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18.01.2026

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #165: Cradle Of Filth - Dusk...And Her Embrace (1996)




CRADLE OF FILTH - DUSK...AND HER EMBRACE


„Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine.“ (Wiglaf Droste)


Ich habe von Black Metal keinen sitzen. Beziehungsweise, und diese Einschränkung sei mir erlaubt, habe ich von jenem Black Metal keinen sitzen, der unter dem Begriff der "zweiten Welle" zu Beginn der 1990er Jahre entstanden ist und anschließend so populär wurde, dass er bis heute die Grundlage für das komplette Genre darstellt. Wenn ich sehr kühn sein wollte, könnte ich mich zu der Einlassung hinreißen lassen, mit der ersten Welle in der ersten Hälfte der 1980er Jahre aufgewachsen und also vertrauter zu sein. Mein Bruder hatte sämtliche relevanten Alben im Plattenschrank: Venom, Celtic Frost, Hellhammer, Bathory; für den frühen amerikanischen Black Metal könnten NME und ihr Album "Unholy Death" (1986) als beinahe solitäre Randerscheinung genannt werden, und ganz vielleicht spielt Possesseds "Seven Churches" zumindest hinsichtlich des Auftretens und des Images noch eine Rolle.


Die Wirkung, die vor allem Venoms "Black Metal" und Celtic Frosts "To Mega Therion" auf den damals gerade mal zehnjährigen Florian hatten, spüre ich beim Anblick der Coverartworks und vor allem der Backcover mit den Fotos der Musiker bis heute. Die Einlassung, "tief beeindruckt" gewesen zu sein, ist geradeheraus ein Euphemismus. In Wirklichkeit hatte ich einfach Angst. Die Inszenierung mit schwarzem Leder, Schminke, Kerzen, umgedrehten Kreuzen (ich war Messdiener - nur falls sich jemand fragt, wo ein guter Teil meines Knacks seinen Ursprung hat), die Aura der mystischen, okkulten, unkontrollierbaren Outlaws und die zahlreich kolportierten Tabubrüche nebst sexuellen Innuendos verfehlten ihre Wirkung nicht. Ich erinnere mich an ein Interview mit Venom im Metal Hammer, in dem überliefert wurde, Sänger Cronos müsse sich nun absentieren und auf den bevorstehenden Auftritt vorbereiten, indem er noch schnell ein paar Leichenknochen kaut, damit's mit der Stimme auch so richtig hinhaut - und so lächerlich das fast vierzig Jahre später klingen mag, so groß war 1987 sowohl die Bestürzung als auch die Anziehungskraft. Zudem fehlten mir abseits dessen, was in den Musikmagazinen stand, jeglicher Kontext und der Austausch mit anderen zur Einordnung. Wer hat als zehnjähriger schon Freunde, die darüber diskutieren wollen, ob sich drei geschminkte Ledertypen aus England an Leichen vergehen und Pferdesex haben? Mein damaliger Freund Martin, den ich zunächst mit meiner Iron Maiden-Manie anstecken konnte, sagte mir eines Tages, er würde jetzt lieber die Pet Shop Boys hören. Hätte mir meine Mutter gesagt, sie sei in Wahrheit ein außerirdischer Goldhamster und müsse nun wieder auf ihren Heimatplaneten UX-9318 zurückkehren, hätte ich selbst dafür mehr Verständnis aufbringen können. Was ich sagen will: Martin kam als Ansprechpartner nicht mehr in Frage.  


In den folgenden Jahren entwickelten sich allerdings sogar in meinem Kopf ein paar Hirnzellen mehr, auch wenn es sicherlich ein paar Weggefährten gibt, die vehement Gegenteiliges behaupten würden. Das waren vermutlich in erster Linie jene, die sich der ab 1991/1992 in Norwegen aufbäumenden zweiten Welle des Black Metals verschrieben hatten und nicht so richtig erfreut darüber waren, dass ich im übertragenen Sinne lieber die Pet Shop Boys hören wollte. Mir fehlte wirklich JEDE Verbindung zu dieser Musik und dieser Szene. Es klang alles scheiße, es war scheiße gespielt, die Typen, und zwar ALLE!, waren offensichtlich scheiße - der braune Nazisumpf, in dem heute Teile der Black Metal-Szene recht feudal und widerspruchsfrei residieren, sowie die Kapitulation der übrigen Szene, inklusive Presse, Labels, Agenturen, Veranstalter, Clubbetreiber und Fans, hat genau dort seinen Ursprung - kurz: ich wollte damit absolut NICHTS zu tun haben. Black Metal war für mich Venom. Und zwar "Für Immer" (Doro). 


Und dieses "Immer" hatte immerhin bis in den Oktober 1996 Bestand, als nämlich die vierte Ausgabe der CD-Beilage des Rock Hard-Magazins erschien. Cradle Of Filth präsentierten hier den Titeltrack ihres just erschienenen Albums "Dusk...And Her Embrace", und obwohl mir der Bandname bereits geläufig war, nicht zuletzt aufgrund der provokanten Cover-Artworks ihrer bisher erschienenen Alben "The Principle Of Evil Made Flesh" und "Vempire Or Dark Faerytales In Phallustein" sowie ihrer teils respektlosen, teils frivolen T-Shirt-Motive, landete die Band bis dato im großen Eimer mit den schlechterdings unantastbaren Bands aus Skandinavien. Was dann allerdings geschah, zählt bis heute zu den größeren musikalischen Revolutionen meines Daseins. Nicht nachhaltig zwar, weil die Tür zum Rest des Genres nach wie vor fest verschlossen blieb, aber ich wurde für die nächsten drei Jahre zu einem beinharten Fan, mit allem Drum und Dran. Zunächst verdrehte mir der Titeltrack tüchtig den Kopf, später das in geradezu euphorischen Zuständen gekaufte Album. Das ist umso erstaunlicher, weil dafür einige ziemlich hohe Barrieren überwunden werden mussten: das typische Black Metal-Gekeife, die Blastbeats, der symphonische Klimbim waren bis dahin für einen, der immer viel Wert auf gute Stimmen und einen guten Groove legte und orchestrale Begleitungen im Metal für Kitsch und ein ärgerliches Missverständnis hielt, gleich eine ganze LKW-Ladung roter Tücher. "Dusk...And Her Embrace" machte mit all dem kurzen Prozess. Plötzlich konnte ich nicht genug davon bekommen. Was zur Hölle ist denn da passiert?


Eine genaue Erklärung dafür habe ich bis heute nicht parat, aber ich kann ein paar Indizien über den Zaun werfen. Erstens klingt "Dusk...And Her Embrace" unglaublich gut - und das bis heute. Ich finde nicht, dass der Platte ihr Alter anzuhören ist. Für damalige Verhältnisse, vor allem, wenn einem noch die unproduzierte Kloake aus Norwegen in der Erinnerung herumschwappt, ist die Produktion geradezu herausragend, weil es der Band und ihrem Produzenten Kit Woolven gelang, die Mehrdimensionalität der Kompositionen einzufangen und deren morbide Dramatik in den Mittelpunkt zu stellen. So wie Slayers "Seasons In The Abyss" exakt so klingt wie das Cover aussieht, nach staubiger Verwüstung, nach Erstickungstod und Agonie, macht "Dusk...And Her Embrace" aus dem Artwork gleich ein ganzes Theaterstück: ein mittelalterliches Schloss im kalten Nebel, Fackeln, Hexen, Dekadenz, Chaos, Syphilis - und mit 27 Jahren liegt man in der Kiste. Irre! Zweitens schlagen die überlangen, verschachtelten Songs unzählige Haken mit wilden Breaks und lassen zeitgleich viel Raum für lange Instrumentalpassagen, beides makellos und maßgeschneidert nachzuhören im achteinhalbminütigen "Funeral In Carpathia" und dessen berühmtes "Never Leave Me"-Break, das gleich mehrere mit unbarmherzigem Drive umgesetzte Speed Metal-Riffs mit eindrucksvoll hymnischer Orchestrierung verbindet. Derlei Komplexität kann ein Handicap sein, wenn entweder der melodische Rahmen bricht oder die atmosphärische Spannung aus den Fugen gerät. Cradle Of Filth halten beide Komponenten über die kompletten 53 Minuten hingebungsvoll auf höchster Intensität, und man kann förmlich hören, wie sie darum kämpfen, die ganze Zeit die Temperatur am Siedepunkt zu halten. Volle Kontrolle bis zur Selbstaufgabe. Drittens hat die Band kompositorisch auch darüber hinaus ein bisschen in die Trickkiste gegriffen und viele Elemente klassischen Heavy Metals in ihren Sound integriert, angefangen bei den von Iron Maiden und der New Wave Of British Heavy Metal beeinflussten Twin-Guitars bis hin zu elegischen Melodiebögen aus dem US- und Epic Metal - es ist in diesem Zusammenhang auch keine besondere Überraschung mehr, dass die Band Maidens "Hallowed Be Thy Name" als Bonustrack coverte. Cradle Of Filth waren im Jahr 1996 deutlich näher an Maiden als an Immortal - und mit Verlaub: das war ich auch. 


Meine heiße Affäre dauerte indes nur knappe drei Jahre. Der 1998er Nachfolger "Cruelty And The Beast" war zwar ebenfalls ein herausragendes Heavy Metal-Album, aber dann wurd's ganz allmählich kalt. Zum einen musste ich miterleben, wie Cradle Of Filth auf der 1999er Tour von ihrer Vorband Napalm Death nach Strich und Faden den Arsch versohlt bekamen, zum anderen nahm die Kapelle, die mehr und mehr zu einem Soloprojekt von Sänger/Texter Dani Filth mit angeheuerten Sessionmusikern avancierte, im neuen Jahrtausend ein paar sehr unglückliche Kurskorrekturen vor und wurde immer mehr zu einer stinknormalen Metalband, die sich offenkundig mehr um Vermarktung und Image kümmerte, als um die Musik. Die wurde in meiner Wahrnehmung immer melodischer, langsamer und damit bräsiger, mit optimalem Zuschnitt auf das, was das Ottonormalmetallerpärchen Heinz und Uschi in der Schrebergartenanlage hören wollen, wenn der Bauplan für den neuen Carport durchkalkuliert werden muss. Offen gesagt: Würde ich jene ungünstigen Entwicklungen der letzten 25 Jahre in Betracht ziehen, wäre hier und heute ein Text über eine andere Platte erschienen. Tatsächlich musste ich ein wenig mit mir ringen, ob ich wirklich nochmal so tief ins eigene fast 30 Jahre alte Badewasser steigen möchte. Der positive Bescheid wurde erst erlassen, nachdem im Sommer 2025 eine Re-Releasewelle durch meinen Sossenheimer Kiez schwappte, ich die 90er Alben nochmal Revue passieren ließ und hocherfreut feststellte: man bekommt den Florian (weitgehend) aus dem Metal, aber man bekommt den Metal nicht aus Florian. "Dusk...And Her Embrace" bringt mir immer noch Glücksgefühle. Trotz der vielen Vorbehalte aus praktisch allen denkbaren Richtungen: Unwithfuckable.



Vinyl und so: Aufgrund der höchstwahrscheinlich ausgesprochen verzwickten Rechtslage ist die 1996 erschienene Version von "Dusk...And Her Embrace" bis heute nicht auf Vinyl wiederveröffentlicht worden, was die Erstpressung womöglich zu einem der meistgesuchten Holy Grails des Heavy Metal macht. Die Preise sind so absurd wie indiskutabel. In eine immerhin gewisse Nähe kommt man heutzutage nur mit jener Version, die den Untertitel "The Original Sin" trägt (und die oben auch auf dem Foto zu sehen ist). Hierbei handelt es sich um eine Aufnahme, die die Band mit anderem Lineup als gedachtes zweites Album für ihr damaliges Label Cacophonous Records einspielte. Kurz darauf verklagte die Band allerdings das Label, zerfiel währenddessen in zwei Teile und hatte "Dusk...And Her Embrace" als rechtlichen Kollateralschaden eigentlich schon abgeschrieben. Erst nachdem im Jahr 1995 "Vempire Or Dark Faerytales In Phallustein" erschien, ein Kompromiss mit Cacophonous Records, um anschließend aus dem Vertrag rauszukommen, konnten Cradle Of Filth mit erneuertem Lineup die Platte erneut, nun unter der Aufsicht des oben erwähnten Kit Woolven, aufnehmen und über Music For Nations veröffentlichen. "Dusk...And Her Embrace - The Original Sin" ist also die ursprüngliche Fassung des Albums. Und das hört man. Ob jene Version einen ähnlichen Eindruck auf mich gemacht hätte wie die später erschienene, möchte ich bezweifeln, aber wer Bock auf ein bisschen Musik-Generde hat, könnte beim Philosophieren über die Dynamiken eines Bandgefüges, dem Einfluss eines Produzenten und ganz vielleicht auch ein bisschen der Größe des Aufnahmebudgets in Freudenschreie ausbrechen.  


Weiterhören: "The Principle Of Evil Made Flesh" (1993), "Vempire Or Dark Faerytales In Phallustein" (1995), "Cruelty And The Beast" (1998)




Erschienen auf Music For Nations, 1996.


09.01.2026

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #166: Deep Space Network - Big Rooms (1993)




DEEP SPACE NETWORK - BIG ROOMS


"Comforting lies deliver more clicks, viewers, listeners and profits than uncomfortable truths” 
(James O'Brien)


Die 2000er Jahre waren hinsichtlich meines Musikkonsums eine Zäsur. Was in den vorangegangenen 15 bis 20 Jahren gekaufte Tonträger waren, also in erster Linie Vinyl und CDs, und zwar nur so viele, wie es zunächst Taschengeld und später Gehalt erlaubten, geriet nun vor allem quantitativ etwas - und das ist die Untertreibung des Jahrzehnts - aus den Fugen. Das lag nicht an den sagenumwobenen Tauschbörsen wie Napster oder Emule - die habe ich tatsächlich nie genutzt. Viel mehr war die Community des ehemaligen Leserforums des Visions-Magazins dafür verantwortlich, dessen Nutzer nach einem völlig in den Sand gesetzten Relaunch der Website und damit des Forums auf selbst- und also nachgebaute Replikate der zur damaligen Zeit durchaus bahnbrechenden Forumsstruktur umzogen. Und was schon zu Zeiten des originalen Visions-Forums eine sehr, nennen wir es "eigenwillige" Gemeinschaft war, wurde mit dem Umzug auf kaum moderierte Plattformen in den folgenden Jahren zur Anarchie.  Das sind jene Zeiten, von denen early adopter heute schwärmen, wenn sie vom "alten Internet" reden. 


Jedenfalls: was die Community damals vereinte und über eine überraschend lange Zeit am Leben hielt, war eine tiefe Verbundenheit zur Musik und zum Kontext, der sie jeweils umgab. Als Musikjournalismus noch nicht mausetot in der Kiste lag, Playlisten noch Mixtapes hießen, Musik nicht in der Hintergrundberieselung elendig verreckte und noch niemand ahnte, welcher infektiöse Klärschlamm uns die künstliche Intelligenz zwanzig Jahre später in den Rachen ballern wird, kurz: als noch nicht alles wirklich komplett scheißegal war, gab es ein großes Interesse am gemeinschaftlichen Austausch. Das passierte nicht nur übers geschriebene Wort, sondern auch über die Digitalisierung des ehemaligen Phänomens des Tapetradings. Was früher auf Kassetten überspielte Musikalben waren, waren nun auf CD gebrannte Musikalben. Das Brennen ging jetzt nicht nur schneller und billiger, es konnte nun auch ein ganzer Sack CDs in einem gefütterten Briefumschlag versendet werden. So bekam ich manchmal bis zu 50 CDs mit neuen Musikalben in der Woche zugeschickt, was je nach Lesart entweder glücklicher- oder dummerweise parallel zu meinem sich erweiternden Korridor für neue Stilrichtungen verlief. Um es etwas weniger neutral zu formulieren: es öffneten sich die Tore zur Hölle des Überkonsums. Man merkt derlei eher ungünstige Entwicklungen oftmals nicht unmittelbar, weil sie von der Euphorie über neue Musik und den sich damit materialisierenden frischen Eindrücke und Perspektiven überlagert werden. 


 Irgendwann aber kamen die ersten Zweifel - und das war unangenehm, weil man sich selbst dabei zusehen musste, wie sich das Engagement, also die bewusste Hinwendung zur Musik langsam zersetzte. Was vor ein paar Jahren undenkbar schien, war nun Realität: Coverartworks und Linernotes verschwanden, damit gab es keine Informationen über die beteiligten Musiker und Produzenten, keine Songtitel, kein Erscheinungsjahr, keine Plattenfirma, kurz: null Kontext. Manchmal vergaß man sogar die Titel der Alben, bevor schon wieder das nächste Päckchen mit zehn neuen Platten im Briefkasten lag. Wir hörten unglaublich viel Musik aus allen möglichen Genres und Epochen - und nahmen fast nichts davon mit. Wir übernahmen nichts, wir bauten nichts ein, nichts konnte sich mehr wirklich mit dem Innern verbinden. Wir häuften irrsinnig viel Wissen an - und wussten nichts mehr. Es erscheint mit Blick auf die Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre fast unmöglich, nicht im Brackwasser des Kulturpessimismus unterzugehen. 


Es war aber auch nicht alles Doom & Gloom. Ich lernte einerseits unglaublich viel neue Musik kennen, die ich ohne diesen Overkill sehr wahrscheinlich niemals gehört hätte, andererseits blieb auch ohne den oben beschriebenen Rahmen eine ganze Menge davon in meinem Leben, und das nun schon über Jahrzehnte hinweg. Eine dieser Platten ist "Big Rooms" von Deep Space Network, einem Projekt von David Moufang aka Move D und Jonas Grossmann. Ihr Debut aus dem Jahr 1993 gilt in eingeweihten Kreisen als Klassiker der frühen Ambient Techno und IDM Bewegung. Freund Jens, der in den neunziger Jahren und nach dem ersten Abebben der großen Alternative-Welle seine zumindest vorübergehende Erfüllung in elektronischen Sounds fand und sich von Downbeathelden wie Nightmares On Wax, Kruder & Dorfmeister, Red Snapper und Morcheeba die Pappen reichen ließ, machte mich in den besagten Nullerjahren auf "Big Rooms" aufmerksam, als ich gerade meine ersten Gehversuche mit stilverwandten Bands und Platten von Jazzanova und Thievery Corporation unternahm. 


"Big Rooms" arbeitet tief im Nervensystem, und das schon ab dem ersten Kontakt. Es ist eine dieser Platten, die praktisch ab dem ersten Ton auffällig anders sind. Denen man einfach zuhören muss. Und die, auch das muss erwähnt werden, mit dem von re:discovery herausgebrachten Vinyl-Release aus dem Jahr 2020 sogar nochmal zusätzlich Gravitas zulegen, weil im konkreten Fall dank eines wirklich sensationellen Masterings die Weite des Raums (pun intended) zur beinahe körperlich spürbaren Erfahrung gerät. Moufang und Grossmann rollen auf dem 75 Minuten dauernden Trip durch Raum und Zeit vom kargen Mondgesteinrauschen bis zum glühenden Milchstraßen-Gangbang auf Steroiden die ganz große Tapete elektronischer Musik aus, verwenden Einflüsse östlicher Musik, weben mystische Sprachsamples in bizarre Fantasiewelten ein, verlegen einen staubigen und von Grasrauch schwer gezeichneten Downbeatteppich, werfen mit links eine Prise reinstes Hochland-Koks auf die Klobrille vom Club und lassen die Kick von der Leine, dösen in einer warmen Augustnacht nackig im Kornfeld, besuchen die Plasmastürme in den Badlands und haben auf dem Rückweg ein Tässchen Ketamin mit Shai-Hulud auf Arrakis. "Big Rooms" verschenkt eine multidimensionale Reise durch spirituelle Welten, und Du bist der Pilot, Du übernimmst das Steuer. Es ist egal, wer Du bist oder woher Du kommst - und es ist auch egal, wohin Du gehst. Alles, was es braucht, ist Dein erster Schritt. 


Vinyl und so: Bitte einfach und ohne weitere Fragen den Vinyl Release aus dem Jahr 2020 von re-discovery kaufen und mir später danken. Für einen Fuffi ist man aktuell bei Discogs dabei. Shoot!


Weiterhören: Deep Space Network Meets Higher Intelligence Agency (1996), Deep Space Network & Dr.Atmo - Intergalactic Federation (1993)






Erschienen auf Source Records, 1993.


05.01.2026

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #167: Stereolab - Transient Random-Noise Bursts With Announcements (1993)



STEREOLAB - TRANSIENT RANDOM-NOISE BURSTS WITH ANNOUNCEMENTS


In Erinnerung an Mary Hansen (1966 - 2002)


Guten Tag zusammen, hier ist Werner Schulze-Erdel, ein herzliches Willkommen bei einer neuen Ausgabe von Familienduell. Auch heute treten wieder zwei Familien gegeneinander an und versuchen mit der höchsten Punktzahl ins Finale einzuziehen. Wir begrüßen Familie Bratwurst aus Erfurt *applaus* und natürlich unsere Titelverteidiger vom letzten Mal Familie Sack aus Gesicht am Rhein *gelächter**applaus*. Jetzt geht's los, starten wir gleich mit der ersten Runde.

Gesucht werden die sechs häufigsten Antworten. Wir haben einhundert Personen gefragt: Welches Wort fasst am besten die musikalischen Strömungen der 1990er Jahre zusammen?

*UMPF* - "Heinrich war am schnellsten, Deine Antwort!" - "Innovation" - "Heinrich sagt: Innovation."

*blingblingblingblingbling* - "Joaaaaa, auf Platz 3 der meistgenannten Antworten, nicht schlecht. Angelika kann das aber mit ihrer Antwort schlagen - Angelika, wie lautet Deine Antwort?" -"Vielseitigkeit" - "Angelika sagt "Vielseitigkeit". Schauen wir mal."

*blingblingblingblingbling* - "Oooooh, Platz 1, sehr gut - dann geht's jetzt mit der Familie Sack auf in die nächste Runde!"

Korbinian, Du bist gerade erst 37 Jahre alt geworden und spielst in Deiner Freizeit am liebsten mit den Unterhosen Deiner Oma. Wir spielen jetzt mit Dir weiter. Biste aufgeregt? Musste nicht, wir sind hier alles Familie, ehehehe. Also: Gesucht werden nun die fünf am häufigsten genannten Antworten auf die folgende Frage; einhundert Personen haben wir wieder gefragt: Welche Band oder welches Musikprojekt verkörperte in den 1990er Jahren Innovation und Vielseitigkeit in ihrer Wahrnehmung am besten? - uuuund die Zeit läuft! 

"Hmmmm…." - "Jetzt aber schnell, Korbinian - die Zeit läuft." "Mmmhhhmmmm…." - "KORBINIAN...." 

- "STEREOLAB!"

Korbinian sagt "Stereolab" - *blingblingblingblingbling* - "OOOOOHHHH - Stereolab auf Platz 1 bis 5 - damit gewinnt Familie Sack den goldenen Plattenspieler vom Fass, herzlichen Glückwunsch! Liebe Zuschauer, das war's für heute, schalten sie demnächst auch bloß nicht wieder ein. Tschüss! 

*zu Korbinian* "Sag mal, hast Du noch so eine Unterho *sendeschluss*

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Ich vergesse immer ein bisschen, wie viele große, populäre Trends in den 90er Jahren außerhalb der von mir bewohnten Alternative-Bubble noch ins gesellschaftliche Kollektiv- und Konsensbewusstsein einbrachen und damit jene kulturellen Weichen stellten, die bis heute für Transport und Kommunikation neuer musikalischer Entwicklungen Verwendung finden - Techno und House, RnB und Hip Hop, Britpop und Eurodance - und wenn wir ein Stockwerk runterfahren und ganz kühn sein wollen, fügen wir noch Postrock hinzu - transformierten die ehemals  kruden Anfänge der häufig nicht mal abgesteckten Genres in Massenphänomene und schufen damit nicht nur global wirkende Identifikationsräume, sondern damit auch zwangsläufig ein hochdiversifiziertes Ökosystem von Subkulturen. Mir ist schon klar, dass derlei Verkürzungen für Organschäden und Wutausbrüche bei meinen Leserinnen und Lesern sorgen können, aber wir sind hier ja auch nicht in einer von Teddy Adornos Vorlesungen, sondern auf einem Deppenblog aus Deppenheim, dessen Depp vom Dienst gerade manisch damit kämpft, diese einigermaßen unerklärliche Band zu dechiffrieren. 

Denn die 1990 von Tim Gane (Gitarre und Keyboard) und Lætitia Sadier (Gesang, Keyboard und Gitarre) in London gegründeten Stereolab sind ein Universalphänomen. Im Opener "Tone Burst" klingt's, als würden Sonic Youth im frühen 20.Jahrhundert die Monster & Mutanten-Show eines Jahrmarkts musikalisch begleiten, im Hit "Pack Yr Romantic Mind" nehmen Stereolab gleich eine Handvoll Postrock Alben aus Chicago vorweg, in "Golden Ball" schrauben sich Velvet Underground - mit Nico, klar -  und die Frühneunziger-Ausgabe von Monster Magnet gemeinsam ins Nirvana, nachdem alle eine Opium-Hochdosistherapie ins Frühstück gemischt bekamen. Der über 18-minütige Frontalangriff "Jenny Ondioline" versammelt bei fast durchgängig und stoisch durchgepeitschtem Uptempo alle großen Hypnoseartisten unserer Zeit, angefangen bei My Bloody Valentine über Sonic Youth und Neu! bis hin zu The Cure, gönnt sich aber mit Sadier's französisch-englischem Kauderwelsch melodisch sehr eindrücklich inszenierte Pop-Momente, die den dunklen Vibe des Songs immer wieder brechen. 

Eigentlich bekommt man das alles nicht so richtig auf die Reihe, diesen Wahnsinn aus dieser albern zischenden Farfisaorgel, dem das ganze Werk durchziehenden kosmischen Retro-Futurismus, den kantigen Gitarrenrock, den naiv-kindlichen Pop-Gesang der beiden Sängerinnen Sadier und Mary Hansen, bei dem man sowieso stets ins Zaudern gerät, ob hier Distanz oder Zugang entstehen soll. Und obwohl hier eigentlich alles "NEUNZIGER!" kreischt, das experimentelle Element, die Courage, die Unberechenbarkeit, die Slacker-Attitüde und nicht zuletzt auch das Coverartwork, hat "Transient Random-Noise Bursts With Announcements" auch 32 Jahre später seinen Biss nicht verloren - zeigt es doch auf geradewegs schockierende Weise, wie viel Innovation, Diversität und mit Verlaub: Aufbruchstimmung wir in den letzten Jahrzehnten an die Gleichmacher verloren haben. Sowas darf einfach nicht in Vergessenheit geraten.



Vinyl und so: Warp hat 2019 insgesamt sieben Stereolab Alben als Deluxe-Editionen wiederveröffentlicht, darunter auch "Transient Random-Noise Bursts With Announcements". Die 2019er Version kommt als Dreifach-LP im Gatefold mit dickem PP-Sleeve und großem Poster und beinhaltet neben der Originalversion des Albums auch noch alternative Songversionen, Demos und bislang unveröffentlichte Mixe. Diese Ausgabe ist noch für um die 35 bis 40 Euro zu bekommen. Im Februar 2025 hat WARP mit einem neuen Reissue nachgelegt, dieses Mal allerdings ohne die Deluxe-Zusätze. Auch hierfür sollten 35 bis 40 Euro einkalkuliert werden. Ich selbst habe erstgenannte Version und halte sie für eine sehr empfehlenswerte Anschaffung. 


Weiterhören: "Emperor Tomato Ketchup" (1996), "Dots And Loops" (1997)





Erschienen auf Duophonic Ultra High Frequency Disks/Elektra, 1993.


27.12.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #168: Spirit Caravan - Jug Fulla Sun (1999)




SPIRIT CARAVAN - JUG FULLA SUN


"I'm pretty sure - and I'm no doctor - but I'm pretty sure, if you die, the cancer dies at the same time. That's not a loss. That's a draw." (Norm Macdonald)


Die Aufnahme von Spirit Caravan in die Liste der besten Platten der 1990er Jahre war eine echte Hängepartie für mich. Nicht musikalisch, weil es diesbezüglich selbst in meinem überdifferenziert tapezierten Oberstübchen keine zwei Meinungen gibt. Allerdings waren die von Sänger und Gitarrist Scott "Wino" Weinrich während der Corona-Pandemie getätigten Aussagen über das Virus, beziehungsweise dessen Herkunft und Bestimmung - irgendwas mit Eliten, Populationskontrolle, biologische Waffen - verbunden mit dem üblichen Remmidemmi mit Klassikern wie "If we, the people, continue to blindly accept this tyranny we are destined for enslavement." - tja, ich bin jetzt geneigt von "entlarvend" oder gar "enttäuschend" zu schreiben, aber am End' war's weder das eine noch das andere. Wino hat schließlich sowohl textlich als auch hinsichtlich früherer Interviewaussagen und Postings auf Social Media abseits der Pandemie so einiges auf dem Kerbholz, das die ein oder andere hochgezogene Augenbraue provozieren könnte. Nun sortiere ich mein "Deppenmusiker"-Wertesystem immer noch recht regelmäßig nach den beiden Hauptkategorien "Unbedenklich" und "Indiskutabel" nebst unterschiedlicher Unter-, Zwischen- und Drübergruppen und entscheide auf Einzelfallbasis, meine: was hält die Gallenkotze noch im Magen und was bringt sie zum Überschwappen? Wen kann ich noch schmerzfrei hören, wer kann im Plattenschrank stehenbleiben, wer wird zur Persona Non Grata erklärt und bedingungslos vor die Tür gesetzt? So verfuhr ich auch für die Auswahl dieser Bestenliste. Das nur als Disclaimer, falls mir irgendjemand im Oktober 2028, wenn der ganze Spuk hier vorbei ist, und wir immer noch am Leben sind, ein "DU HAST [hier bitte Deppenband einfügen] VERGESSEN!" in die Kommentare brettert. Man darf sich sicher sein: habe ich nicht. Beziehungsweise eben doch, aber mit Absicht. Mein Hausarzt fuhr bei meinem letzten Praxisbesuch einen im Gang stehenden Patienten an, der sich weigerte, das Wartezimmer aufzusuchen: "Sie gehen da jetzt rein. Das ist meine Praxis, ich bin hier der Chef, und sie tun das, was ich ihnen sage. Haben wir uns verstanden? Ja? Schön! Also, da geht's lang!" - In diesem Sinne: ich bin sicher, wir haben uns auch in dem just vorangestellten Kontext verstanden. Suck it up. 

Im Falle Spirit Caravan gibt es nun allerdings gar nicht so viel up zu sucken, denn dass also nun mit "Jug Fulla Sun" das Debut dieser bemerkenswert guten Band auf Platz 168 steht, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass meine Wenigkeit sich trotz Winos intellektuell eher unterfordernden Gedankengerölls zu einem prächtig erigierten Daumen hinreißen lassen konnte. Vielleicht ist an dieser Stelle auch die Einlassung noch lohnenswert, dass ich historisch keine ausgeprägte Liebesbeziehung zu Wino und seinen früheren Bands pflege. Ich mag The Obsessed, ich mag ein bisschen St.Vitus, und ich kann sowohl seinen Status als auch Einfluss auf die Subgenres Doom und Sludge anerkennen, aber eine alles durchdringende Liebe war's praktisch nie. 

Das sollte sich immerhin im Winter 1999 ein bisschen und lebenssituationsbedingt im Frühjahr/Sommer 2000 sogar ein ganz viel bisschen ändern. Ich kaufte mir die CD von "Jug Fulla Sun" im so legendären wie mittlerweile leider geschlossenen Frankfurter Plattenladen "Musikladen" im Dezember 1999, als ich es mir zwar bis über beide Ohren verliebt, aber leider nur wochenendbezogen, in der ersten eigenen Wohnung im Frankfurter Stadtteil Rödelheim gemütlich machte und gemeinsam mit Instant-Eistee, Haschgift, handgebatikten Vanille-Kokos-Kerzen und heißer Badewanne rauschende Nächte der Vereinsamung feierte, und sowohl hinsichtlich der Wohnung als auch des Albums nullkommanull Eingewöhnungszeit benötigte. Alles klickte sofort. Die "Graf Koks"-Safranpizza vom Italiener gegenüber, die einsam im Wohnzimmer stehende Ledercouch, olfaktorisch ein vor sich hin glühendes Potpourri aus Benson & Hedges, Douglas-Parfümerie und der B-Ebene im Frankfurter Hauptbahnhof - und dazu läuft dieses sonnige und zugleich melancholische, vor positiver Kraft fast platzende Doom-Fuzz-Stoner-Hippie-Geschoss mit den allerbesten Riffs und Grooves über Tage in Endlosschleife. "Schiebt wie Drecksau!" entfuhr es da Ingo, dem Gitarristen meiner damaligen Band Broken, als die ganze Bande mit Augen, deren Schlitze selbst für Zahnseide noch zu eng gewesen wären, im Proberaum saß und Florians wöchentlichem Musiktipp Folge leistete, also nach getaner Band-Arbeit doch noch ein Stündchen dieser Platte zuzuhören. Es waren bewegte und bewegende Zeiten. 

Die sogar noch etwas lebhafter wurden, als der Winter zur Seite rückte und den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres Platz machte. Als ich mich im neonorangefarbenen Opel Corsa auf den freitäglichen Weg zur Herzallerliebsten nach Nürnberg auf die Autobahn schwang und im ubiquitären Stau mit heruntergekurbelten Fenstern und Atomkriegslautstärke einen solchen Geniestreich wie "Melancholy Grey" mit ausladender Armfuchtelei mitsang, immer und immer wieder. Alles war Sonne, Freiheit, Übergeschnapptheit - und "Jug Fulla Sun" passte sich genau in dieses Lebensgefühl ein. Ich halte das bis heute auch deshalb für so bedeutsam, weil Doom ja oft nicht ohne Grund Doom heißt, mit all seiner Schwerfälligkeit, dem Pathos, der Ausweglosigkeit - und bei aller Nähe für jene tiefgrauen Zustände, empfinde ich das immer ein bisschen zu prominent ins Schaufenster gestellte Leid auch manchmal als überkandidelt. "Jug Fulla Sun" hat damit nichts an der Frisur. Ich könnt's jetzt ganz billig und schnell machen und den ollen "Nomen et Omen"-Spruch bringen. Oder "Draußen nur Sonnenkännchen!". Oder die drei Haschblüten vom Grill, Wino, Drummer Gary Isom und den im Jahr 2022 leider verstorbenen Bassisten Dave Sherman die Sonnenkönige des Doom nennen. 

Genau so wird's gemacht: Spirit Caravan sind die Sonnenkönige des Doom.


Vinyl und so: Das Album erschien 15 Jahre nach der Veröffentlichung 2014 erstmals via Exile On Mainstream auf Doppelvinyl (mit einem schönen Etching auf der D-Seite). 2023 folgte ein neuer Re-Release von Improved Sequence Records auf schwarzem, grünem und gelben Vinyl. Man bekommt beide Editionen noch, aber muss mit um die 60 Euro für die 2023 Version und mit gut 80 Euro für die Exile On Mainstream Pressung kalkulieren. Letztere hat ein Glossy Cover und klingt super.


Weiterhören: "Elusive Truth" (LP, 2001), "Dreamwheel" (EP, 1999)





Erschienen auf Tolotta Records, 1999.

20.12.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #169: Alanis Morissette - Jagged Little Pill (1995)




ALANIS MORISSETTE - JAGGED LITTLE PILL


"Heute ist nicht die Kriegsgegnerschaft, sondern die Kriegsbefürwortung tonangebend. Wer für den Frieden ist, kann nicht mehr für den Westen und für die Freiheit und was auch immer sein. In nahezu allen politischen Fragen heute gibt es im Großen und Ganzen nur Zustimmung. Und die geht bis zu dem Flügel der Linken oder der Regierung, der alles mitmacht, aber immer mit Bauchschmerzen. Abschiebung und Aufrüstung mit Bauchschmerzen." (Jakob Hayner)


Wenn von einer Platte über 33 Millionen Kopien verkauft werden, darf ruhigen Gewissens von Mainstream geredet werden. Und dem Mainstream gegenüber sollte man stets zumindest skeptisch sein. Der Mainstream ist immer gefährlich, zu groß, zu breit, zu laut, zu überall. Mainstream ist auch immer Propaganda. Immerhin erlaubt es die angewandte Skepsis, auch noch mit zeitlichem Versatz darauf reinfallen zu dürfen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Manchmal ist man vom beliebten Schauspiel-Duo "Dumm und Dümmer" eben der Zweitgenannte und gibt einfach langsam nach, beziehungsweise auf. Schmeißt das Handtuch, umarmt den Drachen. 

Denn das ist die Sache: mindestens (!) acht Songs auf "Jagged Little Pill" sind herausragende Hits und gehören in den Kanon der neunziger Jahre wie Parker Lewis, Calvin Kleins "cK One" Werbestrecke und Quarzen im Flugzeug. Und jetzt frage ich Sie: soll die Redaktion von Dreikommaviernull aus Gründen der CrEdIbIlItY etwa darauf verzichten, ein solch wegweisendes Album in die Bestenliste der 1990er Jahre aufzunehmen, weil ein Großteil der 33 Millionen Käufer*innen es zum gemütlichen Sonntagsbrunch mit der auf Sylt kennengelernten Deppenfamilie (Einfamilienhaus, Mercedes SUV, beiger Pullover über die Schultern gelegt) als sanft säuselnde Hintergrundmusik aufgelegt hat?! Oder weil Alanis im Allgemeinen und (der Erfolg von) "Jagged Little Pill" im Besonderen vielleicht dafür verantwortlich gemacht werden könnte, wenn nicht müsste, Sängerinnen wie Katy Perry oder die unvermeidbare Taylor Swift erst möglich gemacht zu haben?! Bevor mir die Fanpost mit den lieblichen Gewaltfantasien ins Haus bombt - ich würde den Teufel tun und letzteres als tatsächliches Argument ins Feld führen: gegen Ende der neunziger Jahre kamen ein paar echte Sackgesichter auf die Idee, ausgerechnet einer Band wie Mudhoney unter die Nasen zu reiben, sie seien Schuld an Creed und Nickelback. Und da fragt man sich, warum Mark Arm immer so schlechte Laune hat.

Jedenfalls: "Jagged Little Pill" bewegt sich in dieser seltsamen Twilight Zone zwischen Pop und Alternative Rock und es braucht nicht viel, um die Vermutung anzustellen, es sei das richtige Album zur richtigen Zeit gewesen. Der in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren gelegte Grundstein für die kulturelle und gesellschaftliche Öffnung, das neue Selbstverständnis der Generation X, so oder so eine Bewegung, die sich mit den Ambivalenzen zwischen Einsamkeit und Autarkie bestens auskannte, und der 1995 beinahe abgeschlossenen Demontage der ersten Grunge-Welle öffnete einer Platte Tür und Tor, die einerseits glatt genug war, um in den Mainstream einzubrechen, andererseits aber sowohl im lyrischen Vortrag über Selbstfindung, weibliche Sexualität und Zorn als auch in der Inszenierung Morissettes als kratzbürstiges Enfant Terrible gerade so viel Edginess versprühte, um die junge Generation anzuzünden. Die Entstehungsgeschichte von "Jagged Little Pill" nimmt exakt diesen Erzählfaden auf und schreibt ihn weiter: Alanis befand sich mit ihrem 1991 veröffentlichten Debutalbum in ihrem Heimatland Kanada schon auf dem Weg zum Star, wurde dann jedoch nach dem sich deutlich schlechter verkaufenden zweiten Album von ihrem Label MCA vor die Tür gesetzt. Nicht zuletzt kamen den Labelbossen Morissettes Ideen zur künstlerischen Selbstbestimmung in die Quere - und die derart von einem gerade mal siebzehnjährigen Mädchen herausgeforderte Männerwelt reagierte so, wie man es von einer von einem gerade mal siebzehnjährigen Mädchen herausgeforderten Männerwelt eben erwartet: "Mädchen, da ist die Tür!" 

Über Umwege machte Morissette 1994 Bekanntschaft mit den Produzenten Glen Ballard, mit dem sie die Songs von "Jagged Little Pill" in Rekordzeit entwickelte. Die Regeln: einen Song pro Tag schreiben und aufnehmen, dazu eine strenge "Maximal 2 Takes Only"-Politik. "Ironic", neben des bebenden "You Oughta Know" der größte Hit der Platte, wurde in gerade mal 20 Minuten zusammengepuzzelt. Und noch ein Eckchen wahnsinniger: selbst als die ersten Aufnahmen später im Studio nochmal etwas verfeinert wurden - unter anderem wurden Dave Navarro und Flea eingeladen, um der Leadsingle "You Oughta Know" mehr Alternative-Flair und -Glaubwürdigkeit zu verpassen - entschied sich das Team Morissette/Ballard dazu, die vormals gemachten Demoaufnahmen der Vocals für die Platte zu verwenden. Nicht, dass es im Jahr 2025 wirklich noch auch nur die klitzekleinste Bestätigung für Morissettes außergewöhnliches Gesangstalent benötigen würde, aber ich möchte dennoch einen Blick in das hier verlinkte "Songs That Changed Music" - Video empfehlen, in dessen Verlauf ihre von der Musik isolierte Stimme zu hören ist. Es ist schlicht atemberaubend. Diese Spontanität und Lebendigkeit, aber auch die dadurch entstehende Unvollkommenheit waren, und sind es bis heute, die Schlüssel für den Erfolg von "Jagged Little Pill". Das - und freilich zwölf Songs, die alle als Single funktionieren könnten. Kritiker wie Anthony Fantano äußern sich zwar bisweilen zurückhaltender, weil die Songs abseits der großen Hits das Album nicht tragen könnten, aber ich stimme derlei Einschätzungen nicht zu. Ganz im Gegenteil möchte ich speziell auf "Forgiven" verweisen, den für mich besten Song dieser Platte, mit fünf Minuten Spielzeit vielleicht alleine deshalb nicht unbedingt singletauglich, aber sowohl musikalisch als auch textlich - Katholizismus und die damit vor allem für Frauen verbundenen Schuldgefühle - ein herausragendes Beispiel für einfach brillantes und zeitloses Songwriting. Es ist fast unmöglich, sich der Anziehungskraft von "Jagged Little Pill" zu entziehen, Mainstream hin oder her.  


Vinyl und so: der durchschlagende Erfolg des Albums macht es möglich, "Jagged Little Pill" selbst im Jahr 2025 zum kleinen Preis von manchmal sogar unter 20 Euro auf Vinyl erleben zu können. No-Brainer. 


Entgegen der gängigen Praxis, an dieser Stelle das ganze Album einzubetten, zeige ich euch dieses Mal lieber das Fernsehdebut von Alanis Morissette in der Late Night Show von David Letterman (übrigens mit Taylor Hawkins am Schlagzeug) aus dem August 1995 mit der Hitsingle "You Oughta Know". Aus Gründen des Wirbelwinds.

          



Erschienen auf Maverick, 1995. 


15.12.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #170: Blind Melon - Blind Melon (1992)




BLIND MELON - BLIND MELON

"I know we can’t all stay here forever 
So I want to write my words on the face of today 
And they’ll paint it"
(Blind Melon, "Change") 


Das 1992 erschienene Debut von Blind Melon eignet sich bestes dazu, ein paar scheinbar festzementierte Erzählungen über die sogenannte alternative Rockmusik aus der ersten Hälfte der neunziger Jahre in Flammen aufgehen zu lassen. Dafür zündet man zunächst mal die komplette Musikpresse und anschließend die PR-Abteilungen der Majorlabels an, die beide zu gleichen Teilen dafür verantwortlich waren, einer ganzen Generation von Musikfans erfolgreich zu vermitteln, dass praktisch alles, was vor "Nevermind" erschien, überholter und altmodischer Kernschrott war - während sie gleichzeitig Bands vermarkteten (das Wort ist mit Bedacht gewählt, fyi), die sich musikalisch bei fast allem bedienten, was eben vor fucking "Nevermind" erschien. The Black Crowes, anyone? Monster Magnet, anyone? Und natürlich: Blind Melon, anyone? "The Great Grunge Swindle", der noch ungeschützte Titel meines noch ungeschriebenen Buches. Don't hold your breath.   

Blind Melon hatten es in dieser Hinsicht entweder doppelt leicht oder doppelt schwer, je nachdem, welchen Standpunkt man einnimmt. Die 1990 in Los Angeles gegründete Band ging mit der im Juni 1993, und damit neun Monate nach Albumrelease ausgekoppelten Single "No Rain" nebst des ikonischen Videoclips endgültig durch die Decke und verkaufte alleine in den USA über drei Millionen Alben des Debuts. "No Rain" war dabei in Hinblick auf den Vibe des Albums und der Außenwirkung der Band gehörig missverständlich, denn der leichte Swing mit niedlicher Hippiebestrahlung ließ darauf hindeuten, Blind Melon seien Susi Sorglos sein Vadder und also frech, frei und unbeschwert. Tatsächlich war der Text von der damaligen Freundin von Bassist Brad Smith inspiriert, deren Depressionen sich unter anderem darin zeigten, dass sie sich beschwerte, wenn es nicht regnete,  tagelang das Haus nicht verließ und stattdessen im Bett blieb und unentwegt Bücher las. So befassten sich auch die übrigen Texte des Albums überwiegend mit den eingetrübten Momenten menschlicher Existenzen und deren emotionalen Tiefpunkten. Zusätzlich sorgte der Erfolg von "No Rain" dafür, die Band im erweiterten Szenekreis als One Hit Wonder abzustempeln. Angesichts der beeindruckenden Sammlung echter Deep Cuts auf diesem Debut ist das zwar völlig bizarr, aber ich fürchte, so funktioniert das Geschäft.  

"I was born on the banks off a hot muddy river
The child of one stupid steamy night
Born to roam beneath the sun
What do you think of me, I’m better left alone"

Es ließen sich ganze Bücher über die Vielseitigkeit und Musikalität dieser Band füllen. Der mühelos erscheinende und authentische Groove zwischen Funk und Classic Rock von einer der zeitgleich besten sowie unterbewertesten Rhythmusgruppen der Rockszene - Glen Graham spielt am Schlagzeug um sein Leben; was für ein Drummer, fuck me! - und die Kreativitätsexplosionen der beiden Gitarristen Roger Stevens und Christopher Thorn, die praktisch niemals dasselbe spielen, sich hier mal annähern, bevor sie sich dort wieder voneinander distanzieren und wie zwei verliebte Schmetterlinge auf psychedelischen Drogen unbeirrt um sich herum kreisen, bilden den Rohbau ihrer Musik mit sich überdeutlich zeigenden 1970er Merkmalen aus dem Hitkoffer von Led Zeppelin oder auch ZZ Top. Trotz aller Reminiszenzen an eine musikalische Ära, mit der die Zeit, mit Verlaub, alles andere als gnädig umging, klingt "Blind Melon" auch 33 Jahre nach der Veröffentlichung so frisch, lebhaft und anziehend wie am ersten Tag, nicht zuletzt durch die gleichfalls unverfälschte Produktion von Rick Parashar, der schon Pearl Jams "Ten" betreute und das lebendige, schöpferische Moment der größtenteils live eingespielten Cuts in der Zeit einfrieren konnte. Und natürlich muss man in diesem Zusammenhang Sänger Shannon Hoon erwähnen. Der 1995 viel zu früh verstorbene Sänger aus Lafayette trägt diese Songs in den Obertönen mit seiner charakteristischen Stimme in die Ewigkeit. Was für ein Talent. Diese Leichtigkeit, dieser Instinkt. Und immer noch: was für ein Verlust. 

Ähnlich wie im Falle Candlebox und deren zweitem Album "Lucy" könnte auch bei Blind Melon die Frage diskutiert werden, ob das im Vergleich zum erfolgreichen Debut kommerziell eher enttäuschende Nachfolgealbum "Soup" aus künstlerischer Sicht das bessere Werk ist. Ich halte mich in beiden Fällen ein bisschen zwischen den Welten auf. Mehr Szenepoints ließen sich vermutlich mit "Lucy" und "Soup" machen, und es gibt auch abseits derart trivialer Ego-Wanks einige gar nicht so üble Gründe, die vermeintlichen schwarzen Schafe der Diskografie interessanter zu finden. Die Nadel schlug nun bei beiden Bands minimal zu Gunsten ihrer Debuts aus - und wenn ich damit Leben kann, könnt ihr es auch. Muss man's so oder so gehört haben und lieben? Sowieso!


Vinyl und so: Ich mach's kurz. Für die Erstpressung muss man einen Bausparvertrag auflösen, das ist inakzeptabel. Vor allem, weil der 2014 erschienene Repress von Music On Vinyl klanglich wie gewohnt eine echte Sensation ist. Wer etwas anderes behauptet, und ein Blick in den Kommentarbereich auf Discogs bestätigt es, hat Bauschaum in den Ohren. Die Leute sind wirklich alle völlig beknackt. Mit um die 30 Euro ist man dabei. Muss man eigentlich haben. Isso.


 


 Erschienen auf Capitol, 1992.  




21.11.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #172: Therapy? - Troublegum (1994)




THERAPY? - TROUBLEGUM


"Sometimes I don’t listen to anything; I listen to birds." (William Basinski)


Sowohl Umfang als auch Qualität meines musikalischen Frühlings- und Sommerkatalogs des Jahres 1994 waren atemberaubend. Ich war in der 11.Klasse und hatte mich just aus dem erschütternden Tief des Halbjahreszeugnis' mit gleich zwei glatten Fünfern in Geschichte und Chemie erfolgreich herausgeschaufelt, die neuen Alben von Fates Warning, Soundgarden, Tiamat und Vicious Rumors in Dauerschleife auf den Ohren, und außerdem blickte ich auf einen weiteren Sommer im Glitzerfummel auf den Rollschuhbahnen des germanischen Kartoffelackers:



Ach, was für ein Jahr!

Etwas "auf den Ohren" zu haben klingt zwar ein bisschen nach Boomer-Bernd, aber es war ziemlich wörtlich zu nehmen, wenn ich mir auf den täglichen Busfahrten ins Training meine neuen Lieblingsplatten mittels Walkman und den steinzeitlichen, weil auf den Ohren aufsitzenden Kopfhörern in die aurale Blutbahn feuerte. Der große Nachteil dieser Kopfhörer war, dass sie mit ihrem dünnen Klappergestell alles andere als fest auf den Ohren lagen - und weil Rebelli-Flori seine Musik immer zwei Handvoll Dezibel über der Schmerzgrenze hören wollte und der aus den 1980er Jahren stammende Walkman noch keine Lautstärkelimitierung eingebaut bekam, wurde also der ganze Scheißbus mitbeschallt. Aus heutiger Sicht eine völlige Zumutung, damals war ich aber davon überzeugt, es so genau richtig zu machen. Nun waren manche Platten entweder schon im Original etwas leiser gepegelt, oder die Schrottaufnahme auf der schon zigfach durchgenudelten Kassette glättete die lautesten Stellen, womit sich die irritierten bis bösartigen Blicke der Mitreisenden in Grenzen hielten. Aber dann kam "Troublegum". 

"Troublegum" ist ungeheuerlich laut. "Troublegum" hat einen unerbittlichen Punch; die Snare alleine kann töten. Und "Troublegum" war folgerichtig dafür verantwortlich, zum ersten und einzigen Mal wegen der Lautstärke im Bus angeraunzt zu werden. 

Das vierte Studioalbum der nordirischen Band ist nicht nur wegen seiner Produktion einzigartig. Streng genommen kam mir auch aus stilistischer Sicht bis heute keine vergleichbare Platte unter. Die Noiserock-Elemente der Vorgängeralben vermischen sich hier mit melodisch-abgedunkeltem Punk, abgründigem Postpunk und einem indifferenten Goth-Vibe mit Teenage Angst in den Texten. So erinnert der Refrain von "Hellbelly" ein kleines bisschen an den Type O Negative Hit "Black No.1", "Lunacy Booth" (mit Silver Fishs Lesley Rankine als Gastsängerin) gar an die legendären Warrior Soul und deren Spiel mit Harmonien zwischen dem führenden Bass und der flächenbildenden Gitarre. "Femtex" channelt in den Strophen Metallicas "One" und über praktisch jeder Note dieses Albums schwebt sowieso der Geist von Helmet: 


"We went on tour with Helmet in America and we just loved the way they used the power of the riff to stop and start, with these staccato blasts." (Andy Cairns)


Wo hat man eine solchen Mix mit diesem Zug, diesem Drang vorher oder nachher nochmal gehört? Ich glaube es Ihnen, auch wenn nur Sie es wissen. Und apropos Helmet: deren Gründer/Sänger/Gitarrist Page Hamilton spendierte sogar ein Solo für den Song "Unbeliever", den Therapy? nach Abschluss der Aufnahmen unbedingt als erste Single auskoppeln wollten. Nach dem Veto der Plattenfirma ("Wir haben euch noch nie in irgendwas reingeredet, aber das ist eine wirklich schlechte Idee!") wurde es schlussendlich "Nowhere" - und damit zu einem ihrer größten Hits. Cairns: "I guess they were right."

Über dreißig Jahre nach der Veröffentlichung klingt "Troublegum" immer noch irrsinnig gut und dazu sogar überraschend zeitgemäß. Dass man hier auf keine vielschichtigen und komplexen Songstrukturen stoßen wird ist ebenso eine Wahrheit wie dass über die zigfachen Wiederholungen der Refrains mit ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit diskutiert werden müsste. Vielleicht fehlt damit auch ein bisschen...Gravitas?! Aber, und auch das gehört zur Einzigartigeit von "Troublegum": es ist und bleibt einfach eine fast schon unwirkliche Ansammlung von Hits. Nicht nur die im besten Fall üblichen zwei oder drei - nein, vierzehn! Vierzehn Hits! 

Vierzehn spektakuläre, fantastische, fucking unkaputtbare Hits. 


Vinyl und so: Die Erstpressung auf grünem Vinyl in gutem Zustand bekommt man für etwa 70 Euro. Die günstigere Variante ist die Wiederveröffentlichung von 2021 von Music On Vinyl auf schwarzem Vinyl, die es immer noch für um die 30 Euro gibt. Auf Discogs sind Kommentare zu lesen, die sich über den Sound ebenjener Version beschweren, aber die Leute sitzen wie so oft einfach alle auf ihren Ohren: Die 2021er Pressung klingt absolut fantastisch und sei meinen ehrenwerten Leserinnen und Lesern hiermit dringend empfohlen. Zum 30.Jubiläum wurde das Album 2024 außerdem noch mit zwei neuen Re-Releases bedacht: eine Standardversion auf Caramel-Vinyl und die Deluxeversion als Doppel-LP in den Farben Silber und Lavendel. Kein Gatefold und keine Linernotes, dafür aber (bereits veröffentlichte) Single B-Seiten und EP-Tracks auf der zweiten LP. Ich kenne diese Variante nicht, aber auch wenn sich das verantwortliche Presswerk GZ Media in den letzten Jahren hinsichtlich der Qualität ihrer Pressungen durchaus verbessert hat, mahne ich vor allem angesichts des hohen Preises (50+ Euro) zur Vorsicht. 


Weiterhören: "Infernal Love" (1996), "Nurse" (1992)




Erschienen auf A&M, 1994.


08.11.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #174: Depeche Mode - Songs Of Faith And Devotion (1993)




DEPECHE MODE - SONGS OF FAITH AND DEVOTION


"Unter der Herrschaft des Kapitals ist alles Ware und muss für Geld zu haben sein: Autos, Bananen, Waffen, Exportlizenzen, Parteien, Abgeordnete, Minister, Präsidenten, Professoren, Zeitungen, Enthüllungen, Stasiakten, Stasiaktenverwalter, Bänkelsänger, Meinungen, Männer, Frauen. Was so anklägerisch klingt...ist durchaus ein zivilisatorischer Fortschritt: Geld regelt, was in einer Gesellschaft der Ungleichen sonst mit Gewalt geregelt werden müsste." 
(Hermann L. Gremliza)


Vorbemerkung: Die Herzallerliebste erkennt jeden Song von Depeche Mode bis einschließlich jene vom Album "Ultra" nach etwa drei zehntel Sekunden. Ich finde das zu gleich Teilen schockierend und schockierend. Und weil es somit einfach keine bessere Person gibt, das Review zu "Songs Of Faith And Devotion" zu schreiben, habe ich die Herzallerliebste darum gebeten, eben das Review zu "Songs Of Faith And Devotion" zu schreiben. Erfreulich: sie hat zugestimmt. Sie lesen nun also einen Gastbeitrag von Super-Schnibi. Enjoy!


Rückblick auf Mitte 1983 - mein frisch mit blauer Wolkentapete verkleistertes Zimmer - vor meinem Kassettenradio - aufgeregt wartend, dass die angekündigte neue Single "Everything Counts" gespielt wird, damit ich auf den "Record"- und "Play"-Knopf gleichzeitig drücken kann. Natürlich labert der Radiomoderator am Schluss rein. Aber ich habe es auf Kassette und kann morgen in der Schule damit angeben. Und jetzt auch noch mal.

Als Flow mich gestern fragte, was denn wohl mein Lieblingsalbum von Depeche Mode wäre, wusste ich intuitiv, dass es "Songs Of Faith And Devotion" ist. Aber ich musste sichergehen, und so haben wir gemeinsam alle Alben im Schnelldurchlauf Revue passieren lassen. "Songs Of Faith And Devotion" hat Tiefe, die auf früheren Alben nicht so weit im Vordergrund stand. Musikalische Tiefe durch die für Depeche Mode damals "REVOLUTIONÄRE!!!" Öffnung für analoge Instrumente und das menschliche Element der Imperfektion. Martin Lee Gore sorgte für lyrische Intensität mit Wanderungen durch die schattigen Höhlen seines Daseins. Dave Gahan sang diese Texte dann mittels einer mit Heroin getäfelten Stimmritze ein. Nicht zuletzt sind Alan Wilders Soundstrukturen voll abgestimmt auf den selbstzerstörerischen Vibe. Mehr Bass, mehr Verzerrung, mehr Rock, mehr Roll.

Das Album und der Zustand der Band und ihrer Mitglieder passen in die Zeit Anfang 1990, geprägt von Drogen und Verzweiflung, hoffnungslos der eigenen Unzulänglichkeit ausgeliefert. Alles selbstsezierend, dunkel und kaputt. Das Lebensgefühl also recht ähnlich wie heute.

Anders als zur damals zeitgenössischen Weltuntergangsmusik kann man zu dieser Depression jedoch gut tanzen. Das Phänomen der deutschlandweiten Depeche Mode-Partys liegt wahrscheinlich genau darin begründet. Mild abwegige/abartige Texte mit tanzbaren Beats unterlegt. Durch die Jahrzehnte der wilden Kindheit/Adoleszenz und Erwachsung waltzend. Angereichert mit genretypischen Stücken aus den dunkelbunten 80ern. 

"Um die früheren Werke zu mögen, muss man dabei gewesen sein." (Herr Dreikommaviernull). 

Ab "Black Celebration" kann man auch ohne viel Cringe mittanzen. Ich freue mich schon auf die nächste Depeche Mode-Party. Für mich ganz ohne Cringe.



Vinyl und so: Mittlerweile sind die klassischen Alben von Depeche Mode fast permanent und in mehreren Versionen von gleich mehreren Herstellern/Labels auf Vinyl verfügbar - und oft auch noch zu überraschend anständigen finanziellen Konditionen. Mein Exemplar aus der 2016 erschienenen "Legacy"-Reihe hat ein sehr schön anzuschauendes (aber furchtbar zu fotografierendes, ähem!) Glossy-Gatefold-Cover mit Liner Notes und Texten auf schwarzem Vinyl und klingt großartig. Obacht vor der Flut von Bootlegpressungen - es gibt wahrlich genügend offizielle und gut klingende Versionen, sodass die Bootlegs eigentlich völlig überflüssig sein sollten.


 



Erschienen auf Mute, 1993.

02.11.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #175: Coroner - Grin (1993)





CORONER - GRIN


"Don't you know you adore
An eagle with broken wings
Roses that never bloom
Wheels that never spin
Bells that never ring
Hands too far to reach"
 
(Coroner, "The Lethargic Age")


Coroner galten stets als europäisches Äquivalent zu einer Band wie Voivod. Beide Bands fanden ihre Wurzeln in der Ursuppe der aufkeimenden Speed und Thrash Metal-Bewegung der ersten Hälfte der 1980er Jahre, begannen aber sehr schnell damit, in progressive, technisch ambitionierte Bereiche auszuschlagen. Künstlerisch waren sie damit der Konkurrenz in ihren jeweiligen Kontinenten immer zwei, drei Schritte voraus, kommerziell hingegen kamen sowohl Voivod als auch Coroner nie so recht über ein "Nischendasein mit Kultstatus" hinaus. Es ließe sich zwar darüber reden, ob sich Coroner jemals so weit aus der Komfortzone herauslehnten wie das kanadische Quartett auf Alben wie "Nothingface" oder "Angel Rat", aber spätestens mit ihrem 1989er Album "No More Color" war immerhin klar, es hier nicht mit einer Thrashkapelle von der Stange zu tun zu haben. Der 1991er Nachfolger "Mental Vortex" vertiefte die eingeleitete Entwicklung nicht nur hinsichtlich immer komplexer werdenden Arrangements, die Band legte auch deutlich mehr Wert auf die im Thrash Metal oft brach liegenden atmosphärischen Zwischenebenen.

Mit "Grin" bekam jener Aspekt größeren Raum als jemals zuvor eingeräumt. Wurde ein Großteil der früheren Intensität vor allem durch die Mischung aus Geschwindigkeit und schierer Überforderung mittels diffiziler Kompositionen erzielt, verdichtet "Grin" den musikalischen Raum mit Monotonie und Groove. Und einer, man muss das so sagen, überaus strengen und dominanten Ansprache von Sänger Ron Royce. Wer sich früher demütigen lassen wollte, ging mal schnell aufs Straßenverkehrsamt, heute lässt man sich von Royce verbal auspeitschen - und zwar mit überzeugter Boshaftigkeit. Das ist zweifellos eine beeindruckende Performance, aber da muss man schon der Typ für sein. 

Es mag zunächst ein bisschen widersprüchlich erscheinen, aber indem das Trio ihren Songs mehr Platz lässt, verstärkt sich gleichzeitig das Gefühl der Enge; ein Stilmittel, das sich Coroner ganz eventuell bei einer Band wie Ministry abgeschaut haben könnten, deren damals gerade aktuelles Album "Psalm 69" sehr erfolgreich Industrial mit Metal vermischte und zu einem der Meilensteine des damaligen Zeitgeists wurde. Im Grunde durchliefen Coroner eine ähnliche Entwicklung wie beispielsweise Sepultura von "Arise" zu "Chaos AD" oder auch Morgoth von "Cursed" zu "Odium", indem sie einen Ausweg aus der kreativen Sackgasse des klassischen Thrash und Death Metals suchten und ihn im Groove fanden. Coroner machten in dieser Hinsicht mit "Grin" möglichweise den größten Sprung, aber sie waren auch besser vorbereitet: die mit "No More Color" und "Mental Vortex" eingeleitete Entwicklung ist vor allem im Rückblick völlig plausibel und folgerichtig. 

"Grin" ist tiefschwarz, kalt, abgründig, klaustrophobisch und unangenehm. Wer all das in seiner Essenz überprüfen möchte, ist eingeladen, sich dem am Ende des Albums platzierten Dreiklang aus "Paralized, Mesmerized", "Grin (Nails Hurt) und "Host" zu widmen. 

A lesson in punishment. 



Vinyl und so: Über die Erstpressung von 1993 darf man sprechen, wenn Aussicht auf eine schöne Erbschaft besteht, ansonsten versucht man es mit dem Reissue (Doppel-LP, grünes Vinyl) aus dem Jahr 2018 und ist mit schlappen 30 Euro dabei. Ich möchte hier allerdings darauf hinweisen, dass der Sound der letztgenannten Version signifikant angepasst wurde. Auf Discogs beschrieb ein Nutzer den Unterschied mit "komplett veränderter Ästhetik" und liegt damit ziemlich richtig. Die Bässe wurden deutlich reduziert, zeitgleich hat man die Mitten verstärkt. Das führt zu einem giftigeren Gitarrensound, einer heller klingenden Snare und einem dadurch insgesamt deutlich klareren, transparenteren Klangbild. Ob das dem Album nützt oder schadet, beantwortet das eigene Stilempfinden. Aber wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass es in erster Linie anders ist.


 


Erschienen auf Noise Records, 1993.


25.10.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #176: Skin Yard - 1000 Smiling Knuckles (1991)




SKIN YARD - 1000 SMILING KNUCKLES


"Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank." (Bertolt Brecht)


Ich weiß nicht, wer das im Jahr 2025 noch wirklich lesen muss, aber ich weiß, wer es 2025 dennoch ins Internet reinkotzt: Die großen vier Alben des Grunge waren kein Grunge. Und weder begann Grunge mit "Nevermind", noch starb er im April 1994 in einer Gartenlaube in Seattle - wobei man ganz eventuell und zumindest metaphorisch über letzteres diskutieren könnte. An schlechten Tagen halte ich beispielsweise Pearl Jams "No Code" für katastrophaler als Cobains Freitod, an guten Tagen bin ich überzeugt davon, Grunge existiere außerhalb jeder gesellschaftlichen Strömung und damit sowieso bis in alle Ewigkeit. Aber lassen Sie mich flott den nächsten "Schocker" (Franz-Josef "Grappa" Wagner) raushauen, ich bin gerade in Stimmung: "Superunknown", "Dirt", "Ten" und eben "Nevermind" waren Pop-Produktionen. Und was sich ohne Fußnote zunächst so despektierlich anhören mag, ist wirklich gar nicht so gemeint. Aber ich bezweifle, dass wir uns argumentativ der Flat Earth Society annähern, wenn wir einerseits Butch Vig's Geniestreich auf "Nevermind" als Quantensprung als auch Paradigmenwechsel in der Inszenierung von populärer Rockmusik bewerten und andererseits betonen, wie stark dieser Produktionsstil konzeptionell darauf ausgerichtet war, möglichst minimale Reibung bei maximalem Ertrag zu erzeugen. Was indes in Seattles Untergrund ab circa 1985 langsam vor sich hin brodelte, hieß bis 1991 allerhöchstens Garagenrock, war aber letzten Endes die Ursuppe für das spätere Massenphänomen. Und wie es so oft ist: die Ursuppe will niemand auslöffeln. 

Skin Yard waren eine der allerersten Grungebands (sic!) der Stadt und tauchten zusammen mit Soundgarden, Green River, U-Men, Malfunkshun und den Melvins auf der 1986 erschienenen "Deep Six"-Zusammenstellung von C/Z Records auf. Dabei passt der Begriff der "Ursuppe" nicht nur auf die stilistische Ausrichtung ihres Sounds in Hinblick auf das, was Grunge später werden sollte; Skin Yard waren die heavy-sludgy-groovy-slowy-Könige Seattles - er ist auch bestens dafür geeignet, die Personalsituation der ganzen Szene zu bezeichnen. (Fast) alles, was Rang und Namen hat, wurde durch Skin Yard's Geschichte geschleust, vom späteren Schlagzeuger Soundgardens Matt Cameron, über Tads Steve Wied und Greg Gilmore von Mother Love Bone bis hin zu Barrett Martin, der später bei den Screaming Trees und bei Mad Season spielen sollte. Die Liste ist lang. Damit kann ich es mir auch ein bisschen leisten, ganz nonchalant Produzentenikone und Gitarrist Jack Endino im Nebensatz zu erwähnen, der nicht nur Gründungsmitglied ist, sondern als einziger Musiker jeder Inkarnation Skin Yards angehörte. 

Das vierte Skin Yard Album "1000 Smiling Knuckles" erschien im Herbst 1991 und wurde zum erfolgreichsten Album der Band. Es taucht seitdem auch regelmäßig in Publikationen auf, die mit "Zehn unbekannte aber essentielle Grunge-Alben" oder "Die zehn heaviesten Grunge-Alben" überschrieben sind, und das aus guten Gründen: die Mischung aus emotionaler Tiefe, nicht zuletzt forciert aufgrund des ausdrucksstarken Gesangs von Ben McMillan, der nach dem Ende Skin Yards die kriminell unterschätzten Gruntruck gründete und stimmlich immer wieder an den frühen Chris Cornell erinnert, und tiefergelegt-pochenden Riffkaskaden mit stampfenden Grooves ist praktisch die Blaupause dessen, was sich unter dem Begriff "Grunge" verstehen ließe, hätte es "Nevermind" nie gegeben: ein sehr robuster Drive, Schmutz, Schwerfälligkeit und zugleich Dynamik, Melodie, aber keinen Kitsch. In den Obertönen haben wir Schweiß im Angebot, ein bisschen Pumakäfig, Budweiser und Marlboro. Ausfallschritt zur Seite, Les Paul, Ellenbogen im Gesicht. It never gets old. 


Vinyl und so: Auf einen Reissue wird man wohl noch lange warten müssen, daher sieht's mit der Verfügbarkeit der Erstpressung nicht ganz so rosig aus, aber ich möchte sagen: solche Originale hat man auch gefälligst im Original zu haben und zu hören. Isso. Das Album erschien in zwei Vinylfassungen auf schwarzem sowie lila Vinyl und ist mit etwas Glück für etwa 70 Euro (schwarz) und 100 Euro (lila) zu bekommen.





Erschienen auf Cruz Records, 1991.  

18.10.2025

My Nineties Were Better Than Your Nineties - #177: L7 - Bricks Are Heavy (1992)




L7 - BRICKS ARE HEAVY


"Everybody have a breakdown!" (L7)


Vom Blind Guardian'schen Hobbitdorf im teutonischen Märchenwald geht's direkt auf den Sunset Boulevard und die überhitzten Straßen Hollywoods, das darf man eigentlich auch niemandem erzählen. Aber auch wenn es ein bisschen gestelzt wirken mag, stets darauf hinzuweisen, waren das eben die neunziger Jahre. Meine neunziger Jahre. Schwanzrock, Schrebergartenmetal, nihilistischer Death Metal - und dazu geblümter Alternative Rock, bekiffter Grunge, melodischer Punkrock. Mir würde nie einfallen, die Grenzen zwischen all dem nicht anzuerkennen, aber gleichzeitig war alles sowohl Basis als auch Weg zur Selbstidentifikation. 

Das gilt auch für L7 und ganz besonders für "Bricks Are Heavy". Mein Bruder hatte sich die CD gekauft und ich weiß noch, wie der Hit "Pretend We're Dead" eines Tages aus seinem Zimmer in die elterliche Wohnung kroch, und ich sofort vorstellig wurde: "Die musst Du mir mal ausleihen!" - und so wurde das 1992 veröffentlichte dritte Album L7s zu einer der Sommerplatten des Jahres und "Pretend We're Dead" zum MVP jedes Mixtapes, mit dem ich meine Vereinskameradinnen und meine Trainerin auf der Rollkunstlaufbahn der TGS Vorwärts Frankfurt in den Wahnsinn trieb. Was ich damals zwischen Hormonstau, Karohemd und der mich stets umgebenden Wolke aus Zino Davidoff und Benson & Hedges nicht erkannte, wie einzigartig sowohl Stil als auch Sound dieser Platte sind. Und selbst 33 Jahre später habe ich so meine liebe Mühe mit der Entschlüsselung. L7 hatten schon zu Beginn ihrer Karriere ein außerordentliches Talent dafür, ihren Punkrock um monotone und zähflüssig kriechende Gitarrenriffs herum aufzubauen und damit einen bemerkenswert originellen Vibe zu entwickeln.

Einerseits klingen L7 richtig assi, rotzig und ein bisschen außer Kontrolle, andererseits sind sie aber auch sludgy, brütend, klaustrophobisch. Produzent Butch Vig, der erst ein paar Monate zuvor Nirvanas "Nevermind" aufs nächste Level beförderte und damit gleich die ganze Musikszene auf links krempelte, hat für "Bricks Are Heavy" den Fokus auf kompromisslose Verdichtung von Sound und Songs gelegt. Und womöglich hat die Band dadurch ein paar Nachkommastellen ihrer früheren Rohheit verloren, aber das Defizit mit Attitüde und Eingängigkeit gleich wieder wettgemacht - ohne einen Kratzer in ihrer Glaubwürdigkeit hinnehmen zu müssen. Vielleicht ist "Bricks Are Heavy" eines der coolsten Schlüsselalben zwischen Riot Grrrl-Punkrock und Grunge, das Aufbruch, Widerstand, Antiautorität und Freiheit symbolisiert. Es waren packende Zeiten. 


Vinyl und so: Man möchte wie so oft meinen, es wäre sinnvoller, Alben wie "Bricks Are Heavy" permanent verfügbar zu halten, meinetwegen auch auf niedrigem Niveau, anstatt die siebenunddreißigste "Collector's Edition" eines prähistorischen Springsteen-Schinkens auf die Boomer loszulassen, aber am End' überschätze ich bloß den Markt für L7 und unterschätze ihn gleichzeitig für Wohlfühlkotze aus dem Hinterland. Es wird im Falle von "Bricks Are Heavy" also ein bisschen kompliziert, eine Kopie zu finden. Die größten Erfolgsaussichten, finanziell mit einem blauen Auge davon zu kommen, bestehen mit dem Erwerb der 2022 erschienenen und ganz nett gemachten Jubiläumsausgabe von Licorice Pizza mit alternativem Coverartwork (auch als Goldpressung erhältlich) und bezahlt um die 50 Euro. Oder man legt noch 20 bis 30 Euro drauf und hält Ausschau nach der Originalpressung von 1992. Meine 2022er Pressung klingt gut und hat keine größeren Probleme.


 



Erschienen auf Slash, 1992.