durchaus wichtigen Zeit über die großen Klassiker einsortiert werden. Da landet man schnell im Umfeld von Sätzen wie "Nach dem ersten Demo ging's bergab!", noch schneller bei ritualisierter Abgrenzung und überheblicher Underground-Koketterie - und wie eingangs erwähnt, wird auch dieses Päckchen gratis in den Rucksack gestopft, mit dem man fortan als Metalfan durchs Leben geht. Ich selbst kann mich davon nicht komplett freisprechen. Für mich ist "Cuatro" eines der großen Metalalben der neunziger Jahre. Ich höre eine hungrige, brennende, hochkonzentrierte Band an der Schwelle zum nächsten Entwicklungsschritt, mit einem äußerst eigenständigen Sound, einem so originellen wie hochklassigen Songwriting und einem bemerkenswerten Gespür für Atmosphäre und Zusammenhänge. Flotsam And Jetsam haben auf "Cuatro" einfach alle richtigen Entscheidungen getroffen.
Vinyl und so: "Cuatro" gibt es bislang nur in der sehr seltenen und sehr teuren Erstpressung. Das italienische Spezialistenlabel Night Of The Vinyl Dead hat kürzlich den Nachfolger "Drift" erstmals auf Vinyl veröffentlicht. Es besteht daher eventuell Hoffnung, dass im Zuge dessen auch "Cuatro" mit einem Reissue bedacht wird.
Weiterhören: "Drift" (1995), "High" (1997), "Doomsday For The Deceiver" (1986), "No Place For Disgrace" (1988)
Coroner galten stets als europäisches Äquivalent zu einer Band wie Voivod. Beide Bands fanden ihre Wurzeln in der Ursuppe der aufkeimenden Speed und Thrash Metal-Bewegung der ersten Hälfte der 1980er Jahre, begannen aber sehr schnell damit, in progressive, technisch ambitionierte Bereiche auszuschlagen. Künstlerisch waren sie damit der Konkurrenz in ihren jeweiligen Kontinenten immer zwei, drei Schritte voraus, kommerziell hingegen kamen sowohl Voivod als auch Coroner nie so recht über ein "Nischendasein mit Kultstatus" hinaus. Es ließe sich zwar darüber reden, ob sich Coroner jemals so weit aus der Komfortzone herauslehnten wie das kanadische Quartett auf Alben wie "Nothingface" oder "Angel Rat", aber spätestens mit ihrem 1989er Album "No More Color" war immerhin klar, es hier nicht mit einer Thrashkapelle von der Stange zu tun zu haben. Der 1991er Nachfolger "Mental Vortex" vertiefte die eingeleitete Entwicklung nicht nur hinsichtlich immer komplexer werdenden Arrangements, die Band legte auch deutlich mehr Wert auf die im Thrash Metal oft brach liegenden atmosphärischen Zwischenebenen.
Mit "Grin" bekam jener Aspekt größeren Raum als jemals zuvor eingeräumt. Wurde ein Großteil der früheren Intensität vor allem durch die Mischung aus Geschwindigkeit und schierer Überforderung mittels diffiziler Kompositionen erzielt, verdichtet "Grin" den musikalischen Raum mit Monotonie und Groove. Und einer, man muss das so sagen, überaus strengen und dominanten Ansprache von Sänger Ron Royce. Wer sich früher demütigen lassen wollte, ging mal schnell aufs Straßenverkehrsamt, heute lässt man sich von Royce verbal auspeitschen - und zwar mit überzeugter Boshaftigkeit. Das ist zweifellos eine beeindruckende Performance, aber da muss man schon der Typ für sein.
Es mag zunächst ein bisschen widersprüchlich erscheinen, aber indem das Trio ihren Songs mehr Platz lässt, verstärkt sich gleichzeitig das Gefühl der Enge; ein Stilmittel, das sich Coroner ganz eventuell bei einer Band wie Ministry abgeschaut haben könnten, deren damals gerade aktuelles Album "Psalm 69" sehr erfolgreich Industrial mit Metal vermischte und zu einem der Meilensteine des damaligen Zeitgeists wurde. Im Grunde durchliefen Coroner eine ähnliche Entwicklung wie beispielsweise Sepultura von "Arise" zu "Chaos AD" oder auch Morgoth von "Cursed" zu "Odium", indem sie einen Ausweg aus der kreativen Sackgasse des klassischen Thrash und Death Metals suchten und ihn im Groove fanden. Coroner machten in dieser Hinsicht mit "Grin" möglichweise den größten Sprung, aber sie waren auch besser vorbereitet: die mit "No More Color" und "Mental Vortex" eingeleitete Entwicklung ist vor allem im Rückblick völlig plausibel und folgerichtig.
"Grin" ist tiefschwarz, kalt, abgründig, klaustrophobisch und unangenehm. Wer all das in seiner Essenz überprüfen möchte, ist eingeladen, sich dem am Ende des Albums platzierten Dreiklang aus "Paralized, Mesmerized", "Grin (Nails Hurt) und "Host" zu widmen.
A lesson in punishment.
Vinyl und so: Über die Erstpressung von 1993 darf man sprechen, wenn Aussicht auf eine schöne Erbschaft besteht, ansonsten versucht man es mit dem Reissue (Doppel-LP, grünes Vinyl) aus dem Jahr 2018 und ist mit schlappen 30 Euro dabei. Ich möchte hier allerdings darauf hinweisen, dass der Sound der letztgenannten Version signifikant angepasst wurde. Auf Discogs beschrieb ein Nutzer den Unterschied mit "komplett veränderter Ästhetik" und liegt damit ziemlich richtig. Die Bässe wurden deutlich reduziert, zeitgleich hat man die Mitten verstärkt. Das führt zu einem giftigeren Gitarrensound, einer heller klingenden Snare und einem dadurch insgesamt deutlich klareren, transparenteren Klangbild. Ob das dem Album nützt oder schadet, beantwortet das eigene Stilempfinden. Aber wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass es in erster Linie anders ist.
Vor elf Jahren habe ich meine Leserinnen und Leser mit einem Thrash Metal-Countdown gelangweilt, und weil mir seitdem auffiel, dass ich in der damaligen Auflistung mindestens drei schwere Fehler begangen hatte, die nach einer Klarstellung und Korrektur schreien, gibt's die jetzt einfach. Als Video, damit's auch richtig cringe wird. Immer Alles geben. Meine Devise.
"Heavy Metal is the most conservative of all loud music. Let's face it, not even a gym teacher could get as many people to dress alike." (Jello Biafra)
Über meine besondere Liebesbeziehung zu Overkill habe ich zuletzt vor zwei Jahren im Rahmen meines Reviews zum ihrem "The Atlantic Years"-Boxset referiert, und wer sich diesen unfassbar langen und -weiligen, gut fünfzehnminütigen Monolog noch nicht angeschaut/angehört haben sollte, well: "Enjoy!"
Nun ist es aber auch so, dass ich mit meiner Abneigung sowohl gegen zeitgenössichen Metal als auch gegen jene Bande von abgehalfterten Geronten, die vor vierzig Jahren mal eine Handvoll Songs auf die Reihe bekommen haben, nun am Nasenring durch die kapitalistischen Endverwerterfestivals des "Häffi Meddl" (Loddar) geschleift werden, um sich mit ein paar Euro den knittrigen Rentensack aufbügeln zu lassen und praktisch nur für die Stagetime aus dem Krankenhausbett und/oder Nachttopf geschweißt werden, nicht unbedingt hinterm Berg halte und sie damit also auch nicht zum ersten Mal äußere - was mir stets nur die allerfeierlichsten Liebesbriefe von den Kuttenadolfs mit bioelektrischem Gewitter in der Großhirnrinde beschert. Und auch wenn Overkill weder in die eine, noch in die andere Kategorie so richtig hineinpassen - (1) zeitgenössichen Metal machte die Band zuletzt circa 1991 und (2) trotz ihrer nur schwer aushaltbaren Schwächephase in den nuller Jahren waren sie einfach IMMER da und spielten konsequent ihren Stiefel - so lassen sich dennoch Elemente davon ihrer Musik und ihrem Auftreten finden; es scheint ihnen allerdings in meiner Welt weniger als anderen Metalboomern etwas anzuhaben. Daher gilt das eiserne Gesetz im Hause Dreikommaviernull: in jede neue Overkill-Platte wird wenigstens reingehört. Ihr ureigener, hochspezialierter Thrash Metal-Stil mit den typischen Punk- und Hardcorevibes der US-amerikanischen Ostküste, ihre kaum glattpolierte Räudigkeit mit seltsamerweise immer noch authentischer "Fuck You!"-Attitüde, ihr immer noch sehr hohes Energielevel - mein vierzehnjähriges Reptiliengehirn findet vieles davon auch heute noch sehr, sehr anziehend.
Und so höre ich seit dem 1999er Album "Necroshine" in jedes neue Album rein, schätze fast immer den Drive und die Frische, finde ebenfalls fast immer ein paar Höhepunkte und ein paar solide Overkill-Generika, wundere mich darüber, wie gut die Stimme von Blitz immer noch klingt, und sinniere darüber, wie sie ihn wohl fürs Studio immer wieder so gut hingebogen bekommen (die Antwort: reiner Sauerstoff!), ärgere mich über den heutzutage leider typischen, lauten, undynamischen, phantasielosen Plastiksound, ärgere mich noch mehr über die seit vielen Jahren ubiquitären Einflüsse klassischen Metals mit eingängigen, kitschigen, hypermelodischen Refrains und Soli, wirklich der allerschlimmste Offenbarungseid eines ganzen Genres gegenüber des mental tiefergelegten ADHS-Publikums, und freue mich dennoch schlussendlich, dass sie immer noch da sind. Denn eine Metalszene ohne Overkill ist zwar möglich, aber sinnlos. Ich entschuldige mich für das absolut frische und unverbrauchte Zitat aus dem Loriot-Pleistozän.
Seit 1999 und also "Necroshine" hat es allerdings kein einziges neues Album des New Yorker-Quintetts mehr in die Sammlung geschafft - und wie anhand dieses Reviews zu erkennen ist, änderte sich dieser Zustand mit "Scorched". Wer hätte das gedacht?
Ich jedenfalls nicht, aber sei's drum: mindestens die Hälfte der Songs auf dieser Platte sind so gut wie seit des 1994 erschienenen Albums "W.F.O." nicht mehr. Der Titeltrack, "The Surgeon", "Wicked Place", "Fever" und "Bag O' Bones" sind knallharte, funkensprühende, energiegeladene Granaten, die jeden Thrashfreak in den Wahnsinn treiben können. Dazu gibt es einige Experimente, die zwar im Kontext Ihres Lebenswerks nicht umwerfend revolutionär erscheinen - die Band hatte vor allem in der Frühphase ihrer Karriere sowohl den Mut wie auch die Fähigkeiten, ihrer Liebe zu Black Sabbath mittels einiger sehr doomigen, schleppenden Songs wie zum Beispiel "Playing With Spiders/Skullkrusher" Ausdruck zu verleihen - die aber vor dem Hintergrund des Zustands aktuellen Metals fast schon wie ein "Aufstand der Anständigen" (Gerhard "Acker" Schröder) wirken. "Fever" ist beispielsweise eine harzige Huldigung an Ozzy/Sabbath, die angesichts der stimmlichen Ähnlichkeit zum Oppa of Darkness beinahe meinem bislang erfolgreich verlaufenden Unterfangen, einen Ozzy-freien Haushalt zu führen, gefährlich wird. Und obwohl "Fever" hier und da einen ganzen Gang runterschaltet, verursacht es keine Schäden an der wuchtigen Gesamtwirkung des Albums. Toll! "Wicked Place" bringt uns im Chorus ebenfalls einen doomigen Touch mit viel Macht, viel Druck, viel Neunziger. Viel Gut!
Die übrigen Songs sind im besten Fall solide wie "Harder They Fall" oder "Twist Of The Wick", im weniger guten Fall unnötig bis ärgerlich: "Going Home" startet eigentlich als guter, straighter Thrasher mit Reminiszenzen an die "W.F.O."-Ära, bevor er vom melodischen Chorus und den ultrapeinlichen Kosackenchor-Shouts gekidnappt und mit Handschellen gefesselt ins niederste Bierzelt gezerrt wird, wo sich schon Jürgen und Annika das Prosit zur Gemütlichkeit gegenseitig ins Genital singen. Einziger echter Tiefpunkt ist für mich "Won't Be Coming Back" und ich fürchte, ich muss es dabei schon belassen - das ist für Overkill-Verhältnisse schlicht ein unwürdiges Nichts von einem Song. Mir fällt dazu nicht viel ein.
Insgesamt aber, und abgesehen von zwei, drei heiklen oder gar unterwältigenden Momenten, ist "Scorched" eine echte Überraschung. Ein hartes und gewaltiges, in einigen Passagen sogar intensives Thrashalbum und ziemlich sicher das beste Genrewerk seit Toxik's "Dis Morta" aus dem Jahr 2022. In Hinblick auf den Backkatalog der Band lasse ich mich mittlerweile sogar dazu hinreißen, "Scorched" als bestes Overkill-Album seit 1994 ins Karteikästchen einzusortieren.
In voller Anerkennung dessen, dass meine Wenigkeit nicht dafür bekannt ist, solche Sätze allzu leichtfertig ins Weltnetz zu häkeln: ich empfehle Ihnen dringend, "Scorched" auf Urknall-Lautstärke zu hören.
Uff, das wird nicht leicht. Den scharf denkenden Scharfdenker*innen mag aufgefallen sein, dass im letztjährigen Bestengetümmel ausgerechnet jene Band fehlte, die ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als die beste Metalband aller Zeiten bezeichne. Und das, obwohl das kanadische Ensemble im Jahr 2022 sogar ein neues Album herausbrachte - nicht, dass der Umstand zwingend notwendig ist, um in die Bestenliste zu rutschen - für Voivod würde ich immer einen Weg finden; notfalls erfinde ich einfach eine Platte, mir doch egal.
Lösen wir hiermit also wenigstens dieses Rätsel (des süßen Nichts), dass uns alle (niemanden) schon so lange (noch nie) so beschäftigt (langweilt).
Nun erschien "Synchro Anarchy" also im Februar 2022 und ich hörte und hörte und hörte und hörte und hörte - und es bewegte sich absolut gar nichts. Nada. Rien. "Nassing!"(Olaf "ohne Deutschland darf nie wieder ein Krieg ausgehen" Scholz). Das war schockierend. Noch ein kleines bisschen schockierender war es, dass sich daran auch im weiteren Verlauf des Jahres nichts änderte. Die Band klingt auf "Synchro Anarchy" zum allerersten Mal in ihrer Karriere blutleer und bräsig. Ich kann beinahe nicht glauben, dass ich das wirklich öffentlich schreibe, aber sogar das Schlusslicht ihrer Diskografie "Infini" hatte noch eine Handvoll mehr Lebensgeister in den Plattenrillen stecken. In erster Linie muss ich das wohl der Produktion von "Synchro Anarchy" ankreiden, der wirklich jeder Esprit, jede Energie, jedes Leben abgeht. Das Album klingt, als wäre es in einem sterilen 4x4 Meter großen und komplett gedämmten Raum aufgenommen worden, in dem der Band vor dem Drücken der Aufnahmetaste all das operativ entfernt wurde, was sie für gewöhnlich ausmacht: Spielfreude, Spritzigkeit, Luft, Raum, Heaviness, die Lust am Wahnsinn. Vor allem Chewys Gitarre klingt so verdammt clean und gedrungen wie ein Gitarrenvideo von Peter Bursch aus dem Jahr 1986.
Vor dem Hintergrund meiner früher getätigten Einlassungen, die Band in den aktuelleren Mark VI/Mark VII-Besetzungen immer dann am besten zu finden, wenn sie die Haudraufundschluss-Ästhetik für psychedelischere und insgesamt leicht zurückgenommene, luftigere Momente ausfranst und nicht auf Teufel-komm-raus den Kuttenheinzies mit der x-ten Neueinspielungen ihres "Killing Technology"-Albums gefallen möchte, könnte man jetzt mit leicht schnippischem Unterton darauf hinweisen, dass "Synchro Anarchy" doch jetzt genau solche heruntergedimmten Elemente vorweisen würde - und jetzt wär's mir also auch wieder nicht recht? Ich bin kognitiv in der Lage, den imaginären Einwand nachzuvollziehen und vielleicht verstehe ich das ja alles auch nicht mehr, zu alt, zu doof, lebendig begraben unter der Last der Erwartungshaltung, aber: mit "zurückgenommen" meine ich nicht "ausgeblutet".
"Synchro Anarchy" ist mir ein Rätsel. Es macht überhaupt keinen Spaß, diese Platte zu hören.
Vinyl: Meine Version auf silberfarbenem Vinyl ist flach (no pun intended) und hat keine gröberen Hintergrundgeräusche. Die Schallplatte rettet den plattgequetschten Sound der Aufnahme aber leider auch nicht. Außerdem: bedrucktes Inlay mit Texten und ein beiliegendes A2-Poster. (++++)
Kleine Geschichtsstunde mit Florian: Toxik ist keine neue Band. Die Truppe aus dem Umland New Yorks erschien Mitte der 1980er auf der Bildfläche und veröffentlichte mit "World Circus" (1987) und "Think This" (1989) zwei Studioalben über Roadrunner beziehungsweise Roadracer, die beide mittlerweile zu den Kultalben der zweiten Speed/Thrash Welle zählen. Vor allem das im Vergleich zum eher progressiven Zweitwerk leichtfüßigere und speedigere Debut ist zurecht gefeiertes Material für die Ruhmeshallen des Heavy Metal. Toxik wurden zunächst wegen der enttäuschenden Verkaufszahlen von "Think This" angezählt und dann final vom Alternative-Boom der neunziger Jahre ausgeknockt. Seit 2013 ist die Band im veränderten Lineup wieder aktiv. Von der Originalbesetzung ist lediglich Gitarrist Josh Christian noch mit von der Partie. "Dis Morta" ist somit erst das dritte Album von Toxik - und das erste seit 33 Jahren.
Wer sich noch an meine Einschätzungen zu so manchem Comeback meiner alten Thrash Metal-Helden der letzten 15 Jahre erinnert, wird eine Ahnung haben, dass ich nicht gerade mit dem Laden der Konfettikanone zu tun hatte, als "Dis Morta" angekündigt wurde. Zerfledderte Besetzungen, kein Feuer, keine Leidenschaft, Dienst nach Vorschrift, grauenhafte und künstlich aufgepumpte Produktionen, Marketing über Substanz - die Liste großer Enttäuschungen ist lang und reicht von Heathen über Forbidden und Testament bis hin zu Sacred Reich. Von kompletten Knallchargen wie Agent Steel oder Onslaught will ich erst gar nicht reden. Aber meine alte Metal-Loyalität verpflichtet eben. Also, Toxik! Make my day!
Und, FUCK ME - wie arg sie meinen Day machten! Von der ersten Sekunde des Openers und Titelsongs bis zum Rausschmeißer "Judas" gibt es auf dieser Platte KEINE! EINZIGE! LANGWEILIGE! SEKUNDE!
Ich hatte in den letzten Monaten versucht, ein angemessenes sprachliches Bild für dieses gnadenlose Gehacke zu finden, und als ich eines gefunden hatte, schrieb ich es in meiner Begeisterung gleich an zwei Stellen in dieses Internet hinein. Weil mir seitdem nichts Besseres eingefallen ist und mir außerdem sowieso gar nichts mehr peinlich zu sein scheint, schreibe ich es hier zum dritten Mal:
"Maximaler Stress. Permanentes Gefühl der Überforderung. Als würde man bei 300 Sachen auf der Autobahn den Kopf aus dem Fenster halten und das Grünzeug vom Mittelstreifen ins Gesicht geballert bekommen."
Und um alles noch viel schlimmer zu machen, klopfe ich mir jetzt auch nochmal auf die Schulter und sage: "Dis Morta" klingt genau so! Das Intensitätslevel kurz vor der Kernschmelze. Ein bisweilen völlig außer Kontrolle geratener Speed, den Lord Helmchen sehr akkurat mit "wahnsinnige Geschwindigkeit" beschreiben würde; vor allem "Sharp Razor" überdreht sich sogar manchmal über die Grenze zur Parodie hinaus. Die Songs schlagen Haken wie Mike Tyson in voller Blüte, sind kompliziert und progressiv - es geht rauf und runter, hin und her. In einem der Höhepunkte "Creating The Abyss" (uargh, diese Riffs!) channeln die Verrückten die Mitt- bis Spätneunziger-Phase von Nevermore in nie dagewesener Perfektion. Mit Ron Iglesias hat die Band zudem einen Sänger in ihren Reihen, der mit extrem hoher Stimme und maximaler Kontrolle durch die waghalsigsten musikalischen Stromschnellen marschiert, die ihm die Instrumentalabteilung im Hintergrund zwischen die Stimmbänder wirbelt, und der dabei noch die abgepfiffensten Gesangslinien wie in "Hyper Reality" aus dem Hut zaubert. Er ist jederzeit der absolute König jeder noch so verzwickten Situation. Und scheißrein: Josh Christian hat sich solche gleich säckeweise ausgedacht. Die ganze Band bewegt sich technisch auf allerhöchstem Niveau.
Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Teilnehmer in meinem kleinen Jahres-Countdown, stellen wir eine gewisse stilistische Diskrepanz zu "Dis Morta" fest. Von meiner Lebensrealität im Hier und Jetzt ist so eine Platte ganze Universen entfernt, und ich habe mich hier in meinem virtuellen Musikzimmer nicht erst einmal darüber ausgelassen, wie sehr ich Ruhe und Einkehr als Gegenpol zu all dem Getöse um mich herum schätze, und wie sehr vor allem das Hören introvertierter elektronischer Musik mein Leben verbessert. Und doch gibt es nun hier diese besinnungslose Lobhudelei über "Dis Morta" zu lesen? Dazu zwei Einlassungen. Erstens: ich kann nicht aus meiner Haut. Ich liebe progressiven und abgedrehten Metal, ich liebe Thrash Metal, ich liebe geile Sänger über alles, ich liebe die Intensität, die Wucht, den Wahnsinn. "Dis Morta" drückt sämtliche Knöpfe bei mir - und dass es das im Jahr 2022 noch schafft, ist eine Grenzerfahrung in sich. Das bringt uns zu zweitens: "Dis Morta" ist im aktuellen musikalischen Klima des Metal ein geplatztes Furunkel am Arsch der Gleichmacherei und des stromlinienförmigen Formatmetals, den die ganzen Angsthasen und Nixkönner einer im tiefsten Koma liegenden Szene unentwegt ins Gesicht kotzen. Würde es heutzutage mehr Metalbands geben, die so mutig, so tollkühn, so virtuos und so kraftvoll klingen wie Toxik auf "Dis Morta", ich wäre mit einem Wimpernschlag wieder in der allerersten Reihe.
Vinyl: Sorry, aber bei dem erbarmungslosen Geschrote ist alles scheißegal, sogar die ungefütterte Innenhülle und die sehr schmale Aufmachung. Immerhin gibt's einen Einleger mit Texten. Sieht gut aus, klingt gut. Fertig. Bitte einfach nur kaufen, lieben, umarmen und bitte keine weiteren Fragen stellen. (+++++)
Ich hatte es im letzten Videoreview zu Voivods "Forgotten In Space"-Boxset bereits mehrfach angedroht, hier ist es nun: der zweite Beweis dafür, dass ich es mit vollmundigen Einlassungen wie "Ich mag keine Boxsets" oder despiktierlichen Fragen wie "Wer soll denn den ganzen Scheiß kaufen?" besser sein lassen sollte.
Ich habe mir also Overkills "The Atlantic Years 1986 - 1994"-Rückschau vorgenommen und dabei versucht, es wenigstens ein kleines bisschen weniger zäh werden zu lassen als mein Review-Debut, und was immerhin den Blick auf die Uhr betrifft, ist mir das auch ausnahmsweise gelungen. Inhaltlich gibt es immer noch konfus abschweifendes Gelalle - aber das sind meine werten Leser über die letzten 15 Jahre schließlich auch gewohnt. Und ein wenig Kontinuität erlaube ich mir durchaus in diesen so chaotischen Zeiten. Weil ihr es mir wert seid.
Ende des vergangenen Jahres erhielt ich die Möglichkeit, für die 160. Ausgabe des legendären Ox-Magazins über meine Lieblingsband zu schreiben (Vielen Dank, Simon!). Genauer gesagt, ich erhielt die Möglichkeit, über die zehn besten Songs meiner Lieblingsband zu schreiben. Das war eine Ehre für mich, einerseits wegen des Ox, andererseits wegen Voivod - ich durfte das also auf keinen Fall zersägen.
Und obwohl ich sofort Feuer und Flamme war, mich in ihre Platten einzugraben und umgehend loszulegen, wusste ich um die große Herausforderung - und wurde gleich mal für die nächsten Tage ausgebremst. Nicht nur wegen der umfangreichen und qualitativ so konstant hochklassigen Diskografie der Band, was eine Auswahl so oder so schwierig machen würde, sondern auch wegen ihres so diversen Repertoires. Wie soll ich diese enorme Bandbreite abdecken, von dem räudigen, chaotischen Thrash Metal zu Beginn ihrer Karriere über eine Heavy Metal-Version von Pink Floyd oder King Crimson bis hin zu einem verwehten Progressive-Industrial-Golem? Oder diesen Wagemut?
Ihre einzelnen Entwicklungsphasen, und jetzt, wo ich's schreibe, weiß ich gar nicht mehr, was ich mit einer "Entwicklungsphase" eigentlich meine, oder ob sowas in ihrer Realität überhaupt existierte, haben schließlich gleich mehrere Eigenleben entwickelt. Und je weiter ich mich in ihre Welt über die letzten 25 Jahre eingegraben habe, desto mehr wucherte das Selbstverständnis dieser Band, ihr Anspruch und ihre Progressivität über die Brüche in ihrer Musik. Und all das soll ich in nur zehn Songs abdecken?
Ich brütete über zwei, drei Wochen jeden Tag über dieser Liste. Dezent obsessiv.
Als die Songs für die Top 10 endlich ausgeknobelt waren, ging es endlich ans Schreiben - und damit begann das eigentliche Martyrium: Zeichenlimit.
Ein Zeichenlimit. Ich! Ein Zeichenlimit! Ha! Hahaha!
Es war eine verdammte Pest. Aber ich liebte jede Sekunde der Auseinandersetzung mit den Songs dieser einzigartigen Band.
Enjoy!
(Klicken für eine vergrößerte Ansicht)
Für eine möglicherweise verbesserte Lesbarkeit gibt es hier auch noch die Textversion:
„Tribal Convictions“
"Tribal convictions" vom Sci-Fi-Thrash Meilenstein "Dimension Hatröss" ist einer der großen Klassiker der Bandgeschichte und bedeutete 1988 den Durchbruch für VOIVOD – auch dank des Videos, das MTV in sein Programm aufnahm und damit den Bekanntheitsgrad der Kanadier signifikant vergrößerte. Schneller waren fünf Minuten seither nie wieder vorüber. Ein durchgeknalltes Arrangement, das auf eine bizarre Weise trotzdem catchy war, gekrönt von einem umwerfenden Solo von Riffmeister Piggy. Öffnet Türen in Deinem Kopf, die vorher verschlossen waren.
„Tornado“
Für das dritte Album „Killing Technology“ schluckte die Band erstmals ihre Supervitamine. Die Energie dieser Aufnahmen ist legendär und „Tornado“ macht seinem Namen alle Ehre: ein unbarmherziges und außer Kontrolle geratenes Getöse, das vor allem wegen Piggys dissonanten Gitarrenriffs und Aways geradewegs durch Panzerglas marschierenden Schlagzeugs den Vagusnerv mit Juckpulver traktiert. Dazwischen gibt’s nervöse Breaks und manisches Geschrei, die das Chaos nur noch mehr anheizen. Blutdrucksenker, olé!
„Forlorn“
Das zweite und letzte Album der Triobesetzung mit dem Bassisten und Sänger E-Force über einen der beiden Monde des Planeten Mars ist eine apokalyptische Tour de Force mit „Forlorn“ als glühend-intensivem Höhepunkt. Die brachiale Mixtur aus verwehtem Industrial Metal und kauzigem Progressive Rock vertont Einsamkeit und Verzweiflung im Zeichen des Untergangs und geht dabei stets über jede physische und emotionale Schmerzgrenze hinaus. „Forlorn“ ist übrigens der einzige Song dieser Ära, der auch nach der Reunion mit Sänger Snake ab und an den Weg in die Live-Setlist fand. Gewaltig.
„Post Society“
Nach dem Tod ihres Riffmeisters Piggy im Jahr 2005 versackte der VOIVOD auf manch neuem Album im stilistischen Verwaltungsmodus; statt irrwitziger Reisen durch die Galaxis bog man lieber an der Autobahnraststätte Ennepetal ab. Mit „Post society“ und den neuen Crewmitgliedern Chewie (Gitarre) und Rocky (Bass) nahmen unsere Helden wieder direkten Kurs auf Centaurus A: der erfreulich angepunkte Titeltrack fächert Psycho-Breaks wie in allerbesten Zeiten auf und zeigt die Band in funkensprühender Spiellaune mit erstaunlichem Drive. Eine Wiedergeburt.
„Clouds In My House“
„Angel Rat“ war nach Aussage von Schlagzeuger Away das Album, bei dem der Band der Wille zu „härter, lauter, schneller“ fehlte. Stattdessen zeigten sich VOIVOD melancholisch und introvertiert – und stießen die nach dem erfolgreichen Vorgänger „Nothingface“ angefütterte Fangemeinde vor den Kopf. Stilistisch steht „Clouds in my house“ zwischen Wave-Geflacker, sprödem Prog und dem „Anything Goes“-Vibe der frühen 1990er Jahre selbst für ihre Verhältnisse auf sehr ambivalentem Terrain. Warum der Song auf MTV’s „120 Minutes“ nicht durch die Decke ging, versteht kein Mensch.
„Into My Hypercube“
Völlig gleich, was uns in den letzten dreißig Jahren an neuen Trends und Extremen aufgetischt wurde, das Durchgeknallte, Knallbunte, Exzentrische, das Emotionale und Verletzliche, das Progressive und das Reaktionäre, ein zweites „Nothingface“ war nicht dabei. „Into my hypercube“ steht etwas im Schatten der Klassiker „The unknown knows“ und dem PINK FLOYD-Cover „Astronomy domine“, aber wer könnte dieses unvergleichliche Amalgam aus subtiler Punk-Aura und softer Fliegenpilz-Psychedelik je wieder vergessen, wenn es nur einmal die Blut-Hirn-Schranke passiert hat?
„Jack Luminous“
Der Versuch, den VOIVOD-Sound über wildes Namedropping zu decodieren, wird spätestens nach den 17 Minuten von „Jack luminous“ zu einem traurigen Häufchen Asche zerbröselt. Jeder Vergleich wirkt trivial, jedes Bemühen, den Code dieser Wahnsinnigen zu knacken, endet zwangsweise am Boden existenzieller Unzulänglichkeit. „Jack luminous“ ist in der Bündelung aller Wahrzeichen dieser Band der Urknall ihres Universums, die Stunde Null des VOIVOD. Wer den endgültigen Beweis dafür haben möchte, dass die Oberstübchen dieser Typen einfach anders verdrahtet sind, wird ihn hier finden.
„Cosmic Conspiracy“
Der Alternative-Industrial-Tanzflächenfeger „Nanoman“ vom selben Album „Negatron“ wäre die offensichtlichere Wahl gewesen, aber wir müssen über „Cosmic conspiracy“ sprechen - vor allem über die auf dem 2000er Livealbum „Lives“ veröffentlichte Version. Intensiver hat sich der VOIVOD trotz des etwas besseren Bootlegsounds nie wieder in den Orbit geschossen. Vor allem das Break zur Songmitte und das folgende so simple wie alles zersägende Mega-Riff zeigen, welche Energie diese Besetzung auf der Bühne entfesseln konnte. Die drei Typen machten Krach für zehn. Eine Naturgewalt.
„Nuclear War“
Wo wir gerade bei „Lives“ waren, bleiben wir für „Nuclear war“ gleich hier. Ursprünglich auf dem 1984er Debut „War And Pain“ erschienen, bekommt das holpernde Stakkato-Geprügel des Erstlings in der Liverversion mit Sänger/Bassist E-Forst seine definitive (wenn auch leicht gekürzte) Ausbaustufe. Das militärisch stampfende Monster klingt mit der gurgelnden Stimme des neuen Frontmanns bedrohlicher und beklemmender als je zuvor, während Piggy Töne aus seiner Gitarre herausholt, die er ganz offensichtlich per Standleitung von einem anderen Planeten herübergebeamt hat.
„Fix My Heart“
Der Opener des 1993 erschienenen Wunderwerks „The Outer Limits“ steht stellvertretend für einen weiteren Entwicklungsschritt der Band, die selbst nach den energieraubenden Metamorphosen der vorangegangenen drei Alben immer noch nicht müde wurde, nochmal einen draufzusetzen. VOIVOD zeigten sich insgesamt rockiger, ihr Sound schien durchlässiger für einen optimistischen Swing zu sein, die Grooves saßen lockerer, ohne dabei ihren legendären Drive einzubüßen. Ein besserer Beleg als das atemberaubend perlende Hauptriff von „Fix my heart“ wird sich nicht finden lassen.
--
Zum Download oder dem Kauf der gedruckten Ausgabe des Hefts geht's HIER LANG.
Beinahe fünf Monate Blog-Pause sind selbst für meine Wenigkeit ein starkes Stück. Es gibt Gründe - aber um offen zu sein: ich bin zu müde, um sie zunächst in Gedanken und anschließend Schrift nochmal Revue passieren zu lassen. Kommt Zeit, kommt irgendwas. Vielleicht aber auch nicht.
Ich habe indes nach reiflicher Überlegung, und wer mich kennt, weiß, dass "reiflich" die Untertreibung des Jahrhunderts ist, ein Video aufgenommen, in dem ich über das neue Vinyl-Boxset meiner allerliebsten Metalband VOIVOD referiere. Alles, was ich dazu benötigte, waren zwei Liter schwarzen Kaffees, drei frische Unterhosen und ein kleiner Spritzer LSD.
Ja, es ist viel zu lang. Niemand, wirklich niemand wird diese 32 Minuten durchhalten, ohne vorher sanft und friedlich wegzudämmern. Aber im Prinzip ist das nicht mein Problem.
Ja, es ist im Hochformat aufgenommen (was subbi dämlich ist). Das ist definitiv mein Problem.
Ja, ich bekomme Selbstschamattacken. Und es wäre furchtbar, wenn ich sie nicht bekäme.
Und dennoch: all das hält mich trotzdem nicht davon ab, derart full of myself zu sein, es hier zu posten.
Von Hippie-Eso-Rock der 90er Jahre über Broken Beat, Future Jazz, Noise-Goth zu Folk Metal - und Sie fragen mich ernsthaft, warum hier niemand mitliest?!
"Irrational Anthems" war das letzte fehlende Vinyl-Mitglied der Skyclad-Sammlung (was nicht ganz richtig ist, weil ich die Picture Disc vor genau 20 Jahren in einem Plattenladen in Lübeck entdeckte - aber...). Ich habe den Fund der Originalausgabe Freund Jens zu verdanken, der seine Augen und Ohren in den Social Media'schen Verkaufs- und Tauschgruppen für mich immer weit geöffnet hat.
Wie ich zu dieser ehemals so fantastischen Band aus Newcastle stehe, lässt sich für Interessierte HIER nochmal ausführlich nachlesen - wenn's ein bisschen mehr sein darf, klickt man am unteren Bildrand auf "Neuerer Post" und kommt darüber zu den Einzelreviews - und wo wir gerade hier sind, verlangt es der Anstand, auch auf meinen damaligen Text über "Irrational Anthems" hinzuweisen, in dem ich abschließend befand, das Album sei zwar im Prinzip absolut fehlerfrei, als möglicherweise einziges Skyclad-Werk indes nicht so irre gut gealtert. Und es stimmt: einige Songs dieser Platte habe ich in meiner Jugend auch schlicht bis zum Ohnmachtsanfall abgenudelt; der Eindruck also, Hits wie "Penny Dreadful", "No Deposit, No Return" oder "Inequality Street" seien in einer Zeitkapsel eines bestimmten Lebensabschnitts eingeschlossen und könnten nie wieder unabhängig von den Erfahrungen und Erlebnissen jener Zeit gehört werden, ist sicherlich nachvollziehbar.
Das nimmt allerdings nichts von Glanz und Wichtigkeit von "Irrational Anthems", was mir bei der neuerlichen Auseinandersetzung, ganz besonders mit den Songs der vermeintlich zweiten Reihe, bewusst wurde: "Snake Charming", "The Sinful Ensemble"(!), "My Mother In Darkness"(!!), "I Dubious"(!!!) und "Science Never Sleeps" sind einfach unsterbliche Klassiker.
Und ich erneuere hiermit meine frühere Einschätzung: Diese Band hat in den 1990er Jahren keinen auch nur mittelmäßigen Ton aufgenommen. Alles aus Gold.
HOLY TERROR - GUARDIANS OF THE NETHERWORLD: A TRIBUTE TO KEITH DEEN
Wir kommen zum Abschluss der frisch aus dem Blogboden gestampften Rehab-Serie über die legendären Holy Terror und werfen den letzten Blick auf eine zum wiederholten Male obskur anmutende posthume Veröffentlichung der Band.
Im Jahr 2015 erschien dieser Tribut an den 2012 verstorbenen Sänger Keith Deen und was für die LPs von "El Revengo" und "Live Terror" galt, muss auch für "Guardians Of The Netherworld" gesagt werden. Für Die-Hard-Fans, Alles-Sammler und Vinylnerds gibt es vermutlich nur wenige aufkommende Zweifel hinsichtlich der Frage, ob dafür das Portemonnaie tatsächlich geöffnet werden sollte. Das größte Plus ist auch hier das Design, die Verpackung und die spürbare Liebe zu dieser Band: das Album erschien in einer auf 500 Stück limitierten Vinylausgabe mit drei Versionen/Farben (200 Stück in Rot, 200 Stück in Schwarz und 100 grüne Exemplare über den Shop von Dark Descent Records), ummantelt von einem 350g schweren, hochwertigen Klappcover mit exklusivem Artwork von Rick Araluce, der bereits die Designs für "Terror & Submission", "Mind Wars" und "El Revengo" kreierte. Hinzu kommen eine Fotocollage sowie ausführliche Liner Notes mit Erinnerungen und Erzählungen von ehemaligen Weggefährten Deens sowie Band-Intimus Scott Lambert und A.A.Mentheanga von Primoridal.
Musikalisch ist die Zusammenstellung vor allem wegen des erstmals auf Schallplatte/CD erhältlichen Demos mit vier Songs von 1986 interessant. Das gefühlt mehrere Wochen dauernde Intro "Blessed Sacrament" wurde für das Debut gestrichen, dafür fanden aber die Speedpeitsche "Black Plague", das an frühen US Metal angelehnte, mit tollen Gitarrenharmonien ausgestattete "Distant Calling" und der deutlich von der New Wave Of British Heavy Metal beeinflusste Klassiker "Guardians Of The Netherworld" den Weg auf "Terror And Submission". Klanglich ist das Demo im Vergleich mit dem später erschienenen Album zwar vor allem im Schlagzeug- und Gitarrenbereich etwas verwaschener und dumpfer, aber bei Weitem keine Katastrophe. Bemerkenswert sind allerdings die vor allem bei "Black Plague" zu hörenden Gesangsarrangements, die auf dem Demo dank einiger hinzugefügten Überblendungen und Harmonien sowohl ausgefeilter als auch melodischer sind. Leider wurden sie für die spätere Albumproduktion über Bord geworfen.
Über das Demo hinaus dürfen sich Fans auf weitere Liveaufnahmen freuen, dieses Mal von zwei 1988 mitgeschnittenen Konzerten in Washington DC und New Orleans. Ich freute mich besonders auf das in New Orleans gespielte "Mortal Fear", das es offenbar nur selten in die Setlist schaffte und auf "Live Terror" erst gar nicht vertreten war. Während die Soundqualität der Show in Washington für eine Soundboardaufnahme im Jahr 1988 unter Bootleg-Maßstäben (und etwas anderes sollte hier wirklich nicht angelegt werden) durchaus in Ordnung geht, ist der eingefangene Klang des Gigs in New Orleans selbst für hartgesottene Allesgutfinder wie meinereiner wenigstens diskussionswürdig - was in Hinblick auf "Mortal Fear" doppelt schade ist, weil damit die sich vor allem im Refrain zeigende Wucht der Riffs komplett in Luft auflöst. Gegen Ende des Sets habe ich den Eindruck, es würde etwas besser werden, aber vielleicht ist das nur die einsetzende Gewöhnung.
Ich erwähnte bereits in den vorangegangenen Beiträgen, dass die Aufteilung der in den letzten zehn Jahren erschienenen Alben und Zusammenstellungen Holy Terrors mit all ihren unterschiedlichen Versionen wirklich keine Ruhmestat, sondern ehrlich gesagt ziemlich ärgerlich ist. Da ist zwar einerseits der legitime Anspruch erkennbar, dem Vermächtnis dieser Band gerecht zu werden und ihre Musik gebührend zu feiern oder sie auch nur endlich verfügbar zu machen, andererseits wird ein selbst auf diesem kommerziell sicher alles andere als funkensprühenden Niveau ungewöhnlicher Geruch der ehrlosen Gewinnmaximierung deutlich. Die CD-Version von "Guardians Of The Netherworld: A Tribute To Keith Deen" hat eine im Vergleich zur Vinylfassug nochmals veränderte Tracklist und präsentiert anstatt des Gigs in New Orleans einen Mitschnitt von der 1987er Europatournee mit D.R.I. in Kopenhagen - immerhin in befriedigender Soundqualität. Und die 2017 auf Dissonance Productions erschienene Werkschau "Total Terror" (unter dem folgenden eingebetteten Bandcamp Player übrigens für schlappe 8 Euro zum Download zu bekommen!) bietet zwar beide Studioalben plus "El Revengo" nebst den auf "Live Terror" enthaltenen Livetracks, verzichtet aber komplett auf den "Guardians Of The Netherworld"-Tribut und ist damit ebenfalls unvollständig. Es ist zum aus der Haut fahren. Immerhin hat man dafür den passenden Soundtrack:
Ich kann hier nur spekulieren, aber es scheint, als hätte jemand im Umfeld der Band unterschiedliche Verträge mit unterschiedlichen Labels abgeschlossen und damit jeder Partei unterschiedliche Veröffentlichungslizenzen zugeteilt. Die Rechte für die Wiederveröffentlichung der beiden Studioalben als Paket im Doppel-CD Format wurden über den Zeitraum von 1998 bis 2009 an gleich drei Labels vergeben, die CD-Versionen von "El Revengo und "Live Terror" gingen an Blackend, die Vinylfassung hingegen an Back In Black, einem Tochterlabel von Let Them Eat Vinyl, das seine Schallplatten übrigens bei der traditionell mit der Qualitätskontrolle kämpfenden GZ Media pressen lässt. Das Vinyl von "Guardians Of The Netherworld" dürfen The Crypt herausbringen (die "Ugly" von Wargasm mit einem katastrophalen Masteringfehler zersägten), die CD ging an Dark Descent. Und schlussendlich wurde die nun gar nicht mehr so totale "Total Terror"-Box Dissonance Productions zugeteilt. Ich fasse also zusammen: zig Labels, zig Formate, zig Versionen, zig unterschiedliche Songlisten. Wer das alles kauft muss ja ganz schön bescheu...OH HALLO!
Am Ende fällt's dann aber doch, Selbstreflektion und -erkenntnis sei Dank, wieder mal schwer, mit dem Finger auf diesen Saustall zu zeigen und sich zu echauffieren, wenn der ganze Scheiß sich nun eben auf dem heimischen Plattenteller dreht und also gekauft wurde. Denn wenn's keiner kauft, wird's nicht produziert, das regelt eben der Markt und der Markt bin ich. Und Du. Und wir alle. Bis wir uns diesen systemisch so komplex wie banal zusammengedrechselten Schuh nicht endlich anziehen wollen, lauschen wir lieber dem Schweinesystem, das uns unentwegt "Schnauze!" zuruft und damit alles so leicht, einfach, hell und bunt macht. Und halten, genau: die Schnauze.
Wenn's perfekt läuft, freuen wir uns bis zum finalen Untergang wenigstens über die Musik.
Zum Abschluss des vorangegangenen Beitrags zur sehr bizarr kuratierten Zusammenstellung "El Revengo" kündigte ich einerseits bereits an, dass es noch etwas zu zwei bis drei Handvoll Liveaufnahmen Holy Terrors zu sagen gäbe, andererseits ließ ich mir auch sehr reflektiert ins Oberstübchen schauen und also durchblicken, nur totale Quatschköppe würden wirklich diese Schallplatten kaufen - und zu beiden Einlassungen darf ich nun mit dem mir eigenen schlichten Gemüt in Herz und Seele sagen: hier sind wir also. Und Olli "Golfball" Kahn ist auch da. Versprochen ist schließlich versprochen.
Parallel zur Veröffentlichung der Vinylversion von "El Revengo" im Jahr 2017 entschloss man sich bei Back In Black offensichtlich dazu, die zehn Jahre zuvor auf der CD/DVD-Ausgabe erschienenen Livesongs nochmal separat unter dem Titel "Live Terror" unter die Leute zu bringen. Für die Schnittmenge aus Holy Terror-Fans, Alles-Sammlern und Vinyl-Nerds ist das natürlich schön - zumal wie im Falle der "El Revengo"-Platte sowohl der Preis als auch die Qualität stimmt: "Live Terror" erschien als Doppel-LP auf Clear/Splatter-Vinyl im dicken Papp-Gatefold mit großen und schicken schwarz-weiß Bildern im Innencover und bedruckten (wenngleich ungefütterten) Inlays und kostet bei deutschen Versandhändlern gerade mal um die 18 Euro.
Die Aufnahmen stammen von Konzerten in Dendermonde (Belgien), Fort Lauderdale (Florida) und Mailand (Italien). Leider gibt es auch nach ausgiebiger Recherche keine verlässlichen Datumsangaben der jeweiligen Shows - ein auf Youtube hochgeladener und am Ende dieses Beitrags eingebetteter Audiomitschnitt eines Gigs in Dendermonde mit fast identischer Setlist und nur minimal abweichender Songreihenfolge ist auf September 1987 datiert und fand damit vor dem Release des zweiten Albums "Mind Wars" statt - eine Ansage Keith Deens vor "This Immoral Wasteland", dass es sich hierbei um einen neuen Song handele, den die Band noch nie zuvor live gespielt hätte, lässt Rückschlüsse zu, dass dieser Gig tatsächlich für "Live Terror" verwendet wurde. Dies wäre folglich zur Zeit der ersten Europatournee der Band gewesen, die sie im Vorprogramm von D.R.I. bestritt. Zu den restlichen Songs von den Shows in Florida und Italien gibt es leider gar keine weiterführenden Informationen.
Für echte Fans von Holy Terror sind die 14 Songs von "Live Terror" sicherlich ein Fest - nicht zuletzt, weil die Aufnahmen zeigen, wie tight die Band auf der Bühne spielte und welch ein guter Sänger Keith Deen selbst mit grob veranschlagten 18 Promille noch war. Vor allem die wahnsinnig intensiven Tracks des zweiten Studioalbums "Mind Wars", allen voran "Debt Of Pain" und das unwiderstehliche "Christian Resistance", klingen angesichts der unter den bestenfalls als prekär zu bezeichnenden Umständen der Aufnahmen und für das Jahr 1987 wirklich überraschend gut. Vor allem aber klingen sie live, unbearbeitet, roh - inklusive einiger Lautstärkeschwankungen, die sich auf das Album geschlichen haben. Wer ein Ohr auf die seit mindestens 20 Jahren im Metal-Mainstream veröffentlichten sogenannten Live-Alben wirft und sich angesichts ihrer klanglichen Generalüberholung inklusive der nachträglich hinzugefügten, peinlichen und stets überaus künstlich klingenden Zuschauerreaktionen nicht bereits bei Erstkontakt zunächst verascht fühlt und sich anschließend reflexartig vollkotzt, wird "Live Terror" also sicher verschmähen. Und das ist auch richtig so, whimps and posers, leave the fucking hall! Was allerdings ebenso richtig ist: es ist überhaupt nicht notwendig, die Unzulänglichkeiten einer besinnungslos ranschmeißerischen und in potemkinschen Dörfern Megaparties feiernden Metalszene heranzuziehen, um "Live Terror" in besserem Licht erscheinen zu lassen.
"Live Terror" ist das Zeugnis einer wahrhaft außergewöhnlichen und sehr zu Unrecht übersehenen Band.
Warum ich einen ganzen Beitrag auf diesem Blog für diese Zusammenstellung verbrate, muss mir auch erstmal noch jemand bei einer guten Tasse Kaffee erklären, aber am Ende verlangt's wieder mal der analfixierte Kollektivist und darüber hinaus: Komplettist in mir, "El Revengo" nicht nur zu kaufen, sondern auch noch darüber zu schreiben. Beides kann man schon mal machen, wenn die akuten Schmetterlinge im Bauch gerade einen liebestollen Tornado entfachen.
Zumal die Sache komplizierter ist, als es zunächst aussieht, weil die unterschiedlichen Formate von "El Revengo" mit unterschiedlichen Songs und Features bestückt wurden. Wer wie meinereiner mit einem besonders großen Dachschaden durch diese von anderen Besitzern von Dachschäden nicht gerade spärlich besiedelten Welt spaziert und also sein ganzes schönes Geld in den Kauf von noch schöneren Schallplatten steckt, dabei von Labels und Bands gleichermaßen mit limitierten, farbigen und einfach schön gestalteten Exemplaren verarscht geködert wird, wird nach dem Kauf von "El Revengo" zwar eine schöne Doppel-LP mit Klappcover und schick-colorierten Platten in den Händen halten, sich aber beim Blick auf die Tracklist am rammdösigen Rübenfurunkel kratzen: nur die ersten vier der insgesamt 13 Tracks stammen vom Meilenstein "Mind Wars", die übrigen neun wurden vom Debut "Terror & Submission" in einem Block (!) einfach dahinter platziert - und das auch noch in einer im Vergleich zur Originalversion veränderten Songreihenfolge. Auch nach einer sehr ausgiebigen Recherche werden meine Fragezeichen nicht kleiner. Was soll das? Und wer macht denn sowas? Und wer kauft sowas? (<<-- Ich weiß es! Ich weiß es!)
Ein Blick auf die Tracklist der bereits im Jahr 2007 erschienenen CD/DVD-Version von "El Revengo" liefert zwar keine Antworten auf die bestenfalls unglückliche Songauswahl (die ist nämlich für den ersten Teil der CD-Compilation identisch zur Vinylversion), weist aber darüberhinaus noch 14 weitere Tracks aus, die auf einer Audio-CD und in bewegten Bilder gar auf einer DVD verewigt wurden: hier finden sich Live-Mitschnitte von Shows aus Belgien, Italien und den USA aus dem Jahr 1988. Über diese Aufnahmen und Songs wird im nächsten Beitrag noch zu sprechen sein.
Im Webshop des niederländischen Labels Hammerheart Records ist die Vinylfassung von "El Revengo" für schlappe 15.90 Euro zu bekommen und da lasse ich mich nicht zwei Mal bitten - aber wer noch ganz bei Trost ist, fragt sich auch trotz der wirklich schön und hochwertig gestalteten Vinylfassung mit dicker Pappe, Gatefold, Liner Notes und Texten natürlich schon, warum man "El Revengo" im Plattenschrank stehen haben sollte. Für die Musik kommt man als Thrash Metal Aficionado ohnehin nicht um den Kauf der beiden Alben herum. Für eine Best of-Zusammenstellung darf die Songauswahl irgendwo zwischen einem Schlaganfall und Fips Asmussen (abzüglich des "Humors") verortet werden und ist damit völlig indiskutabel. Und für die Livetracks besorgt man sich tatsächlich besser die CD/DVD-Variante - oder wartet noch ein paar Tage ab und bekommt mit meinem nächsten Artikel einen weiteren Grund dafür geliefert, warum sowohl die Musikbranche, als auch -konsumenten sich schnellstmöglich ein paar zärtliche Kopfnüsse von Olli "Abitur" Kahn abholen sollten.
"Mind Wars" ist ein Grund zum Feiern und zum Trauern. Einerseits ist es der kreative Höhepunkt Holy Terrors und vielleicht sogar ebenjener eines ganzen Genres, andererseits ist es auch das letzte Lebenszeichen dieser Band. Ich hätte nur zu gerne gewusst, wie es nach einem solchen Album weitergegangen wäre. Stattdessen beerdigte man die hoffnungsvolle Karriere ein Jahr nach dem Release auch noch ausgerechnet (AUSGERECHNET!!111elfseinsss) in Süddeutschland, bis zum Hals im Sumpf aus Drogen, Suff und Chaos stehend.
Holy Terror haben im Vergleich zum Debut "Terror And Submission" die Regler auf "Mind Wars" noch ein Stückchen mehr in Richtung Wahnsinn gedreht. Die Geschwindigkeit wurde mit Ausnahme des an die NWOBHM erinnernden "This Immoral Wasteland"-Galoppels nochmals angezogen, Sänger Keith Deen lässt nunmehr fast alle Konventionen in Sachen Timing und Satz hinter sich in Flammen aufgehen, die Gitarrenarbeit ist noch präziser, die Melodien sind noch deutlicher herausgearbeitet, die Songs technischer und progressiver. Hinzu kommt eine für meinen Geschmack verbesserte Produktion, die das Album im Vergleich zum Debut insgesamt heavier wirken lässt - vermutlich wird diese Einschätzung nicht von allen Freunden der Band geteilt, aber wenigstens meine klanglichen Vorlieben, (friendly reminder: Dumpf ist Trumpf) werden damit bestens bedient.
Wer sich von der wilden, ungezähmten Zügellosigkeit dieser Platte ein Bild machen will, hört neben dem fassungslos machenden "Debt Of Pain", für das Gitarrist Kurt Kilfelt seine Komposition "Back To Reign" vom Agent Steel-Debut für die um den geschätzten Faktor 17 erhöhte Geschwindigkeit umarrangierte, sowie gleich die komplette B-Seite. Das verspulte "Damned By Judges", der Panzerknacker "Do Unto Others" und das manische "No Resurrection" geben dem Affen schon ordentlich Zucker, aber sie sind schlussendlich alle doch nur das sich dezent erwärmende Vorspiel zum finalen Abriss: "Christian Resistance" ist eine vier Minuten und 40 Sekunden währende Chaosparty, ein mentales Thrash Metal-Fuckfest, die totale Enthemmung. Was hier besonders ab dem Zeitstempel 1:58 passiert, stellt im Prinzip das komplette 80er Jahre Thrash-Universum in den Schatten - und das liegt nicht nur am sich beinahe in die Ohnmacht kreischenden Keith Deen. Die komplette Band spielt sich derart fulminant in Rage, als hätten sie bei den Aufnahmen für "Christian Resistance" auf glühenden Kohlen und gefrorenen Glasscherben gestanden und dabei den Schmerz als wahnhafte Übersprungshandlung in ihre Instrumente gleiten lassen. Einer der größten und unwiderstehlichsten Momente des Thrash Metal.
1989 befand sich die Band mit Exodus und Nuclear Assault auf Tour in Europa. Eines Tages diktierte ein betrunkener Keith Deen einem anwesenden Journalisten in dessen Aufnahmegerät, dass Holy Terror bereits Songs für das dritte Album geschrieben hätten - und außerdem einen neuen Vertrag mit Roadrunner Records unterzeichneten. Um die soeben erhaltene Information zu bestätigen, rief der Journalist bei Holy Terrors Label Music For Nations an, wo man natürlich aus allen Wolken fiel. Das Ergebnis: Music For Nations schmissen die Band sofort von der Tour und frierten jede finanzielle Unterstützung umgehend ein. Anschließend lieferte sich Gitarrist Kilfelt eine Schlägerei mit dem Tourmanager, woraufhin die Band von einer Schlägerbande verfolgt wurde und sich in eine Pizzeria rettete. So strandete man ohne Geld und ohne Unterkunft für zwei Wochen im winterlichen Deutschland und lebte in einem Kleinbus in Deutschlands Watschengesichermetropole Nummer 1 München, bis mit dem gepumpten Geld von Kurt Kilfelts Freundin die Rückflüge in die USA bezahlt werden konnten.
Zu Hause angekommen, zerfiel die Band praktisch umgehend in ihre Einzelteile. Kilfelt, Bassist Floyd Flanary und Schlagzeuger Joe Mitchell zogen von North Hills in Kalifornien nach Seattle, wo sie im Jahr 1997 mit der Punkband Shark Chum das Album "Tres' Homeboy's" veröffentlichten. Sänger Keith Deen zug nach Las Vegas und verstarb dort im Dezember 2012 an Krebs. Gitarrist Mike Alvord blieb in Los Angeles und spielte dort mit ein paar lokalen Bands, die es aber nie in ein Aufnahmestudio schafften. Er gründete im Jahr 2013 mit zwei Freunden aus Italien die Band Mindwars, die es seitdem auf drei Alben gebracht hat, die allerdings weitgehend unbeachtet blieben. Kilfelt ist außerdem mittlerweile Bassist bei der Punklegende Zeke. Er hatte auch Mitte der nuller Jahre versucht, Holy Terror wieder zu reformieren, scheiterte aber zunächst daran, Deen zu überzeugen und später glücklicherweise an der Suche nach einem neuen Sänger.
Ab diesem Zeitpunkt folgten einige eher obskur zu bezeichnende Veröffentlichungen in den kommenden Jahren, und weil ich nicht der verbretterte Flohihaan wäre, der ich tatsächlich bin, müssen wir darüber in den kommenden Tagen eben auch noch sprechen.
Da komme ich einfach nicht drum herum. The full monty.
Die im vorangegangenen Beitrag gemachte Einlassung, Holy Terror seien etwas "für Kenner" ist aus mehreren Gründen so missverständlich wie natürlich trotz allem richtig. Einerseits ist die Band bei aller Bewunderung weder für besonders abseitige noch stilistisch vielschichtige, und damit den Betonkopf herausfordernde Musik bekannt, andererseits könnte mir ein ganz besonders elitärer Strick gedreht werden, weil Flippse Floppse aus 87946 Bimmel an der Schleife sich in seiner Intelligenz oder was gekränkt fühlt. Und das "Gefühl" (Jockel) ist ja so wichtig heutzutage, wer wolle seinen Mitmenschen sowas zumuten? Im Speed und Thrash Metal-Kontext indes, wo viele Metalfans hinter den großen vier Cash-Cows Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax die mentalen Selbstschussanlagen installieren, um bloß nicht aus der kuschlig eingerichteten Gemütlichkeit herausgezerrt und mit wildem, ungeschliffenem, unproduziertem Undergroundstoff konfrontiert zu werden, kann eine Band wie Holy Terror schon als (zu) extrem wahrgenommen werden.
Das 1987 erschienene Debut "Terror & Submission" deutet diesen, sich erst auf dem zweiten Album "Mind Wars" in voller Pracht zeigenden Hang zum Extremen zwar erst an, weist allerdings bereits freundlich darauf hin, dass Familie Einheitsbrei sich bitteschön schnell wegficken möge. Dabei lassen sich vor allem in den Riffs ein paar Verweise zu der Vorgängerband des Gründers Kurt Kilfelt finden, der auf dem vielleicht besten Speed Metal Album aller Zeiten, "Skeptics Apocalypse" von Agent Steel, die Gitarre bediente. Vor diesem Hintergrund ist das stilistische Überhangmandat zum Speed Metal nun keine große Überraschung, aber die etwa zu gleichen Teilen addierten Einflüsse aus rudimentärem Thrash und klassischem Heavy Metal, vornehmlich aus der NWOBHM-Schule sorgen für eine ziemlich einzigartige Mischung. Mir fällt keine andere Band ein, die im Jahr 1987 so klang.
Der finale Tropfen, der für viele Metalfans das Fass sowohl im schlechteren als auch im besseren Sinne überlaufen ließ, war Sänger Keith Deen. Nicht nur war seine Bandbreite von tiefem, aus dem untersten Kohlenkeller herausgerotztem Grummeln über kraftvollen Klargesang bis hin zum extrem hohen und sägenden Kreischen ein wahres Fest für Freunde der fortgeschrittenen Stimmbandakrobatik, aber sein Timing, seine Melodien und das Setzen seiner Gesangslinien prägten den Sound Holy Terrors in unvergleichlicher Weise - bis zu dem Punkt, an dem man dachte, die Band würde trotz ihrer außergewöhnlichen musikalischen Präzision jeden Moment auseinanderfallen. Auf dem Debut muss man in dieser Hinsicht das verrückte "Blood Of The Saints" erwähnen - und natürlich den absoluten Höhepunkt "Mortal Fear". Hier war bereits zu hören, zu was Holy Terror noch in der Lage sein sollten. "Mortal Fear" ist einer dieser Momente, deren glühende Intensität für aufgestellte Nackenhaare und Schweißausbrüche sorgen. Wer in diesem Weltklasserefrain vor schierer Raserei nicht die Wände hochgeht, sollte sich das mit der angeblichen Affinität zum Thrash Metal nochmal genauer überlegen. Oder zur Musik insgesamt.
Holy Terror sollten auf dem Nachfolger "Mind Wars" gleich mehrere solcher Momente verewigen. "Terror & Submission" war nur das Sprungbrett für die nächste Ebene.